Gynäkologie

Bei uns sind Sie in besten Händen.

Gynäkologie

In der Gynäkologie (oder auch Frauenheilkunde) behandeln wir am LKH Hall alle Erkrankungen des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes. Dies schließt auch Erkrankungen der Brust ein.

Aus dem gesamten Behandlungsspektrum möchten wir Ihnen hier ein paar Spezialgebiete vorstellen:

Endometriose - Die unerkannte Erkrankung der Gebärmutter

Das Endometriose-Zentrum Hall wurde von der Stiftung Endometriose Forschung, der Europäischen Endometriose Liga und der Endometriose Vereinigung Austria zertifiziert. Die Rezertifizierung läuft derzeit.

Endometriose ist eine sehr häufige, gutartige (allerdings meist schmerzhafte und chronische) Erkrankung im Gebärmutterbereich der Frauen. Oft werden Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Verkehr, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang beziehungsweise ungewollte Kinderlosigkeit nicht der Erkrankung Endometriose zugeordnet. Im Durchschnitt dauert es daher bei betroffenen Frauen bis zur Diagnosestellung zehn Jahre. In diesem Zeitintervall haben etwa die Hälfte der betroffenen Frauen fünf oder mehr Ärzte aufgesucht.

Das Ärzteteam der Gynäkologie Hall hat es sich zur Aufgabe gemacht, betroffenen Frauen zu einer schnellen Diagnose und zu einer wirkungsvollen Therapie zu verhelfen. Wir verfügen über langjährige Erfahrung in der Stellung der Diagnose und wenden die neuesten operativen Verfahren an. In unserer Spezialambulanz erwarten wir Sie gerne, um Sie eingehend zu beraten und gegebenenfalls mit Ihnen ein Therapiekonzept zu erstellen.

Gerne stellen wir bei Endometriose und Kinderwunsch auch die weiteren Kontakte her und begleiten Sie bis hin zur Geburt. Auch über alternative Therapieansätze werden Sie von unserem Team kompetent informiert. Weiters haben wir für Sie eine Kurzinformation zusammengestellt, die Ihnen die wichtigsten Punkte zum Thema Endometriose vermittelt.

Was genau ist Endometriose?

Es handelt sich dabei um Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt. Normalerweise verändert sich die Gebärmutterschleimhaut zyklusabhängig, jedoch sollte sich diese nur in der Gebärmutter befinden.

Wenn allerdings Endometrioseherde im unteren Bauch- bzw. Beckenraum auf die hormonellen Veränderungen reagieren, entstehen oftmals lokale Entzündungen, welche Schmerzen verursachen. Häufig sind auch die Eierstöcke betroffen. Hier können mit unter mit Ultraschall Zysten festgestellt werden (Schokoladezyste).

Auch kann die Gebärmuttermuskulatur befallen sein. Eine Ausbreitung auf Blase, Darm, Eileiter und Scheidenwände ist möglich. Äußerst selten manifestiert sich die Endometriose in der Lunge oder im Gehirn.

Häufigkeit

Etwa 4 bis 12 Prozent aller Frauen erkranken zwischen der Pubertät und den Wechseljahren an Endometriose. Die Krankenheitshäufigkeit (Prävalenz) hängt von der klinischen Situation (den Beschwerden) der Frauen ab. So liegt sie bei Frauen mit Regelschmerzen bei 40 bis 60 Prozent, bei Frauen mit chronischen Unterleibschmerzen bei über 30 prozent und bei Frauen mit unerfülltem Kinderwusch bei etwas 20 bis 30 Prozent.

Ursache

Im Wesentlichen gibt es vier Erklärungsmodelle für die Endometriose. Die Entstehung ist jedoch nicht restlos aufgeklärt.

