XXXXXXXXX 1 Österreichische Post AG, MZ 04Z035687 M, tirol kliniken, Anichstr. 35, 6020 Innsbruck 22 Im Gespräch mit Andreas Mayr über Gamification in der Neurorehabilitation 14 Nachtschicht Skills Night - simulierter Nachtdienst für Studierende 10 Gemeinsam am Ball mit WM-Tipps unserer Mitarbeiter:innen JULI 2026 | #42 HOCH3 SPIEL
HOCH3 zeigt die Menschen, Ideen und Entwicklungen, die die tirol kliniken prägen. Sie haben Feedback, Anregungen, Wünsche? Schreiben Sie uns an: hoch3@tirol-kliniken.at 2 EDITORIAL MEDIENINHABERIN UND HERAUSGEBERIN: Tirol Kliniken GmbH, www.tirol-kliniken.at • REDAKTION: 6020 Innsbruck, Anichstraße 35, Tel. +43 664 8268914 hoch3@tirol-kliniken.at • REDAKTIONSLEITUNG: Mag.a Michaela Speckbacher, michaela.speckbacher@tirol-kliniken.at • Mag.a (FH) Teresa Lackner-Pöschl, teresa.lackner-poeschl@tirol-kliniken.at • HERSTELLUNG UND VERTRIEB: Tirol Kliniken GmbH, Michael Gehrer MSc, Karin Brozzu• DRUCK: Alpina Druck GmbH, Innsbruck • AUFLAGE, ERSCHEINUNG: 7000 Stück, produziert nach den Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens, Alpina Druck, UWZ-Nr. 1532, erscheint mind. 4x jährlich • BLATTLINIE LAUT MEDIENGESETZ: Unabhängiges periodisches Druckwerk mit dem Zweck der Information von Mitarbeiter:innen und unternehmensinteressierten Personen der Tirol Kliniken GmbH. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht zwingend die Meinung der Herausgeberin oder der Redaktion dar. Einzelne Inhalte dieses Magazins können unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt, bearbeitet oder unterstützt worden sein. Keine Gewähr für die Richtigkeit in Wort und Bild. Reproduktionen jedweder Art und jedweden Umfanges sind nur mit ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung der Redaktionsleitung gestattet. Wenn Sie das Magazin HOCH3 gerne beziehen möchten, geben Sie uns bitte unter hoch3@tirol-kliniken.at Ihre Anschrift bekannt. Abmeldungen können Sie uns ebenfalls über diese Adresse mitteilen. TITELBILD: Lukas Sieberer Sehr geehrte Lesende, nach welchen Spielregeln spielen Sie? Vieles im Leben ist kein Kinderspiel und doch fallen uns Dinge spielend leichter. Mit Spaß, Freude und einem angestachelten Ehrgeiz geht manches schneller von der Hand – ob im Büro, in der Freizeit oder eben auch bei uns, im Krankenhausalltag. Als HOCH³-Team spielen wir immer mit offenen Karten: Unser Ziel ist es, Geschichten der Menschen in den tirol kliniken zu erzählen. Unser Titelthema hat uns auch für diese Ausgabe wieder an viele verschiedene Orte geführt: In Hochzirl sind Robotik und Therapie schon längst „gamifiziert“ und unterstützen Patient:innen in der Neurorehabilitation. In Innsbruck waren wir live beim Simulationstraining „Skills Night“ dabei, wo Studierende gemeinsam eine realitätsnahe Nachtschicht durchspielen. In Hall hat uns eine Ergotherapeutin das Spiel als therapeutischen Zugang nähergebracht. Lesen Sie außerdem, was es mit dem „Gelenkspiel“ und der gesunden Beweglichkeit auf sich hat. Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame Lektüre und genug spielerische Leichtigkeit für den Sommer. Ihre Chefredakteurinnen, EDITORIAL NACH WELCHEN SPIELREGELN SPIELEN SIE? Die Redaktionsleiterinnen der HOCH3: Michaela Speckbacher und Teresa Lackner-Pöschl
3 20 Game over ist keine Option In Kombination mit Gamification entfaltet die Technik in der Neurorehabilitation in Hochzirl ihr volles Potenzial. 17 Gelenkspiel Experten erklären, was das Zusammenspiel der Gelenke stört, wann eine Eigenbluttherapie helfen kann und worauf es in Therapie und Training ankommt. 04 Eine von uns Ergotherapeutin Felizitas Schneider nutzt Spiel als therapeutisches Instrument. INHALTSVERZEICHNIS 10 Gemeinsam am Ball Die tirol kliniken im WM-Fieber – über Teamgeist und das Mitarbeiter:innen-WM-Orakel Eine von uns 04 Alles nur ein Spiel? Wussten Sie, dass … 08 Standortübergreifende Projekte strategisch denken Unsere Geschichten Gemeinsam am Ball 11 Nachtschicht 14 Gelenkspiel 17 Game over ist keine Option 20 Im Gespräch 22 #wirsindtirolkliniken 25 Green Wall hoch³aktiv 26 Wir arbeiten hochmotiviert, hochspannend und hochprofessionell. Gut zu wissen 32 Personalia, Termine, Dies & Das Für Körper und Geist Denksport 34 Ein Gruß von unserer Küche 35
