HOCH3, #43

18 te Chemotherapie notwendig. Dabei werden neben den bösartigen Zellen auch gesunde, blutbildende Zellen im Knochenmark geschädigt, wodurch die Zahl der weißen Blutkörperchen stark absinkt. Das Immunsystem ist dadurch vorübergehend sehr geschwächt und die Patientinnen und Patienten sind besonders anfällig für Infektionen“, erklärt Normann Steiner, leitender Oberarzt im Bereich Zelltherapie. Nach einer allogenen Stammzelltransplantation wird das Immunsystem zusätzlich medikamentös unterdrückt. „Die Medikamente sollen verhindern, dass der Körper die fremden Spenderzellen abstößt. Gleichzeitig soll damit eine sogenannte Transplantat-gegenWirt-Reaktion verhindert werden, bei der die Immunzellen des Spenders den Körper der Patientin oder des Patienten angreifen können“, erklärt Steiner. In dieser Phase ist die körpereigene Abwehr besonders schwach und selbst „normale Luft“ wird so zum Risiko. Um die Patientinnen und Patienten bestmöglich vor Infektionen zu schützen, wird deshalb auch die Raumluft auf der Isolierstation besonders gründlich gefiltert. Die Patient:innen bleiben durchschnittlich vier bis sechs Wochen auf der Isolierstation, abhängig davon, wie schnell neue Stammzellen anwachsen und sich die Blutbildung sowie das Immunsystem erholen. GETRENNTE LUFTRÄUME Will man die Station betreten, muss man zuerst eine Schleuse passieren, die den Luftraum draußen von dem drinnen trennt. Erst öffnet sich eine Tür, dann – nach Anmeldung – die zweite. Obwohl bei unserem Besuch draußen sommerlich heiße Temperaturen herrschen, ist es auf der Station angenehm kühl. Oben an der Decke sieht man die unscheinbaren Lamellen des kontrollierten Luftfiltersystems, welches die gesäuberte Luft durch alle Zimmer und den Flur schickt. Dieses System schafft einen unsichtbaren Schutzraum für die Patient:innen. DIE MASKE FÜR DRAUSSEN „Diese besonderen Bedingungen ermöglichen es den Patientinnen und Patienten, dass sie sich frei auf der Station bewegen und den Aufenthaltsraum nutzen können, je nachdem wie ihr Gesundheitszustand gerade ist. Das bedeutet für sie viel Lebensqualität“, erklärt Josefine Bürgler, die Stationsleitung, während sie uns durch die Station führt. Sie geht an einem Zimmer vorbei, die Tür steht gerade offen. Dort sitzt Robert P. (Name von der Redaktion geändert) auf seinem Bett. „Hast du schon alles gepackt?“, fragt sie. „Ja, ich bin bereit!“, sagt er voller Freude. Nach sieben Wochen auf der KMT-Station ist sein Immunsystem endlich wieder so weit hergestellt, dass er nach Hause kann. In der Hand hält er schon eine Mundschutzmaske bereit, denn trotz des Genesungsfortschritts ist außerhalb der Station Vorsicht vor Infektionen angesagt. Josefines Blick fällt auf die Glasfensterfront hinter ihm im Zimmer, die einen wunderschönen Ausblick über die Dächer Innsbrucks auf die Nordkette bietet. „Die Fenster dürfen wir auf der Station nicht öffnen, das würde die sterile Luft verunreinigen. Für manche Patient:innen ist das durchaus eine Herausforderung, weil sie wochenlang nicht nach draußen können“, erzählt Josefine. 99,9 % PARTIKELFREI Ein Stockwerk tiefer beschreibt Kurt Kotrba, Leiter der Anlagentechnik der tirol kliniken, die Funktionsweise der technischen Anlagen. „Die kontrollierte Lüftungsanlage erzeugt einen Überdruck in den Räumen, sodass keine verunreinigte Luft durch Ritzen eindringen und sich mit der sauberen ⟩⟩⟩ UNSERE GESCHICHTEN Die Luft wird zu 99,9 % von Partikeln befreit. Kurt Kotrba

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