  • Transplantationstheorie nach Sampson: Hierbei wird vermutet, dass die Gebärmutterschleimhautzellen während der Menstruation nicht wie normalerweise über die Gebärmutter abbluten, sondern über den Weg der Eileiter in den Bauchraum gelangen. Dies ist aber nicht nur über die Eileiter sondern auch über das Blut und Lymphgefäße möglich. Auch durch operative Eingriffe an der Gebärmutter.
  • Metaplasietheorie nach Meyer: Hier wird vermutet, dass Enodmetrioseherde an Ort und Stelle aus embryonalen Zellen entstehen.
  • Die Induktionstheorie stellt eine Kombination aus der Transplantations- und Metaplasietheorie dar.
  • Archimetratheorie von Leyendecker: Es geht hierbei um ein Modell zur Erklärung der Endometriose innerhalb der Gebärmuttermuskulatur. Danach führt eine gesteigerte Muskeltätigkeit (Peristaltik) der Gebärmuttermuskulatur zu kleinsten Verletzungen in dieser (Autotraumatisierung). Im Reparationsmechanismus werden lokal Östrogene freigesetzt, welche wiederum die Peristaltik verstärken.

Keine der vorliegenden Theorien kann jedoch bislang das komplexe Bild der Endometriose erklären. Vielmehr muss man ein mehrschichtiges (multimodales) Konzept aus den bisher bekannten Theorien annehmen, in dem eine Vielzahl von verschiedenen Faktoren zusammenwirken.

Behandlung

Da es bis lang keine hinreichende Erklärung für die Entstehung der Endometriose gibt und da auch die diagnostischen Möglichkeiten eingeschränkt sind, bleibt zumeist keine andere Alternative als die Operation. Wir bemühen uns vor allem bei einem bestehenden Kinderwunsch um organerhaltende Operationsmethoden.

Zumeist wird die Operation im Rahmen einer Bauchspiegelung durchgeführt. Ziel der operativen Therapie sollte auf der einen Seite die Schmerzfreiheit oder die Erfüllung des langersehntern Kinderwunschen sein.

Desweiteren unterstützen uns im Rahmen einer konservativen Therapie  Schmerztherapeuten, Diätologen und Physiotherapeuten. Falls Sie es wünschen vermitteln wir den Kontakt mit einem Kinderwunsch-Zentrum. Auch kooperieren wir mit Selbsthilfegruppen über die Landesgrenzen hinaus.

Wir würden uns freuen Ihnen weiter zuhelfen und auch sind auch gerne bereit Sie bei der Kontaktherstellung zu unterstützen.

Ambulanzzeiten entnehmen Sie bitte dem Ambulanzzeiten-Portal der tirol kliniken, individuelle Terminvereinbarungen unter: +43 (0) 50504 - 36300

 

EVA - Endometriose Vereinigung Austria

FEAMIL - Frauen Informationszentrum Vorarlberg

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Gynäkologische Onkologie (Tumore der Frau)

An unserer Abteilung wird fachübergreifend (Interne, Chirurgie, Urologie, Radiologie) im Rahmen eines wöchentlich stattfindenden Tumorboards nach derzeitigen Standards eine individuell angepasste Therapie für unsere Patientinnen maßgeschneidert.
Da vom ersten Kontakt an in unserer Ambulanz, der nachfolgenden Operation, der Chemotherapie und Nachsorge alles an unserer Abteilung durchgeführt wird, ist jeder Arzt mit der Krankengeschichte der jeweiligen Patientin vertraut.
Eine wesentliche Schlüsselrolle spielt dabei auch die Tumornachsorge an unserer Abteilung. Es werden alle Termine koordiniert. Für unsere Patientinnen gibt es immer eine Ansprechperson.
Wenn Termine außer Haus vereinbart werden müssen, wie es etwa bei der Strahlentherapie der Fall ist, können wir durch unsere guten Kontakt zur Strahlentherapie in Innsbruck auch zeitnahe Termine vereinbaren.

Einfacher Tumor-Leitfaden

Die nachfolgenden Diagnostik- und Therapieempfehlungen für gynäkologische Tumore soll Patientinnen als ein einfacher Leitfaden dienen.

Es handelt sich dabei um folgende Tumore:

  • Tumore der Gebärmutter (Gebärmutterhals und –körper)
  • Tumore des Eierstocks
  • Tumore der Scheide und der äußeren Geschlechtsorgane
  • Brustkrebs

Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom)

Das Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs) ist die häufigste bösartige (maligne) Erkrankung des Genitaltraktes der Frau. Betroffen sind Frauen in der Postmenopause. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt rund 68 Jahre.