4 EINE VON UNS ALLES NUR EIN SPIEL? Die Tür geht auf, herein kommt ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter. Emilia (Name geändert) ist seit zwei Wochen auf der Eltern-Kind-Station zur Abklärung einer Interaktionsstörung. Sie kennt das Zimmer bereits, auch Ergotherapeutin Felizitas ist ihr vertraut. Das Mädchen greift sich ein Holzpuzzle und beginnt sofort zu spielen. „Weißt du, wie das Krokodil macht? Aaar, ja, genau so. Arme auf, Arme zu. Das hast du gut gemacht. Bravo!“, lobt Felizitas die 2-Jährige. Die Therapeutin ahmt mit Bewegung und Stimme die Tiere aus dem Puzzle nach, motiviert Emilia es ihr gleichzutun und kommentiert das Geschehen mit einfachen Worten. Gemeinsam erkunden sie das TherapieSpielezimmer, einen geschützten Raum, der ganz auf Förderung ausgerichtet ist. Felizitas bleibt dabei durchgehend in direkter Interaktion mit dem Kind. Ergotherapeutin Felizitas Schneider nutzt Spiel als therapeutisches Instrument, um jungen Patient:innen in ihrer Alltagskompetenz zu unterstützen. Sie gibt einen Einblick in ihre Arbeit auf der Eltern-KindStation der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall. Text: Sabine Monthaler-Hechenblaikner | Fotos: Gerhard Berger
SPIEL ALS THERAPIE Was von außen betrachtet wie einfaches Spielen wirkt, ist weit mehr: Es ist eine zentrale kompetenzorientierte Methode der Ergotherapie. „Kinder erschließen sich die Welt über das Spiel, sie üben dabei Feinmotorik, Handlungsplanung, Konzentration, Ausdauer, Frustrationstoleranz und Selbstwirksamkeit“, erklärt Felizitas. Sie gibt Emilia bewusst Impulse im Spiel, lässt sie in eine Wanne voll mit Plastikbohnen steigen und leitet sie an, die Bohnen in einer leeren Flasche zu sammeln, die sie dann der Mutter bringt. Auf dem Weg dorthin baut Felizitas spielerisch ein kleines Hindernis ein, über dieses Emilia steigen muss. Die Ergotherapeutin leitet aus der Spielsituation ab, welche Handlungen Emilia im Alltag leichtfallen und wo gezielte Förderung nötig ist. Nach 45 Minuten intensiver Spielzeit ist die Therapieeinheit beendet. Emilia gähnt und lässt sich müde in Mamas Arme fallen. ENTDECKEN, WAS IN EINEM STECKT „Was mich einfach fasziniert, sind Menschen – und besonders Kinder und ihre Entwicklung“, sagt Felizitas Schneider, die seit über 20 Jahren als Ergotherapeutin an der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig ist. Dort betreut sie Patient:innen im Alter von wenigen Monaten bis 18 Jahren mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen und Entwicklungsauffälligkeiten, eingebettet in ein multiprofessionelles Team aus Ärzt:innen, Psycholog:innen, Sozialarbeiterin, Diätologin und Therapeut:innen. Das Behandlungsspektrum an der Klinik reicht von Essstörungen und ADHS über Schwierigkeiten im Sozialverhalten bis hin zu Autismus-Spektrum-Störungen und Suchterkrankungen. Während bei den Kleinsten die Therapie im Spiel erfolgt, kommen bei den Älteren Ansätze, wie Arbeiten mit Holz oder Ton, Zeichnen, Malen, Planen und Konstruieren zum Einsatz. Auch nach so vielen Jahren in diesem Beruf macht der 55-Jährigen die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nach wie vor großen Spaß. „Wenn Kinder erleben, dass sie etwas schaffen, verändert sich ihr Blick auf sich selbst, man sieht ihren Stolz“, freut sich Felizitas immer wieder aufs Neue über die kleinen Erfolge. WIRKUNG IN DIE TIEFE „Ergotherapie wird oft unterschätzt, weil die Tiefe und Wirkung der Therapie nach außen häufig nicht sofort sichtbar sind. Dabei steckt hinter jeder einzelnen Handlung enorm viel Entwicklungsleistung“, weiß Felizitas. „Nehmen wir zum Beispiel den Prozess des Schreibens. Kleinkinder ⟩⟩⟩ Das Spielzimmer ist ein geschützter Raum, der ganz auf Förderung der kleinen Patient:innen ausgerichtet ist. Arbeit mit Kräutern ist ein gutes Wahrnehmungstraining mit sensorischen Reizen. Das Pflücken, Riechen und Verarbeiten der Kräuter setzt Impulse, die das Gehirn aktivieren. Wir üben dabei Feinmotorik, Handlungsplanung, Konzentration, Ausdauer, Frustrationstoleranz und Selbstwirksamkeit Felizitas Schneider 5 EINE VON UNS
