HOCH3, #43

21 zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt folgen Medikamente, Rehabilitation und viele offene Fragen. Vor allem eine beschäftigt sie: Wird sie jemals wieder arbeiten können? Ja, kann sie, allerdings nicht mehr in der Gastronomie. Nicole absolviert eine Ausbildung zur Personalverrechnerin und arbeitet heute erfolgreich im Büro. Auch privat stehen Änderungen an: Das Rauchen hat sie gleich nach der Diagnose aufgegeben. Und sie beginnt zu gehen. Zuerst kurze Strecken, dann ausgedehnte Spaziergänge und schließlich Wanderungen. „Vor der Diagnose war ich eigentlich gar nicht sportlich“, sagt sie und lacht. Heute führt sie auf ihrem Handy eine Liste mit Gipfeln, die sie erklimmen möchte. Besonders stolz ist sie auf ihre Touren zum Hohen Burgstall und auf die Elferspitze. Als nächstes Ziel wartet die Serles. „Ich höre gut auf meinen Körper, plane genug Pausen ein und vermeide Überanstrengung.“ Unter „die drei Stubaier“ will sie heuer jedenfalls noch einen Haken setzen. CHRONISCH LUNGENKRANK – COPD Während Nicole 2021 ihr Leben umstellt, wird Manfreds Name auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt. Bei dem diplomierten Krankenpfleger und langjährigen Mitarbeiter in Hall wurde 2018 eine mittelgradige COPD (Stadium 2) diagnostiziert. Die „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“ gehört zu den häufigsten chronischen Lungenerkrankungen. Etwa jede zehnte Person über 40 Jahre ist betroffen. Dabei kommt es zu einer dauerhaften Verengung der Atemwege. Husten, Auswurf und Atembeschwerden sind typische Symptome; insbesondere kann die Leistungsfähigkeit abnehmen. „Für rauchende Menschen ist der vollständige Rauchstopp die wichtigste Maßnahme. Ein individueller Therapieplan aus Medikamenten, Bewegung und gegebenenfalls Atemphysiotherapie kann dazu beitragen, die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu erhalten beziehungsweise zu verbessern“, erklärt Lungenexperte Tschurtschenthaler. Trotz verschiedener Therapien schreitet Manfreds Krankheit weiter fort. Drei Jahre lang begleitet ihn ein Sauerstoffschlauch durch den Alltag. „Ich war Tag und Nacht auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen. Irgendwann musste ich sogar Telefonate abbrechen, weil mir die Luft zum Reden gefehlt hat.“ Jede Bewegung wird mühsam. Selbst eine Stufe wird zum Hindernis. NEUE HOFFNUNG: LUNGENTRANSPLANTATION 2022 erhält er die erste Lungentransplantation. Die Transplantation verlief erfolgreich, rasch folgte aber eine Verschlechterung der Lungenfunktion. Er muss wieder auf die Warteliste. Während der Wartezeit verbringt er insgesamt rund 180 Tage im Krankenhaus. Der 58-jährige Tiroler erinnert sich an lange Minuten beim Warten auf den Notarzt. „Ohne Luft bekommt man Todesängste. Man hat ständig Angst zu ersticken“. Kurz bevor er 2023 an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wurde, kam der erlösende Anruf: Es gibt eine passende Spenderlunge. Diesmal verläuft alles gut. „HUMOR NICHT VERLIEREN IST DAS WICHTIGSTE“ „Ich habe ein großes Glück gehabt“, ist sich Manfred bewusst. „Es geht mir heute gut, und es hat sich alles rentiert.“ Mit einem E-Bike bringt er Bewegung in sein Leben, er absolviert regelmäßig seine Therapien und auch als Musikant ist er wieder aktiv. Seit er nicht mehr auf Sauerstoff angewiesen ist, besucht er wieder jede Woche seine Herrenrunde „unsere ‚Rushhour‘, da machen wir ‚Wochenanalyse‘ und ratschen über alles Mögliche.“ Dankbar ist er vor allem seiner Familie. „Meine Kinder haben mich immer unterstützt und mir geholfen, den Humor nicht zu verlieren“, lächelt er. „Wenn ich mich am Weg zum Kühlschrank in meinem sieben Meter langen Sauerstoffschlauch verheddert habe, war immer ein lustiger Spruch parat.“ Er spart aber auch nicht mit Selbstkritik. Gewohnheiten zu ändern sei ihm schwergefallen: Die Entwöhnung vom Rauchen war ein schwieriger Prozess. „Ich kann nur jedem empfehlen, passts auf euch auf und schauts auf die Gesundheit. Bewegt euch und genießt das Leben. Es ist zu kurz zum Schimpfen – wir sollten es auskosten.“ Weil jeder Atemzug zählt.  UNSERE GESCHICHTEN Es geht mir heute gut, und es hat sich alles rentiert. Manfred Christoph Tschurtschenthaler ist Oberarzt an der Pneumologie im Krankenhaus Natters und betreut Patient:innen wie Nicole und Manfred in der ambulanten Nachsorge.

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