Es handelt sich beim Gebärmutterschleimhautkrebs um bösartige Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, die die Gebärmutterhöhle auskleidet. Die genauen Ursachen der Entstehung sind noch nicht geklärt. Die Risikofaktoren sind jedoch bekannt: Übergewicht, Zuckerkrankheit, hoher Blutdruck sowie frühe erste Regel beziehungsweise späte Menopause, Hormonersatz (Östrogenmonotherapie).

Als Schutz gelten die Einnahme von oralen Verhütungsmitteln aber auch Schwangerschaften.

Symptome

Wie bei den meisten bösartigen Erkrankungen gibt es im Frühstadium kaum Symptome. Es sollte jedoch bei irregulären Blutungen oder neu aufgetretenen Blutungen in der Menopause unbedingt eine gynäkologische Untersuchung erflogen.

Behandlungsmöglichkeiten

Nach erfolgtem Ultraschall zur Einschätzung der Schleimhautveränderung sollte zur Diagnosesicherung eine Ausschabung(Kürettage) durchgeführt werden.

Die weitere Behandlung erfolgt entsprechend dem Resultat der Gewebeproben (Histologie) und dem Ergebnis der Computertomographie. Entscheidend hierbei ist, ob die Veränderung bereits auf andere Abschnitte der Gebärmutter oder andere Körperregionen übergegriffen hat.

Eine Gebärmutterentfernung ist meist die Erstbehandlung. Dieser Eingriff kann besonders im Falle eines frühen Erkrankungsstadiums schonend mittels Bauchspiegelung durchgeführt werden. Jedoch ist bei schlechter körperlichen Verfassung in manchen Fällen auch eine Strahlentherapie möglich.

 

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Gebärmutterhalskrebs ist die zweithäufigste Todesursache junger Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Ein Impfstoff, mit dem 75 Prozent der Erkrankungen verhindert werden könnten, ist bereits vorhanden, wird jedoch nicht flächendeckend eingesetzt. Im Rahmen der jährlichen Krebsabstrichkontrolle kann die Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses am sichersten rechtzeitig erkannt werden.

Symptome

Im Rahmen der jährlichen Krebsvorsorge wird mittels eines Abstriches, der histologisch aufgearbeitet wird, bereits in einem Frühstadium die Zellveränderung erkannt. Somit ist das Zervixkarzinom bereits in einem frühen Stadium in dem noch keine Symptome bestehen erkennbar. In einem späteren Stadium können Blutungen bzw Kontaktblutungen bestehen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Wahl in einem frühen Stadium ist die sogenannte Konisation. Hierbei wird ein keilförmiges Areal aus dem Gebärmutterhals entfernt. Falls es sich um ein höheres Stadium der Erkrankung handelt, muss die gesamte Gebärmutter mit anhängendem Bindegewebe und den dazugehörigen Lymphknoten entfernt werden. Zusätzlich kann der Einsatz von Chemo- oder Strahlentherapie notwendig werden.

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Der Eierstockkrebs entspricht etwa 18 Prozent der bösartigen Genitalerkrankungen. Häufig fehlt eine Frühsymptomatik komplett. Meist wird die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt.

Als schützend gelten eine lange Pilleneinnahme, eine vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke, Schwangerschaft und Stillen.

Zu den Risikofaktoren zählen das Alter (Häufigkeitsgipfel um das 60. Lebensjahr) und eine familiäre Häufung von Ovarialkarzinomen und Brustkrebs.

Die Möglichkeiten der Früherkennung sind beschränkt. Die Bestimmung von Tumormarkern (sogenannten Botenstoffe) oder hochauflösender Ultraschall sind nur eingeschränkt verwertbar. Die Unterscheidung zwischen gutartigen und bösartigen Prozessen ist nur durch eine operative Abklärung (primär durch eine Bauchspiegelung) möglich.

Symptome

In frühen Stadien bestehen keine wesentlich bemerkbaren Symptome. Es kommt jedoch in späten Stadien durch Flüssigkeitsabsonderung des Tumors in vielen Fällen zur Bildung freier Flüssigkeit im Bauchraum, die zu einem starken Druckgefühl mit Übelkeit, Erbrechen und Atemnot führen kann.

Therapie

Ziel ist die möglichst radikale Tumorentfernung durch die Entfernung von beiden Eierstöcken, der Gebärmutter, der zugehörigen Lymphknoten, des Bauchfells und durch die Entfernung des großen Netz sowie aller sichtbaren Tumorabsiedlungen. Des weiteren ist meist eine adjuvante Chemotherapie (tumorhemmende beziehungsweise tumorzerstörende Behandlung) nötig.