PBachelor für Berufsangehörige ■ Bachelor für MTD und Hebamme PMaster-Programme ■ Advanced Practice Physiotherapy ■ Applied Clinical Embryology ■ Ergotherapie und Handlungswissenschaften ■ Master of Business Administration ■ Optometrie PCAS-Lehrgänge ■ Angewandte, evidenzbasierte Optometrie ■ Berichtslegung und gutachterliche Tätigkeiten ■ Kinderoptometrie ■ Notfallpflege neu neu neu neu PAkademische Lehrgänge ■ Anästhesiepflege ■ Business Administration im Gesundheitswesen ■ Intensivpflege ■ Kinderintensivpflege ■ Kinder- und Jugendlichenpflege fh gesundheit – wir bilden die zukunft Die fh gesundheit bietet Ihnen Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten mit international anerkannten akademischen Abschlüssen. www.fhg-tirol.ac.at Fort- und Weiterbildungen Allgemeine Fortbildungen • Stresskompetenz im Berufsalltag leben Berufsgruppenspezifische Fort- und Weiterbildungen • Palliative Care für den gehobenen Dienst • i.v. Blutabnahme – Fortbildung für Pflegeassistent:innen • Wundmanagement – Wundschmerz und palliative Wundversorgung Management, Führung und Recht • Change-Prozesse initiieren und wirksam gestalten • Führung durch wirksame Kommunikation neu azw:academy www.azw-academy.ac.at Wir bilden Gesundheit Weiterbildungen für Gesundheits- und Krankenpfleger:innen J Basales und mittleres Pflegemanagement J Breast Care Nurse J Case und Care Management J Demenz Nurse J Diabetesberatung J Forensic Nursing J Herbalogie J Herzinsuffizienzberatung J Pain Nurse J Parkinson Nurse J Pflege bei endoskopischen Eingriffen J Praxisanleitung J Rheumaberatung J Wundmanagement Karriere durch Bildung Mit unseren umfassenden Weiterbildungsprogrammen heben Sie Ihre pflegerischen Kompetenzen auf ein neues Level. Entdecken Sie Ihre Spezialisierungsmöglichkeiten und gestalten Sie Ihre berufliche Zukunft. Weiterbildungen für Pflegeassistenz J Pflege bei Demenz J Pflege bei psychiatrischen Erkrankungen Wir bilden Gesundheit www.azw.ac.at Jetzt anmelden! fh gesundheit wir bilden die zukunft
halten den Stift zuerst noch mit der ganzen Hand, die Bewegung kommt aus dem ganzen Arm. Erst durch viel Übung entwickelt sich die Feinmotorik und die Bewegung kommt dann nur mehr aus dem Handgelenk.“ Genau diesen Weg vom ersten unbeholfenen Versuch, zur gezielten, selbstständigen Handlung begleiten Felizitas und ihre Kolleg:innen jeden Tag. DIE ARBEIT MIT DEN HÄNDEN MACHT GLÜCKLICH Felizitas arbeitet am liebsten mit den Händen, egal ob in der Klinik oder in ihrer Freizeit. „Ich bin sehr gerne im Garten und mag handwerkliche Tätigkeiten. Bei mir zuhause repariere ich vieles selbst“, erzählt sie, während sie durch die Gänge der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Richtung Außenbereich geht, vorbei an den selbstgemalten Bildern der jungen Patient:innen. Draußen angekommen, führt der Weg zu den Hochgartenbeeten, wo bereits verschiedenste Kräuter sprießen. Felizitas zupft ein Blatt Zitronenmelisse vom Strauch: „Das ist ein gutes Beispiel für Wahrnehmungstraining mit sensorischen Reizen: Durch das Pflücken und Riechen und Verarbeiten der Kräuter setzen wir Impulse, die das Gehirn aktivieren“, erklärt sie. MIT ALLEN SINNEN Kräuter haben es Felizitas sowieso angetan. In ihrer Freizeit verarbeitet sie die Pflanzen zu duftenden Seifen und Cremen. Das macht sie vor allem für sich privat, manchmal aber auch mit ihren Patient:innen. Riechen, Fühlen, Hören, Sprechen, Singen – kurz, die Arbeit mit