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Europäisches Pionierzentrum in Hochzirl

Europäisches Pionierzentrum in Hochzirl

28.01.2021
Viele Krankheitsbilder haben eine neurogene Schluckstörung zur Folge. Nicht nur nach einem Schlaganfall, auch nach Tumoroperationen, Schädel-Hirn-Traumata oder Lähmungen können PatientInnen das Schlucken verlernen. Für die meisten bedeutete das bis vor kurzem noch ein Leben mit einer sogenannten Trachealkanüle - eine Kanüle, die nach einem Luftröhrenschnitt eingelegt wird, um die/den PatientIn mit Luft zu versorgen.

Das Landeskrankenhaus Hochzirl - Natters, Standort Hochzirl gilt als eines der führenden Zentren in der Behandlung von neurologischen Schluckstörungen. Von Beginn an war Hochzirl bei der Anwendung der neuen Methode der Pharynxstimulation (Pharynx = Atem- und Speiseweg) mit dabei und wurde somit zu einem der Pionierzentren in Europa. „Bereits nach der Zulassung wurde die Methode hier in Hochzirl erfolgreich angewandt und erst kürzlich im Lancet publiziert“, erklärt Elke Pucks-Faes, Primaria der Abteilung Neurologie am LKH Hochzirl - Natters, Standort Hochzirl stolz.

Elektrostimulation

Bei der Therapie handelt es sich um eine Elektrostimulation durch die Areale im Gehirn, die für den Schluckvorgang zuständig sind, wieder reaktiviert werden können. Eine Sonde wird über die Nase, den Rachen weiter in die Speiseröhre und den Magen eingeführt. Mit dieser Sonde werden Metallelektroden im Rachen positioniert, die einen Stromimpuls im niedrigen Milliamperbereich abgeben. Diese Impulse können im Gehirn Areale stimulieren und reaktivieren. So kommt es im besten Fall zu einer Wiederherstellung des Schluckvermögens. „Die Effekte stellen sich rasch ein und die Behandlung ist für die Patienten eine wenig belastende Methode“, erklärt Heinrich Matzak, Oberarzt an der Abteilung Neurologie Hochzirl.

Lebensqualität

Eine Dysphagie, also Schluckstörung, verlängert die Dauer des Krankenhausaufenthaltes oftmals deutlich. Daher ist es essenziel, so früh wie möglich mit der Behandlung zu beginnen, um optimale Ergebnisse im Sinne der PatientInnen zu erreichen und so auch Kosten und Anforderungen an das Gesundheitssystem zu reduzieren und die Weiterversorgung zu erleichtern. „Die Pharynxstimulation stellt unserem Team ein neues technisches ‚Werkzeug‘ zur Verfügung, das sehr effektiv bei der Behandlung von Schluckstörungen angewendet werden kann“, freut sich die Primaria. Damit möglichst viele PatientInnen von dieser Therapie profitieren können, gilt es nun, dieses Verfahren in die Breite zu tragen.

Erfahrungsberichte

Zwei Patientinnen, die dank dieser Methode wieder selbständig Schlucken können und auf keine Pflege mehr angewiesen sind, berichten über ihre Erfahrungen.

Sandra aus Innsbruck war auf Grund eines Guillain-Barrè-Syndroms 2014 wochenlang komplett gelähmt und in ihrem Körper gefangen. Auch nach dem Wiedererlangen der Bewegungen konnte sie ohne Kanüle weder Schlucken noch Sprechen. „Ich war ein Jahr in Hochzirl und musste alles neu lernen. Heute kann ich auch wieder alles Essen. Es hätte mir nichts Besseres passieren können, als hierher zu kommen“, so Sandra dankbar.

Anna Maria hatte den weiten Weg aus Salzburg auf sich genommen, um im Zuge des Interviews die Gelegenheit wahrzunehmen sich bei Primaria Pucks-Faes und ihrem Team zu bedanken. Nach einer Tumoroperation im Kleinhirn gab es Einblutungen und Anna Maria musste alle Bewegungen wieder neu erlernen. „Zu Beginn hat es geheißen, ich werde von der Kanüle nie wieder wegkommen“, so die ehemalige Patientin. „Ich bin nach Hochzirl gekommen, weil hier die Behandlung so gut war und bin hiergeblieben. Nach drei Jahren Therapie kann ich heute ohne Kanüle leben.“

Bildmaterial:

Fotos: https://we.tl/t-HPQBxb4cos

Portrait Heinrich Matzak, Oberarzt an der Abteilung Neurologie, LKH Hochzirl - Natters, Standort Hochzirl (tirol kliniken/Schirmer)

Portrait Elke Pucks-Faes, Primaria der Abteilung Neurologie am LKH Hochzirl - Natters, Standort Hochzirl (tirol kliniken/Seiwald)

Videos: https://we.tl/t-Cz8X9mkH5Z (Interviews: Pucks-Faes und Matzak zur Methode, Erfahrungsberichte von Patientin Sandra aus Innsbruck und Patientin Anna Maria aus Salzburg) (Quelle: tirol kliniken)

Titelbild auf Startseite: Quelle: Phagenesis

 

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