Krebs des äußeren Genitales der Frau (Vulvakarzinom)

Das Vulvakarzinom ist ein bösartiger Tumor der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane (Schamlippen, Klitoris). Das durchschnittliche Alter der Erkrankten liegt bei 70 Jahren, allerdings wird das Vulvakarzinom inzwischen immer häufiger auch bei jüngeren Frauen (35 bis 40 Jahren) diagnostiziert.

Als Risikofaktoren gelten Genitalwarzen beziehungsweise der Virusnachweis von Humanen Papillom-Viren (HPV) vom Typ 16. Humane Papillom-Viren sind die weltweit häufigsten Erreger von sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Symptome

Wie bei den meisten bösartigen Erkrankungen zeigen sich Symptome erst im fortgeschrittenen Stadium. Jedoch besteht bei vielen ein häufiger Juckreiz oder Brennen im Genitalbereich. Es können aber auch Hautveränderungen im Genitalbereich beobachtet werden. Zur Diagnosesicherung sollte im Rahmen einer speziellen gynäkologischen Untersuchung eine Gewebeprobe entnommen werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie ist immer eine so radikal wie mögliche operative Entfernung des betroffenen Areals. Ist jedoch das gesamte äußere Genitale betroffen, muss es zur Gänze entfernt werden mit teilweiser Entfernung der Lymphknoten der Leiste und des kleinen Beckens. Eine Bestrahlungstherapie in Kombination mit der Operation ist manchmal erforderlich.

Krebs der weiblichen Scheide (Vaginalkarzinom)

Das Vaginalkarzinom ist eine eher seltene Krebsform. Betroffen sind vor allem Frauen im Alter zwischen 60 und 65 Jahren. Zu den Risikofaktoren zählt man Infektionen mit dem HPV-Virus (Humanen Papillom-Virus) Typ 16 bzw. 18. Humane Papillom-Viren sind die weltweit häufigsten Erreger von sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Symptome

Symptome zeigen sich meistens erst im fortgeschrittenen Stadium. Häufig zeigen sich Blutungen aus der Scheide, vor allem nach dem Geschlechtsverkehr. In höheren Stadien kann es zur Störung der Harnblasen- oder Darmfunktion führen.

Wichtig ist auch in diesem Fall eine Abklärung mittels Abstrich, vaginalem Ultraschall und einer computertomographischen Einschätzung der Ausdehnung des Tumors.

Behandlungsmöglichkeiten

Radikale operative Eingriffe werden eher selten durchgeführt, weil sich mit der Strahlentherapie gute Ergebnisse erreichen lassen und sie für die Patientin weniger belastend ist. Eine Bestrahlung der Scheide kann von innen oder von außen durch die Haut stattfinden.

Brustkrebs (Mammakarzinom)

Jede Frau sollte monatlich ihre Brust untersuchen. Des weiteren gehört die Tastuntersuchung der Brust zu einer kompletten gynäkologischen Untersuchung dazu. Auch sollte eine Mammographie jährlich erfolgen. Bei suspekten beziehungsweise unklaren Befunden in der Mammographie sollte eine Stanzbiopsie zur Diagnosesicherung erfolgen.

Als Risikofaktoren für Brustkrebs gelten das weibliche Geschlecht, Alter über 50 Jahre, Alkohol und/oder Nikotinmissbrauch, Übergewicht und Verwandte 1. Grades mit Brustkrebs.

Symptome

Jede Veränderung der Brust muss abgeklärt werden. Seien es Veränderungen der Haut wie Rötungen, Verdickung der Haut oder gar nicht heilende offene Stellen. Oder neu aufgetretene Verhärtungen, Knoten der Brust oder Sekret- oder Blutabsonderung aus der Brustdrüse.

Behanndlungsmöglichkeiten

Je nach Stadium muss heute nicht unbedingt die komplette Brust entfernt werden. Aber auch in diesem Fall kann durch einen Brustaufbau mit Eigengewebe beziehungsweise mit Prothese eine Brust wiederhergestellt werden.