dem Körper und den Sinnesorganen begleitet Felizitas in allen Lebenslagen. Beim Singen im Chor, beim Tanzen und im Tai Chi schöpft sie neue Energie. Das kann sie auch gut brauchen, denn in ihrem Beruf ist vor allem eines gefragt: viel Geduld und Ausdauer sowie die Bereitschaft, immer wieder neu zu entdecken, was in Kindern wie Emilia steckt. ⟩⟩⟩ EINE VON UNS 7 Riechen, Fühlen, Hören, Sprechen, Singen – kurz, die Arbeit mit dem Körper und den Sinnesorganen begleitet Felizitas beruflich wie privat. Ergotherapie wird oft unterschätzt, weil die Tiefe und Wirkung der Therapie nach außen häufig nicht sofort sichtbar sind Felizitas Schneider ERGOTHERAPIE KURZ ERKLÄRT Ergotherapie unterstützt Menschen jeden Alters dabei, ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit im Alltag zu erhalten oder wiederzuerlangen – etwa nach Erkrankungen, Verletzungen oder bei Entwicklungsverzögerungen. Der Begriff leitet sich vom griechischen „ergon“ ab – dem Tun, dem Handeln – und genau darum geht es: Menschen dabei zu unterstützen, ihren Alltag möglichst selbstständig und sinnvoll zu bewältigen. An den tirol kliniken arbeiten Ergotherapeut:innen in unterschiedlichen Fachbereichen wie Pädiatrie, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Neurologie, Innere Medizin, Chirurgie, Neurochirurgie oder Plastische Chirurgie. Die Therapie orientiert sich an den individuellen Ressourcen, Bedürfnissen und Zielen der Patient:innen. Praktisch bedeutet das zum Beispiel, nach einem Schlaganfall wieder Anziehen, Schreiben oder Essen zu üben, ältere Patient:innen nach längeren Krankenhausaufenthalten im Alltag zu unterstützen, Konzentration und Gedächtnis zu trainieren oder Kinder in ihrer motorischen und sensorischen Entwicklung zu fördern. Auch kreatives Gestalten, Bewegungs- und Wahrnehmungstraining sowie die Anpassung von Hilfsmitteln oder speziellen Handschienen gehören zur Ergotherapie. Ziel ist es, Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität nachhaltig zu fördern. Die Ausbildung erfolgt im Rahmen eines dreijährigen Bachelorstudiums an der fh gesundheit.
8 WUSSTEN SIE, DASS ... STRATEGISCHE ORGANISATIONS- UND QUALITÄTSENTWICKLUNG Überblick behalten, zukunftsfähige Entwicklungen mitgestalten und Veränderungen strategisch begleiten: Das Aufgabengebiet der Abteilung „Strategische Organisations- und Qualitätsentwicklung“ (kurz: SOQE) ist so breit wie die Themenvielfalt in den tirol kliniken. Das 17-köpfige Team unter der Leitung von Harald Nagiller (Bild 1) ist direkt der Medizinischen Geschäftsführung zugeordnet und arbeitet an der nachhaltigen und zukunftsorientierten Organisationsentwicklung aller Standorte. Bis 2025 als „Medizinisches Projektmanagement“ bekannt, kümmert sich die Abteilung heute um die strategische Weiterentwicklung von Projektmanagement, Qualitätsmanagement, Risiko- und Prozessmanagement, Organisationsentwicklung und psychosozialem Krisenmanagement. In Zusammenarbeit mit IT, Personalmanagement, Qualitätsmanagement-Abteilungen und der Abteilung Bau & Organisation analysiert und entwickelt SOQE Potenziale und begleitet Projekte mit fachspezifischen Methoden. Projekte strategisch denken WUSSTEN SIE, DASS ... WUSSTEN SIE, DASS … … Organisationsentwicklung oft mit einem konkreten Auftrag aus dem Arbeitsalltag beginnt und sich daraus viele weiterführende Themen rund um Prozesse, Zusammenarbeit und Abstimmung entwickeln? Ein Praxisbeispiel aus der Anästhesieambulanz: Gemeinsam mit den beteiligten Berufsgruppen werden Abläufe, Rollen und Räume optimiert, um präoperative Abklärungen noch strukturierter und effizienter durchzuführen. Klare Prozesse, digitale Vorbereitung und abgestimmte Zusammenarbeit unterstützen Patient:innen und Mitarbeiter:innen bedarfs- und zeitgerecht für bessere Planung, mehr Orientierung im Alltag und höhere Patient:innensicherheit. WUSSTEN SIE, DASS … … Projektmanagement in den tirol kliniken mehr als einfach nur Planung