19 UNSERE GESCHICHTEN ZURÜCK IN DIE WAND Auch aus dem unfallchirurgischen Alltag kennt Keiler eindrückliche Verläufe. „Ich betreue viele sehr aktive Menschen – etwa Kletterer, die nach schweren Verletzungen wieder zurück auf die Wand wollen.“ Ein Patient, den er nach einem Sturz aus großer Höhe operiert hatte, schickt ihm bis heute regelmäßig Fotos vom Eisklettern. „Die Gelenke waren komplett zerstört, aber wenn Menschen motiviert sind, ist oft viel möglich – auch wenn der Weg dorthin lang sein kann und manches nicht mehr so ist wie vorher.“ INTERDISZIPLINÄRES ZUSAMMENSPIEL Die Eigenbluttherapie allein ist jedoch kein Allheilmittel und immer Teil eines Gesamtkonzepts. „Wie auch nach einer Operation oder dem Einsatz einer Gelenksprothese ist auch hier eine aktive Nachbehandlung entscheidend“, sind sich die Mediziner Keiler und Dobner einig. Ein abgestimmter Therapieplan aus physio- und auch ergotherapeutischen Maßnahmen ist zentraler Teil eines optimalen Genesungskonzepts. Viele Patient:innen unterschätzen nach einer Operation am Gelenk die Rehabilitationszeit: „Wenn jemand aufgrund von Gelenksschäden jahrelang Schmerzen hat, in der Bewegung eingeschränkt war und dadurch Muskeln abgebaut hat, dann ist es zum Beispiel mit einem Gelenksersatz alleine nicht getan“, beschreibt Dobner. „Der Aufbau und die Stärkung der Muskulatur brauchen Zeit, ist aber notwendig, um die Vorteile des neuen Gelenks im Alltag dann auch voll zu spüren.“ Gerade deshalb empfiehlt der Experte bereits vor einer geplanten Gelenks-OP, die betroffene Muskulatur im Rahmen der individuellen Möglichkeiten zu stärken. MUSKELAUFBAU: SPIELER UND GEGENSPIELER Fehlbelastungen können Gelenke schädigen, um das zu vermeiden braucht es das richtige Zusammenspiel der verschiedenen Muskelgruppen. „Wenn eine Muskelgruppe bevorzugt wird, kann das die schwächeren Muskeln hemmen“, erklärt Dobner. „Das hat Auswirkungen auf das Gelenk: Man kann sich das wie ein Fahrrad vorstellen, bei dem der Reifen eiert. Das Gelenk ‚läuft‘ dann nicht optimal.“ Es kommt also auf die gleichmäßige Kräftigung der relevanten Muskelpartien an. Übrigens nicht nur in der Therapie und Rehabilitation, sondern auch beim Training im Fitnesscenter: „Trainingsverletzungen sehen wir nicht häufig, kommen aber vor. Falsches oder unausgewogenes Trainieren kann langfristig Auswirkungen auf die Gelenke haben oder auch kurzfristig zu Verspannungen und Schmerzen führen. Also immer auf die Balance und die richtige Technik achten.“ Fußspezialist Alexander Keiler setzt die Eigenbluttherapie unter anderem bei Fersensporn, Sehnenentzündungen, Überlastungsreaktionen oder beginnender Arthrose ein. Fehlbelastungen können Gelenke schädigen – es braucht das richtige Zusammenspiel der verschiedenen Muskelgruppen. Michael Dobner
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