Im Falle einer Teilentfernung muss meist eine Strahlentherapie nach einer Operation folgen. Je nach Tumorbeschaffenheit und Lymphknotenbefall wird nachfolgend eine Therapie mittels Chemotherapie oder Hormonblockern durchgeführt.

Sollte Sie das Schicksal einer gynäkologischen Krebserkrankung treffen, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an unsere Abteilung. Wir werden uns sehr um Ihre Heilung bemühen. Ebenso ist es uns ein Bedürfnis, Sie bei der Wahl der für Sie geeignetsten Therapieform zu beraten.

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Harninkontinenz / Senkungsbeschwerden

Beckenbodenstörungen

Beckenbodenstörungen (Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz, Senkungsbeschwerden) bedürfen einer fächerübergreifenden (interdisziplinären) Diagnostik und Therapie.

Das Team der Gynäkologie Hall hat es sich zur Aufgabe gemacht, kompetent und in Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Chirurgie und Urologie durch innovative Diagnostik und Therapie Beckenbodenstörungen optimal zu behandeln.

Unser Ziel ist es, Frauen die unter Blasen- und Senkungsproblemen leiden, ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Harn-/Stuhlinkontinenz

Unkontrollierten/unwillkürlichen Harnabgang bezeichnet man als Harninkontinenz. Nicht nur ältere Frauen sind davon betroffen.

Rund 850.000 Österreicherinnen und 150.000 Österreicher leiden aufgrund von Blasen- und Beckenboden-Problemen unter ungewolltem Harnverlust, ständigem Harndrang am Tage und nachts, Blasenentleerungsstörungen, Kreuzschmerzen oder Darminkontinenz.

Neuste Untersuchungen zeigen, dass diese quälenden Beschwerden weitestgehend durch einen Gewebsschaden im Halte- und Stützapparat des Beckenbodens bedingt sind. Die häufigsten Ursachen dafür sind:

  • genetisch bedingt schwaches Bindegewebe,
  • vaginale Geburten
  • Operationen, Bestrahlung
  • Übergewicht, Bewegungsmangel
  • Östrogenmangel (besonders in höherem Alter)

Jede dritte Frau klagt nach der Entbindung über Blasenprobleme, die sich nur teilweise normalisieren.

Das Tabu-Thema: Inkontinenz

Wie kaum eine andere Erkrankung verursacht ein Harn- bzw Darmentleerungstörung Scham und in Folge oft Isolation. Die Beschwerden führen jedoch auch zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Der Alltag wird zum Problem. Und meist suchen die Betroffenen erst recht spät Hilfe. Das liegt in erster Linie daran, dass den meisten Patientinnen bisher nicht entscheidend geholfen werden konnte.

Welche Formen der Harninkontinenz gibt es überhaupt?

Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form der Harninkontinenz. Dabei reicht die Kraft des Schließmuskels unter Druck nicht aus um den Harn bewusst zurück zu halten.

Dranginkontinenz: Es besteht das gehäufte Gefühl, „die Blase ist voll, ich schaff es nicht mehr auf die Toilette“

Reflexinkontinenz: Es besteht keine bewusst Kontrolle der Blase.

Überlaufinkontinenz

Was nun?

Zunächst beginnen wir mit einem ausführlichen Gespräch. Dazu gehört ein standardisierter Inkontinenzfragebogen, den sie zunächst ausfüllen.

Im Anschluss erfolgt eine ausführliche urogynäkologische Untersuchung. Hier können bereits mehrere Ursachen ausgeschlossen oder diagnostiziert werden.

Falls nach diesem Termin noch Unklarheiten bleiben folgt bei einem gesonderten Termin eine urodynamische Untersuchung. Hierbei werden durch eine Sonde verschiedene Messdaten (Druckverhältnisse in Harnröhre und Blase) ermittelt.

Beckenbodenmuskulatur und Beckenbodenbänder

Der Beckenboden der Frau besteht aus zahlreichen Muskel- und Bindegewebsschichten, Bändern, Gefäßen und Nerven. Die Aufgabe dieser Strukturen ist:

  • Öffnung und Verschluss von Blase und Darm
  • Geburt
  • Sexualität
  • Schutz für die Bauchorgane

Wir teilen den Beckenboden in einen vorderen, mittleren und hintern Abschnitt ein. Den verschiedenen Abschnitten können verschiedene Funktionen und auch verschiedene Beschwerden zugeordnet werden.