bedeutet? Es schafft Orientierung zu Projektbeginn, stärkt transparente Zusammenarbeit in abteilungsübergreifenden Teams und unterstützt die strukturierte Umsetzung strategischer, operativer und organisationsentwickelnder Vorhaben. Mit klaren Projektmanagement-Methoden, persönlichen Schulungen, und beratender Unterstützung trägt die Abteilung SOQE dazu bei, gute Ideen in wirksame Ergebnisse zu überführen. Darüber hinaus übernimmt das Team auch die Leitung ausgewählter, strategisch relevanter Projekte, wie die Implementierung der Projektmanagement Software, den Review von Logistikstrukturen und medizinische Konzepte für Bauprojekte (z. B.: Neuverortung Orthopädie und Traumatologie und Anästhesieambulanz). PROJEKTMANAGEMENT ORGANISATIONSENTWICKLUNG
9 WUSSTEN SIE, DASS ... WUSSTEN SIE, DASS … ... das Qualitätsmanagement in den tirol kliniken ein zentrales Instrument für eine sichere, wirksame und patient:innenorientierte Versorgung ist? Es unterstützt die kontinuierliche Verbesserung medizinischer, pflegerischer und organisatorischer Prozesse, definiert klare Standards und ermöglicht frühe Risikoerkennung. Die Abteilung SOQE koordiniert Audits und Zertifizierungen von Qualitätsmanagementsystemen. Des Weiteren obliegt ihr die Implementierung der Qualitätsstrategie. Die Abteilung SOQE konzipiert und organisiert ein breites Spektrum an Weiterbildungsprogrammen – dazu zählen auch der „Qualitätsmanagement-/Risikomanagement-Kompaktkurs“ und der „Refresher für Qualitätsbeauftragte und -manager:innen“ sowie Vertiefungsmodule zu Themen wie „Zertifizierung/ Akkreditierung und Normen“ oder „Interne Audits“. WUSSTEN SIE, DASS … … die Abteilung SOQE ein für Mitarbeiter:innen im Intranet zentral zugängliches Prozessportal wartet? Dadurch profitieren Kolleg:innen von transparent dargestellten Informations- und Kommunikationswegen. In den tirol kliniken sind reibungslose Abläufe ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine hochwertige Patient:innenversorgung. Prozessmanagement macht komplexe Zusammenhänge sichtbar, strukturiert Abläufe und fördert deren kontinuierliche Weiterentwicklung. Die Abteilung SOQE verantwortet unter anderem die Einschulung in die Prozessmanagement-Software, die Unterstützung bei der Prozesserhebung und -modellierung, die Prüfung der formalen Richtigkeit von Prozessen, die Betreuung der Prozesslandkarten sowie innovative Projekte wie das „Process Mining“. WUSSTEN SIE, DASS … ... das Gesundheitswesen ein Hochrisikobereich ist? Um die Patient:innensicherheit zu erhöhen, wurde in den tirol kliniken ein Risikomanagement-System etabliert: ausgebildete Qualitäts- und Risikomanagement-Beauftragte identifizieren in allen Abteilungen laufend Risiken und setzen geeignete Maßnahmen. Ergänzend dazu steht ein Fehlermeldesystem zur Verfügung. Die Abteilung SOQE verantwortet die Ausarbeitung und Weiterentwicklung der Risikopolitik, der Risikostrategie und eines wirksamen Risikomanagements. Zudem wird die tirol-kliniken-weite Implementierung des Business Continuity Managements vorangetrieben, um kritische Prozesse auch in Ausnahmesituationen abzusichern. PROZESSMANAGEMENT QUALITÄTSMANAGEMENT RISIKOMANAGEMENT (1)
10 XXXXXXXXXXXX Jetzt fix 3,125 % p.a* für 10 Jahre. Wir begleiten Sie ins Eigenheim. Mit Service. Weitblick. Und der passenden Finanzierung. Ein Klick in die Zukunft Achtung: Kreditaufnahme kostet Geld. Hypo Tirol. Unsere Landesbank. hypotirol.com/wohnraum * Fixer Sollzinssatz: Der fixe Zinssatz gilt für eine Laufzeit von 10 Jahren ab Vertragsbeginn. Nach Ablauf der Fixzinsvereinbarung ist der Zinssatz für die jeweilige Zinsperiode die Summe aus dem 3-Monats-Euribor, der einen TARGET-TAG vor dem jeweiligen Anpassungszeitpunkt (01.01./01.04./01.07./01.10.) im Informationssystem REUTERS veröffentlicht wird, zuzüglich Aufschlag und kaufmännisch auf volle 0,010 % gerundet. Dieses Angebot gilt, solange der Vorrat reicht. Stand Juni 2026.
