HOCH3, #43

19 UNSERE GESCHICHTEN vermischen kann. Das ist aber nicht spürbar“, erklärt er. Er führt uns in das Herzstück der Lüftungsanlage, direkt unter der Station. Im Versorgungsraum sind Filtersystem, Ventilatoren, Wärmetauscher und die in silberne Dämmung eingepackten Zu- und Abluftrohre untergebracht. „Die Anlage saugt Außenluft an und leitet sie kontrolliert durch drei Phasen der Filterung: Zuerst werden grobe Partikel entfernt, dann wird sie je nach Bedarf beheizt oder gekühlt sowie be- oder entfeuchtet, zuletzt geht sie durch einen endständigen Schwebstofffilter. So wird sie zu 99,9 % von Partikeln befreit, bevor sie in die Station und die Zimmer eingespeist wird. Auch die Abluft wird über ein Filtersystem gereinigt“, erklärt Kotrba. Stündlich zirkulieren so rund 16 000 Kubikmeter gesäuberte Luft durch die Station. Für die Genesung der Erkrankten spielen auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle – denn Trockenheit greift die Schleimhäute an und begünstigt Infekte. „Je nach Jahreszeit lassen sich alle Räume nach den Bedürfnissen der Patient:innen regulieren.“ KINDERONKOLOGIE: BETT IM LUFTVORHANG Neben dem System für die KMT-Station gibt es am Landeskrankenhaus Innsbruck auch noch andere technische Lösungen, die Patient:innen vor Keimen in der Luft schützt. Einzelne Zimmer auf der Station der KinderOnkologie sind mit lokalen Laminar-Flow-Einheiten direkt über dem Bett ausgestattet. An der Decke ist nur ein flaches, rechteckiges Element sichtbar, durch welches gefilterte Luft gleichmäßig geradlinig verteilt nach unten strömt. Somit entsteht eine Art Schutzvorhang rund um das Bett der kleinen Patient:innen, der alle Partikel und Mikroorganismen zurückhält. STÄNDIGE DESINFEKTION IST PFLICHT Neben der Luftfilterung gelten auf der KMT-Station strenge Hygienevorschriften, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. „Unsere oberste Priorität ist, dass sich Patientinnen und Patienten keinen Infekt zuziehen. Während der Infektionssaison arbeiten wir durchgehend mit Mund-Nasen-Schutz“, berichtet Josefine Bürgler. Werden bei Hygieneuntersuchungen hochinfektiöse Keime festgestellt, wird die betroffene Person isoliert: Das Zimmer wird dann mit Einmalschutzkittel, Mund-NasenSchutz und Handschuhen betreten. DER SCHRITT ZURÜCK IN DEN ALLTAG „Infektionsschutz, Übelkeit aufgrund der Chemotherapien und die Ängste der Schwerkranken sind die drei Themen, die uns jeden Tag in unserer Arbeit begleiten“, erzählt Josefine. „Tagsüber haben die Patient:innen zwischen Bluttransfusionen, Infusionen und Therapien meist weniger Zeit zum Plaudern. Am Abend, wenn es ruhiger auf der Station wird, beginnen sie dann oft zu erzählen“, weiß Josefine. Auch die Sorge, den geschützten Raum zu verlassen, beschäftigt die Patient:innen. „Für diese Sorgen und Ängste sind die Teams der klinischen Psychologie und der Klinikseelsorge zur Stelle“, ergänzt die Stationsleitung. Auch Robert P. kennt diese Gedanken. Nun wartet er auf seine Entlassung. Die Maske in seiner Hand für den Weg durch die Luft-Schleuse. Für den Weg nach Hause.  Am Abend, wenn es ruhiger wird, beginnen Patientinnen und Patienten dann oft zu erzählen. Josefine Bürgler

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