Wenn das Gewebe nun im vorderen Abschnitt des Beckenbodens locker geworden ist, kann die Harnröhre beim Husten, Niesen, Pressen, Laufen oder beim Sport nicht mehr ausreichend verschlossen werden. Unkontrollierter Urinabgang ist die Folge. Da die vorderen Bänder auch für den Darmverschluss von Bedeutung sind, können Schäden in diesem Bereich auch zu unkontrolliertem Abgang von Darminhalt führen.

Defektes Gewebe im hinteren Bereich des Beckenbodens ist häufig mit Blasenentleerungsstörungen, nächtlichem Harndrang, Rücken- oder Unterleibsschmerzen sowie einer Senkung der Gebärmutter oder Scheide vergesellschaftet.

Behandlung

Wir haben im Laufe der Jahre gelernt, dass Schäden im gesamten Beckenboden-Bereich, vorne, in der Mitte und hinten durch eine präzise Diagnostik und eine sehr umfassende Untersuchung ermittelt werden können.

Anschließend kann in der nachfolgenden Operation genau an diesen Schwachstellen angesetzt werden. Geschädigte Bänder werden gestrafft, wenn nötig durch künstliche Bänder verstärkt. Überschüssige Haut wird in Schichten übereinander gelegt und nicht weggeschnitten. Vernarbungen werden durch Voroperationen gelöst. Damit wird die ursprüngliche Elastizität und Funktion des Beckenbodens wieder hergestellt.

Diese Operationen erfolgen zumeist vaginal, fast unblutig mit sehr kleinen Schnitten.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Das Beckenboden-Training: Dabei ist zu beachten, dass der Beckenboden zwei verschiedene Muskelarten enthält, die unerlässlich für die Blasen- und Darmkontrolle sind.

Die sogenannte Skelettmuskulatur öffnet und verschließt Blase und Darm. Sie lässt sich aktiv durch bewusstes An- und Entspannen stärken. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Hauptmuskeln, die nach vorne, hinten und unten ziehen.

Die andere Muskelart, die sogenannte glatte Muskulatur sorgt für die notwendige Elastizität im Becken- und Scheidenbereich. Sie hält die Genitalorgane in normaler Position und kann nicht willkürlich bewegt werden. Zur Kräftigung der glatten Muskelschicht ist eine Reizstrombehandlung, eine sogenannte Elektrostimulation zusätzlich notwendig.

Minimal-invasive Chirurgie

Allerdings führt das Beckenbodentraining nicht immer zum Erfolg. Vor allem wenn die Bänder, die von den Muskeln zu den Organen (Blase, Harnröhre, Scheide und Darm) ziehen, überdehnt, ausgedünnt oder anderweitig geschwächt sind.

Es gibt heute eine Vielzahl von Therapieformen, die wir gemeinsam mit Ihnen an Ihre speziellen Bedürfnisse anpassen.

Aufbauend auf den aktuellen Erkenntnissen der Beckenbodenfunktion bieten wir neue, wenig belastende und kaum schmerzhafte Operationen an, die unter den Begriff der minimal-invasiven Chirurgie fallen.

Der entscheidende Unterschied gegenüber herkömmlichen, „traditionellen“ Operationsmethoden liegt darin, dass bisher meist mit sogenannten Gewebsraffungen gearbeitet wurde. Unser neues Konzept vermeidet verengende Raffnähte und verfolgt das Ziel, geschädigtes Gewebe anatomisch korrekt zu korrigieren und in seinen normalen, ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Das Prinzip lautet: Anatomie und Funktion hängen unmittelbar und untrennbar zusammen, deshalb liegt der Schlüssel zum Erfolg unserer Therapien in der Wiederherstellung der ursprünglichen Anatomie.

Geschädigte oder geschwächte Bindegewebsstrukturen werden dabei oft durch hauchdünne Kunststoffnetze unterstützt. Wir verwenden dafür Materialien, welche vom Körper gut eingebaut und teilweise sogar aufgenommen (resorbiert) werden.

Die Gebärmutter muss keinesfalls immer entfernt werden. Sie erfüllt am Beckenboden eine wichtige Stabilitätsfunktion und sollte deshalb belassen werden, sofern sie nicht krankhaft verändert ist oder selbst Beschwerden verursacht.