11 UNSERE GESCHICHTEN ⟩⟩⟩ Genau deshalb fasziniert Fußball so viele von uns, „weil er sichtbar macht, was auch im Arbeitsleben zählt: Teamgeist, Fokus, mentale Stärke – und die Fähigkeit, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben“, weiß Sportpsychologin Mirjam Wolf vom ISAG (Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus) in Hall. In den tirol kliniken arbeiten Menschen in hochkomplexen Situationen – oft unter Zeitdruck, mit großer Verantwortung und emotionaler Intensität. „Wie im Spitzensport braucht es dafür nicht nur Fach-, sondern auch Selbst- und Sozialkompetenz: die innere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sich auf andere zu verlassen und nach Rückschlägen wieder aufzustehen“, so Wolf. Kein Team gewinnt jedes Spiel. Entscheidend ist, wie man miteinander umgeht, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Fußball erinnert uns daran, dass erfolgreiche Teams nicht aus Einzelstars bestehen, sondern aus Menschen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen. „Manche stehen im Rampenlicht, andere leisten im Hintergrund Großes – alle sind wichtig“, weiß die Psychologin aus Erfahrung. In diesem Sinne ist ein sportliches Großereignis wie eine Fußballweltmeisterschaft eine Einladung, den Blick über das Spielfeld hinaus zu richten: auf die Parallelen zwischen Spiel und Arbeit, zwischen Emotionalität und Professionalität – und auf das, was uns täglich in den tirol kliniken als Team stark macht. HOCH³-ORAKEL GESUCHT Viele Mitarbeiter:innen sind dem Aufruf im Intranet gefolgt und geben einen Einblick in ihre persönliche Fußball-Welt. Ob sie mit ihrem Tipp für den Weltmeister 2026 richtig liegen, wissen wir nach dem großen Finale am 19. Juli. Redaktion: Michaela Speckbacher | Fotos: Gerhard Berger, Adobe Stock, privat Ob am Fußballplatz oder im Krankenhausalltag: Leistungsfähigkeit entsteht nie zufällig. Sie wächst dort, wo Menschen wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können, wo Rollen klar sind und Kommunikation funktioniert. GEMEINSAM AM BALL Fußball macht sichtbar, was auch im Arbeitsleben zählt: Teamgeist, Fokus, mentale Stärke – und die Fähigkeit, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Mirjam Wolf
UNSERE GESCHICHTEN 12 ⟩⟩⟩ lukas STABSSTELLE FÜR PATIENTENSICHERHEIT, QUALITÄTS- UND PROJEKTMANAGEMENT, INNSBRUCK Weltmeister? 2026: England, wobei mir der Feiertag (falls Österreich es schafft) auch gefallen würde Lieblingsmannschaft? Ganz klar Liverpool FC Position im Team? Mittelfeld - Egal ob es mal eine schöne Torvorlage bzw. ein Tor werden sollte oder ob es mich in der Verteidigung zur Unterstützung braucht. Ich bin eigentlich überall zu finden. Foto? So sieht jedes Wochenende bei Familie Schatz aus simon HUMANGENETIK, INNSBRUCK Weltmeister? Wird Deutschland Lieblingsmannschaft? Die Eintracht aus Frankfurt, die Diva vom Main... ist unser Herzensverein, Adlerherzen fliegen, die SGE wird siegen!!! Immerhin jahrelange Fanverbindung und Freundschaft mit Wacker Innsbruck Position im Team? " Mittelfeld -Motor" Simon bzw. " Libero" Sam team STRAHLENTHERAPIE AMBULANZ, INNSBRUCK Weltmeister? Wir tippen auf die Engländer Lieblingsmannschaft? Alles außer dem FC Bayern München ;) Position im Team? Wir als Radiologietechnologen in der Strahlentherapie sind mit dem klassischen Spielmacher (10er) zu vergleichen. Technisch versiert sowie mit einer guten Übersicht regeln wir die Partie zwischen Ärzten und Patienten. andi BETRIEBSRAT, HALL Weltmeister? Ich würde jetzt mal ganz spontan auf Frankreich tippen. Lieblingsmannschaft? Mein Herz schlägt für Paris Saint Germain. Position im Team? Und zu guter Letzt würde ich mich im Mittelfeld sehen, den wie bereits geschrieben wurde, ist jede Position im Betrieb sehr wichtig um Ziele zu erreichen. orakel UNSERE MITARBEITER:INNEN GEBEN EINEN EINBLICK IN IHRE PERSÖNLICHE FUSSBALLWELT. Ob sie mit ihrem Tipp für den Weltmeister 2026 richtig liegen, wissen wir nach dem großen Finale am 19. Juli.
