hoch3 September 2025 | #39

UNSERE GESCHICHTEN 13 werden abgeschirmt, bis der Körper die radioaktiven Substanzen wieder ausgeschieden hat und die Radioaktivität abgeklungen ist.“ Alles, womit Patient:innen in dieser Zeit in Kontakt sind – ob Geschirr oder Duschwasser – wird ebenfalls abgesondert, bis keine Strahlung mehr nachweisbar ist. Nebenwirkungen gibt es in der Diagnostik praktisch keine, und auch in der Therapie treten durch den zielgerichteten Einsatz selten Nebenwirkungen auf: „Am häufigsten kommt es zu Mundtrockenheit“, führt Irene Virgolini aus. „ICH BIN UNENDLICH DANKBAR“ Über die Ergebnisse der heutigen Nachuntersuchung macht sich Michael Lemberger, der ursprünglich Lehrer war, keine Gedanken. „Vielleicht ist das fatalistisch, aber ich kann nicht ändern, wie es ist. Ich habe meine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten umgestellt, alle zwei Wochen werden meine Blut- und PSA-Werte gecheckt, ich bin auf alles vorbereitet.“ Außerdem ist er in Gedanken schon in Südtirol, in der kommenden Woche hat der HobbyDrohnen-Pilot einiges vor: 30 Ziele möchte er in den nächsten 3 Tagen befliegen. Für eine Online-Lernplattform produziert er Videos von Großlandschaften, und das mit Leidenschaft. „Lebensfreude habe ich immer gehabt, aber die Behandlung hat meine Lebensqualität und auch mein Leben gerettet. Ich bin unendlich dankbar."  Bei der Behandlung kommen kurzlebige Radionuklide zum Einsatz. Diese werden direkt in der Klinik in einem spezi- ellen radiopharmazeutischen Labor hergestellt. Der Herstellungsbereich ist abgeschirmt und die Arzneimittel werden in sicheren Behältern über eine Schleuse abgeholt, wie hier am Bild durch Radiopharmazeut Clemens Decristoforo. UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR NUKLEARMEDIZIN Klinikdirektorin: Irene Virgolini Die ersten nuklearmedizinischen Verfahren wurden in Innsbruck bereits 1961 angewendet, 1976 entstand die Universitätsklinik für Nuklearmedizin. 2004 wurden die Therapiestationen eröffnet, die nach dem Prinzip „Architektur und Heilung“ ausgestattet wurden. Bis 2011 wurde das PET-Zentrum sukzessiv ausgebaut, der erste PET/CT-Scanner in Betrieb genommen und der Neubau der radiochemischen Laboreinrichtungen, wo die radioaktiven Arzneimittel hergestellt werden, eröffnet. 2018 wurde ein zweiter PET/CT-Scanner installiert und 2024 nach Gerätetausch das neueste Modell eingeweiht. Das interdisziplinäre Team der Klinik besteht aus Ärztinnen, Ärzten, Pflegepersonen, Radiologietechnolog:innen, Expert:innen der Radiopharmazie, Physik und Radiochemie. Ein kurzer Leistungsüberblick: • Schilddrüsenambulanz: Jährlich 8 000 Patient:innen, 17 000 erbrachte Leistungen • Nuklearmedizinisches Labor: Jährlich 70 000 Blutproben ausgewertet • Konventionelle Nuklearmedizin: 7 000 Patient:innen zur Untersuchung • PET-Zentrum: 6 000 PET/CT-Untersuchungen pro Jahr • Therapie-Station: 1 000 HochdosisBehandlungen pro Jahr

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