20 IM TRAININGSMODUS Übungen am Robotikarm und im Ganglabor sind Teil moderner Therapieansätze – und sie werden zunehmend spielerisch gestaltet. Im Ganglabor von Hochzirl etwa versucht Bernadette Torggler, auf einem Bildschirm einen virtuellen Fußball in der Luft zu halten. Gesteuert wird er allein durch ihre Beinbewegungen. Jeder Schritt zählt, jede kleinste Gewichtsverlagerung entscheidet darüber, ob der Ball oben bleibt. Was wie ein Spiel wirkt, fordert höchste Konzentration und trainiert gezielt Koordination, Haltung und Gleichgewicht. Sensoren erfassen dabei präzise ihre Bewegungen und machen Fortschritte sichtbar. Dass die 58-Jährige heute eigenständig gehen kann, ist alles andere als selbstverständlich – eine seltene Erkrankung hatte sie in den Rollstuhl gezwungen. Die spielerischen Elemente helfen ihr, motiviert zu bleiben und Schritt für Schritt in den Alltag zurückzufinden. Eine Vaskulitis – eine entzündliche Gefäßerkrankung – hatte ihr Leben von einem Tag auf den anderen verändert. Die Frau litt unter starken Schmerzen in Händen und Füßen und einer sich ausbreitenden Taubheit. Monate vergingen, bis schließlich an der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck die richtige Diagnose gestellt wurde. „Diese Zeit war die schlimmste“, sagt sie leise. „Ich wusste nicht, was mit mir passiert!“ Als sie zur Rehabilitation nach Hochzirl kam, ging nichts mehr. „Ich war komplett auf den Rollstuhl angewiesen.“ ZURÜCK AUF DIE BEINE Bernadette ist seither bereits zum dritten Mal in Hochzirl. Ihre Erkrankung hat Nerven, Muskeln und Gleichgewicht beeinträchtigt, aber sie hat sich schon ein großes Stück weit zurückgekämpft – Schritt für Schritt und unterstützt von ihren beiden Kindern und Schwestern, denn: „Alleine hätte ich das nicht geschafft." Auf der Neurologie im Krankenhaus Hochzirl wird Gamification gezielt eingesetzt, um Patient:innen bei der Rehabilitation zu unterstützen. Bewegungen werden über Sensoren in Spielfiguren übertragen, Übungen verwandeln sich in kleine Herausforderungen. Punkte, Levels, visuelles Feedback – alles, was motiviert, weiterzumachen. „Der Weg zu mehr Bewegung ist oft lange und anstrengend“, beschreibt Sportwissenschafterin Martina Leitner. „Spielen macht Spaß, und wenn etwas Spaß macht, fällt die Wiederholung einfach leichter. Die Patient:innen trainieren intensiver und länger, ohne es als Belastung zu empfinden.“ NIEMALS ALLEIN An diesem Tag begleiten Leitner und ihr Kollege Georg Posch jede Bewegung, korrigieren, motivieren und passen die An der Neurologie im Krankenhaus Hochzirl unterstützen moderne Robotiksysteme die Rehabilitation von Bernadette und Szymon – präzise, messbar und individuell abgestimmt. In Kombination mit Gamification entfaltet die Technik ihr volles Potenzial. Denn wenn Bewegungen zu Spielzügen werden und Fortschritte als Punkte sichtbar sind, dann wächst nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern vor allem die Motivation. IST KEINE OPTION! UNSERE GESCHICHTEN Redaktion: Michaela Speckbacher | Fotos: Gerhard Berger GAME OVER
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