13 UNSERE GESCHICHTEN prisca ADMINISTRATION KINDER- UND JUGENDCHIRURGIE, INNSBRUCK Weltmeister? Ich würde meinen Tipp auf Spanien setzen – nicht nur, weil ich denke, dass sie ein starkes Team haben, sondern auch, weil Spanien meine Lieblingsmannschaft ist (natürlich neben Österreich!). Lieblingsmannschaft? Leider kann ich zu den Vereinen nicht viel sagen, da ich – um ehrlich zu sein – nur während der WM oder EM Fußballfan bin. Position im Team? Im Team bin ich eher die Torhüterin – ich versuche immer, das Schlimmste auf die beste Art zu verhindern. lukas FORENSIK, HALL Weltmeister? Mein Tipp für den Fußballweltmeister ist England, da ich es schön fände nach so langer Zeit, dass England wieder einmal Weltmeister wird. Zudem finde ich den Trainer Thomas Tuchel sehr sympathisch. Und, das bringt mich zur nächsten Frage: Lieblingsmannschaft? Tuchel war lange Zeit Trainer meiner seit meinem London Besuch mit der Schule mit 14 Jahren absoluten Lieblingsmannschaft im Profibereich, nämlich Chelsea FC. Nur eine Mannschaft lässt mein Herz noch höherschlagen, nämlich das Team von meinem Heimatort F.C. Fließ, da unser Verein wie eine Familie ist und ich seit ca. 3 Jahren auch Trainer im Nachwuchsbereich bin. Zurzeit trainiere ich die U8Mannschaft gemeinsam mit einer Kollegin. Position im Team? In unserem Arbeitsteam sehe ich mich als klassischer Zehner (Bälleverteiler und Kreativer), da ich immer gerne Neues ausprobiere und nach kreativen Lösungen suche bei etwaigen Schwierigkeiten. Außerdem bin ich gern der, der die Aufgaben verteilt, bzw. auch der, der gerne mal gefragt wird, wie man es machen könnte. dave BÜRO GESCHÄFTSFÜHRUNG, INNSBRUCK Weltmeister? Weltmeister wird heuer definitiv Frankreich. Die haben so eine junge und hungrige Mannschaft, für mich fast unschlagbar. Das 16tel-Finale in Monterrey und das 8tel-Finale in Vancouver schaue ich mir mit Freunden übrigens live vor Ort an. Natürlich hoffen wir auf eine österreichische Beteiligung und freuen uns schon sehr auf die Reise! Lieblingsmannschaft? Mein Fußballherz schlägt allerdings für den Sportverein Innsbruck. Da war mein Opa schon Spieler und später in der Vereinsführung. Anschließend trat mein Vater in seine Fußstapfen und war für viele Jahre Präsident und aktuell ist mein Stiefvater in dieser Funktion. Ich bin schon seit gut 25 Jahren Spieler im Verein und seit 2 Jahren auch Obmann-Stellvertreter. Der Verein ist also wirklich Familientradition. Position im Team? Offiziell bin ich Büroleiter der Geschäftsführung, inoffiziell eher Sechser: viel Laufarbeit, wenig Glory, aber ohne mich wird’s hinten schnell ungemütlich.
14 Wartebereich oder sofort in den Behandlungsraum? Wenn sich Patient:innen in der Notaufnahme „die Klinke in die Hand geben“, braucht es eine fachliche Ersteinschätzung der Dringlichkeit. Einsatz Skills Night-Team: 19:45 – TRIAGE Eine aufgebrachte Mutter mit Baby betritt den Raum. Patrizia versucht zu beruhigen. Beim Blick auf den kleinen Körper wird sofort klar: Die Babypuppe hat Verbrennungen am Rumpf und am Bauch – schnelle Entscheidung für das Skills Night-Team – der kleine Patient hat hohe Priorität. Dann eine Frau, laut und fordernd. Ein aufgekratzter Mückenstich an der Schulter, für sie dringend, für das System nicht. In diesem Fall zeigt sich, wie leicht Aufmerksamkeit fehlgelenkt werden kann – und wie wichtig es ist, die medizinische Dringlichkeit im Blick zu behalten. Die vier arbeiten sich durch, Patientin für Patient, Entscheidung für Entscheidung. Im Debriefing steht fest: Das Team hat alle Fälle korrekt triagiert. Kunstblut, Fake-Wunden und schmerzverzerrte Gesichter – alles nur Theater? Nein, die Skills Night ist nicht nur realitätsnah, sondern bedeutet echten Stress, fragt nach echtem Fachwissen und auch echter Schlafmangel zehrt an den Kräften: 48 Studierende der Medizin und der Gesundheits- und Krankenpflege sind jedes Jahr gefordert, wenn in der simulierten Nachtschicht der Alarm losgeht. Die HOCH³ war live dabei und hat Rafaela, Laura, Patrizia und Philip durch die Nacht begleitet. UNSERE GESCHICHTEN NACHT SCHICHT Redaktion: Teresa Lackner-Pöschl, Michaela Speckbacher | Fotos: Michaela Speckbacher Von der Triage in der Notaufnahme bis zum Notfall im OP: die 12 Fälle der Skills Night sind viel�ältig und lehrreich.