Eine Gebärmutter-Entfernung führt eher zu Blasenproblemen im späteren Leben, wie neuere wissenschaftliche Arbeiten zeigen – das wollen wir unter allen Umständen vermeiden.

Aufbauend auf dem heutigen Verständnis über die normalen funktionellen Zusammenhänge am Beckenboden haben wir über die Jahre ein hohes Maß an Erfahrung und Know-how entwickelt und können betroffenen Patientinnen deshalb maßgeschneiderte und verbesserte Therapiepläne anbieten, welche gegenüber herkömmlichen Methoden folgende Vorteile bieten:

  • Hohe, bisher nicht erreichte Heilungsraten
  • geringe Schmerzen
  • kleine Wunden
  • kurzer Krankenhausaufenthalt,
  • schnelle Rückkehr ins Alltagsleben
  • Operation auch noch im hohen Alter

Chirurgisches Vorgehen bei Schäden in der vorderen Beckenzone

Ein spannungsfrei eingebrachtes, synthetisches Band (TVT für "Tension Free Vaginal Tape"), das die Harnröhre im mittleren Bereich stützt, verhindert einen ungewollten Urinabgang.  

Das geschädigte körpereigene Band durch ein zartes Kunststoffband ersetzt. Es wird mit einem kleinen Schnitt von der Scheide aus unter die Harnröhre gelegt und hinter dem Schambein oder in der Leiste nach außen geführt. Es wird so kurz abgeschnitten, dass es etwas zurückgleitet und unter der Haut einheilt. Alternativ verwenden wir bereits sogenannte „single incision“-Techniken, welche gänzlich ohne Hautschnitte auskommen.

Chirurgisches Vorgehen bei Schäden in der hinteren Beckenzone

Wenn der Bandapparat in der hinteren Zone geschädigt ist, kommt es zu einer Senkung oder zum Vorfall der Gebärmutter und der hinteren Scheidenwand, was zu Blasenentleerungsproblemen, quälendem Harndrang, Stuhlschmieren, aber auch zu erheblichen Schmerzen in Unterleib, Kreuz bzw. Rücken oder beim Sex führen kann.

Viele Patientinnen bemerken, dass Sie ihren Darm nicht zur Gänze entleeren können, ja zum Teil sogar selbst mit dem Finger in der Scheide die vollständige Darmentleerung ermöglichen müssen. Auch diese Beschwerden haben ihre häufige Ursache in einer Schädigung des Beckenbindegewebes.

In diesen Fällen muss der hintere Bandapparat durch ein Kunststoffband erneuert werden und zusätzlich eine Verstärkung der Scheidenwände erfolgen, um den Scheidengrund zu festigen und die Scheide zu strecken. Die Scheide und der Darm bekommen wieder ihre natürliche Lage.

Chirurgisches Vorgehen bei Senkung oder Vorfall der Gebärmutter oder Scheide

Ein Tiefertreten der Gebärmutter oder der Scheide bis zum Scheideneingang wird Senkung, eine Vorwölbung nach außen Vorfall genannt. Zur Senkung kommt es, wenn die Haltebänder nachgeben und die Gebärmutter nicht mehr gegen die Schwerkraft zurückhalten .

Durch eine operative Korrektur kann die Gebärmutter mit einem um den Gebärmutterhals gelegten Kunststoffband in ihre ursprüngliche Position gebracht und wieder aufgerichtet werden. Keineswegs muss wegen einer Senkung eine Gebärmutterentfernung durchgeführt werden. Es handelt sich bei der Senkung nur um die Folge einer Bindegewebsschwäche. (Niemand würde ein Rad wegwerfen, nur weil der Schlauch defekt ist)

Wenn die Gebärmutter nicht erkrankt ist, ist eine Gebärmutterentfernung bei einer korrigierenden Operation im Beckenbodenbereich keinesfalls notwendig, sondern die Ausnahme.

Narbiger, starrer Blasenhals nach vorausgegangenen Operationen

Durch vorausgegangene Scheidenoperationen können am Blasenhals Narben entstanden sein, die verhindern, dass die Harnröhre verschlossen werden kann. Massiver Harnverlust vor allem beim Aufstehen am Morgen aus dem Bett ist die Folge.

