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Jugendliche und Suchterkrankungen

Jugendliche und Suchterkrankungen

28.09.2016
Während die sogenannten "nicht stoffgebundenen Süchte" (Handy, Internet…) zunehmen, ändert sich bei "stoffgebundenen Süchten" (Drogen) vor allem die Art der konsumierten Substanzen. Eine eigene Tagung der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie soll damit befassten MedizinerInnen, PsychologInnen und PsychotherpeutInnen aus dem deutschsprachigen Raum jetzt ein Update geben. Mit 120 TeilnehmerInnen ist die Tagung restlos ausgebucht.

Geht man nach den statistischen Zahlen, dann sind bereits Kinder von Internet- oder Smartphone-Abhängigkeit betroffen. Bei der klassischen Drogensucht sind es Jugendliche, die schon früh in eine klassische Abhängigkeit rutschen können. In erstem Fall steigen die Zahlen der Betroffenen an. Im zweiten Fall ist es vor allem die Art von Drogen, die sich ändert. Teilweise um dem Gesetzgeber „davon-zu-laufen“. Die Entwicklung geht weg von klassischen Suchtgiften (intravenöse Drogen sinken sogar) hin zu synthetischen, psychoaktiven Substanzen aus dem Labor. Einzig Alkohol und Tabak bleiben weiterhin als Konstante in der Statistik erhalten. Substanzkonsum hat wissenschaftlich nachgewiesen eindeutig negative Auswirkungen auf Entwicklungsstörungen, intrapsychische und interpersonelle Konflikte sowie soziale Probleme.

„In den letzten Jahren hat die Forschung außerdem gezeigt, dass Cannabis doch nicht so harmlos ist, wie es teilweise kommuniziert wurde. Unterschätzt wurde die Wirkung auf die Hirnreifung bei Jugendlichen sowie als Einstiegsdroge. Wobei wir hier nicht nur den Einstig in die Drogensucht meinen, sondern auch den Einstieg in ernstzunehmende psychische Erkrankungen“, erklärt die Direktorin der Innsbrucker Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kathrin Sevecke. Die gute Nachricht ist, dass in dem Bereich der stoffgebundenen Süchte bei Jugendlichen inzwischen auch die Forschung einen großen Schritt weiter ist. Als Folge der intensiven Forschung gibt es inzwischen eigene, auf Jugendliche zugeschnittene Entzugsprogramme. In der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall wird es deshalb auch die einzige auf diese Altersgruppe zugeschnittene Suchtstation Österreichs geben.

Das Phänomen der nicht stoffgebundenen Süchten, wie der Abhängigkeit nach Smartphone oder Internet, wurde bei Jugendlichen in den letzten Jahren intensiv beforscht, berichtet der stellvertretende Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Martin Fuchs: „Beeindruckend ist, dass Jugendliche beim Entzug vom Smartphone ähnliche bis gleiche Entzugssymptome zeigen wie bei Entzug von klassischen Drogen. Das kann bis zur körperlichen Gewalttätigkeit gehen.“

Aktuellen Zahlen zufolge nutzen derzeit quasi 100 Prozent der österreichischen Jugendlichen das Internet. 80 Prozent davon auf einem mobilen Gerät. Der Großteil davon (9 von 10) zeigt ein normales Nutzungsverhalten. Ein kleiner, aber wachsender Teil, entwickelte schädliche Verhaltensmuster.

Aktuelle Zahlen aus Tirol (400 befragte Innsbrucker SchülerInnen) zeigen bei knapp acht Prozent einen problematischen Internet-Gebrauch, bei über drei Prozent sprechen die MedizinerInnen von Internet-Sucht. Schüler sind deutlich häufiger betroffen als Schülerinnen. Untersucht wird derzeit auch der Zusammenhang mit anderen psychiatrischen Grunderkrankungen, da bei den befragten stationären PatientInnen der Innsbrucker Kinder- und Jugendpsychiatrie ein 5-faches Risiko für suchtartigen Internetgebrauch ermittelt werden konnte. Wie auch die stoffgebundenen Süchte, können auch die nicht stoffgebundenen Auslöser für psychiatrische Erkrankungen (Adipositas, soziale Phobien, Schlafstörungen, Tag-Nacht-Umkehr) sein.

Was können Eltern tun, um vorzubeugen? Die Innsbrucker ExpertInnen raten für den gesamten Bereich der Suchterkrankungen vor allem dazu, Kinder und Jugendliche zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen. „Natürlich klingt das einfacher, als es ist", sagt Sevecke, „aber vor allem bei neuen Medien ist es wichtig, die Psyche des Kindes für einen verantwortungsvollen Medienkonsum zu schulen. Stichwort Medienerziehung. Strafen oder Verbote helfen hier wenig. Meist haben sie sogar die gegenteilige Wirkung".

Sollten Eltern Sorge haben, dass ihr Kind in eine Form von Abhängigkeit rutscht, dann ist es am besten, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Neben der tiefgehenden Information können die dortigen ExpertInnen auch eine Ersteinschätzung treffen, ob es nötig ist, Kontakt mit der Innsbrucker Klinik aufzunehmen.

Substanzkonsum Jugendliche:

Alkohol: schädlicher Gebrauch ca. 10 %
Abhängigkeit Alkohol ca. 2,5 %

Nikotinabhängigkeit ca. 30 %
Cannabiskonsum: 0,5 %
Cannabisabhängigkeit: 2,2 %

Insgesamt ca. 6 % Missbrauch bzw. Abhängigkeit von illegalen Drogen bei Jugendlichen

Fotos (tirol kliniken/seiwald): Univ.-Prof. Dr. Kathrin Sevecke (Direktorin der Innsbrucker Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Dr. Martin Fuchs (stv. Direktor der der Innsbrucker Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie)

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