Ziel einer Operation sollte sein die normale Elastizität wieder herzustellen. Hierzu muss alles Narbengewebe zwischen Harnröhre, Blasenhals und Scheidenhaut entfernt werden. Der Defekt wird dann durch eine plastische Korrektur am Blasenhals durch einen sogenannten Verschiebelappen gedeckt.

Alternativen:

Medikamente

Auch wenn Medikamente den chirurgischen Eingriff nicht ersetzen können, verschaffen sie vielen Patientinnen mit mittlerer bis schwerer Dranginkontinenz eine deutlich höhere Lebensqualität.

Mittlerweile gibt es auch medikamentöse Hilfe bei Belastungsinkontinenz. Diese wird angeboten, wenn eine Patientin aus gesundheitlichen Gründen nicht operiert werden soll.

Pessartherapie

Pessare sind Einlagen aus Silikon. Diese werden in die Scheide eingeführt, und dort je nach Art des Pessars unterschiedlich positioniert. Pessare dienen dazu, den Übergangswinkel von der Blase zur Harnröhre so zu verändern, dass kein Urin ungewollt in die Harnröhre gelangen kann.

Sollten Sie unter einer oder mehrerer der angeführten Beschwerden leiden, dann wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an unsere Abteilung (Terminvereinbarung unter Tel. 050 504 36300) Wir werden uns sehr bemühen, Ihnen eine auf Ihre persönlichen Beschwerden abgestimmte, „maßgeschneiderte“ Therapie anzubieten.

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Minimal invasive Chirurgie in der Gynäkologie

Zur Beurteilung und Behandlung hat heute die „minimal invasive Chirurgie“ (Chirugie mit kleinsten Schnitten) in der Gynäkologie einen wichtigen Stellenwert erlangt. An unserer Abteilung wird bereits seit Jahren im Rahmen der international anerkannten Therapieindikation die Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt. Im Gegensatz zum herkömmlichen Bauchschnitt (Laparotomie) werden mit Hilfe modernster Technik über mehrere kleine Einschnitte Kamera (Optik) und Operationsinstrumente in die Bauchhöhle eingeführt.

Eine weitere Entwicklung ist die „Einknopfloch- Laparoskopie“, das so genannte SILS. Hier wird nur über einen kleinen Einschnitt im Bereich des Nabel operiert.

Vorteile dieser Methode:

  • Kein Bauchschnitt
  • weniger Komplikationen
  • schnellere Erholung (in der Regel 1./2. Tag) nach dem Eingriff
  • deutlich weniger Schmerzen
  • gewebsschonenderes Operieren ist möglich

Was genau passiert bei der Bauchspiegelung?

Bei dieser Operationsmethode wird zunächst über einen kleinen Einschnitt im Bereich des Nabels die Bauchhöhle mit CO2-Gas (Kohlensäuregas) aufgefüllt, um ein künstliche Höhle zu schaffen und damit die Bauchorgane besser beurteilen und erreichen zu können.

Anschließend wird über genau diesen Einschnitt eine Optik (Kamera) eingeführt, um unter Sicht die übrigen Einstiche im Unterbauch für die Instrumente zu setzen.

Beim SILS (Einknopfloch- Laparoskopie) werden Instrumente und Optik über einen einzigen Nabeleinschnitt eingeführt. Über einen großen Bildschirm (Monitor) kann nun der Operateur den gesamten Bauchraum beurteilen.

Diese Methoden ermöglichen problemlos die Operation an den Eileitern, Eierstöcken oder Gebärmutter.

Was kann alles mit Bauchspiegelung operiert werden?

  • Myomentfernung
  • Gebärmutterentfernung
  • Eierstockzysten-Entfernung
  • Behebung einer Eileiterschwangerschaft
  • Überprüfung oder Wiederherstellung der Eileiterdurchgängigkeit im Rahmen des Kinderwunsches
  • Endometriose-Entfernung
  • Senkungsoperation

Eine weitere Form der minimal invasiven Chirurgie ist die Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie), wobei hier die Gebärmutterhöhle mittels einer Kamera inspiziert werden kann. Dabei können:

  • Gebärmutterveränderungen gesehen werden
  • Myome, Polypen und Septen der Gebärmutter entfernt werden
  • Ursachen von Blutungen behoben werden

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