15 1 NACHT, 12 FÄLLE „Jede Simulation folgt einem strengen Rhythmus“, beschreibt Anästhesiepflegerin Laura Sieberer. Als Teil des Organisationsteams kennt sie jeden Fall: „Alarmierung per QR-Code, 20 Minuten Einsatz, danach Debriefing und Teaching.“ Das Ziel ist klar: Notfälle bewältigen – und dabei lernen, als Team zu funktionieren. Die Szenarien sind so vielfältig wie der Klinikalltag selbst. Von der Urosepsis über Polytrauma bis zur Geburt – zwölf Fälle, zwölf Fachrichtungen. In jedem Raum begleiten ein:e Tutor:in und eine Pflegeperson vom Fach das laufende Fallbeispiel, bringen praktische Erfahrung ein und sorgen für fachlichen Input. Zwei „Oberärzte“, gespielt von Assistenzärzten, stehen jederzeit auf Abruf zur Verfügung – wie in einer echten Nachtschicht. So entsteht eine Lernumgebung, die realitätsnah ist – und gleichzeitig etwas ermöglicht, das im Alltag oft zu kurz kommt: Berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit von Anfang an. ZWISCHEN ALARM UND ANALYSE Nach jedem Einsatz folgt der ruhigste – und vielleicht wichtigste – Teil: das Debriefing. Intensivpfleger Matthias Feichter, ebenfalls Skills Night-Mitorganisator, begleitet die Teams durch die Nacht: „Im Debriefing sprechen die Studierenden darüber, was gut lief, wo sie gezögert haben, was sie beim nächsten Mal anders machen würden. Der Fokus liegt weniger auf der perfekten medizinischen Lösung als auf Teamarbeit und Kommunikation.“ Diese Reflexion macht die Nacht erst vollständig. Simulation allein reicht nicht – sie muss eingeordnet werden. 21:30 UHR – PNEUMONIE Ein Mann liegt auf der Liege, fahl im Gesicht, jeder Atemzug röchelt. Der brodelnde Husten lässt ihn schwer krank wirken. „Tracheostoma“, stellt Rafaela fest. Mit sterilen Handschuhen bereitet Patrizia das Absaugset vor und reicht es Philip, der beginnt hochkonzentriert den zähen, gelblichen Schleim aus der Kanüle abzusaugen. Mehrmals, bis sich die Atmung langsam verbessert. Die Diagnose ergibt sich im Ablauf: Pneumonie (Lungenentzündung). Rafaela behält den Überblick und schlägt eine Antibiose vor. Laura bleibt bei der Ehefrau, erklärt ruhig, hält den Kontakt. Gemeinsam meistern sie die Herausforderung. 180 EHRENAMTLICHE Die komplexe Übung ist das Ergebnis enormen Engagements: Rund 180 Beteiligte tragen die Skills Night – vollständig ehrenamtlich. Neben dem Organisationsteam wirken Schauspielpatient:innen, Tutor:innen sowie medizinische Expert:innen und ein Rettungsdienst mit. Ein Aufwand, der sich lohnt, sind Laura Sieberer und Matthias Feichter überzeugt: „Bei uns auf der Anästhesie trainieren wir viel mit Simulationen und wissen, wie viel man dabei lernen kann. Beim Berufseinstieg sind oft viele Unsicherheiten da – wie gehe ich mit einem Notfall um, welche Rolle habe ich im Team? Außerdem bekommen die Studierenden in einer Nacht einen Einblick in ganz viele verschiedene Fachrichtungen.“ Simulationsbasiertes Lernen ist das Motto. Situationen kennen, bevor man den ersten richtigen Notfall händeln muss. INTERPROFESSIONELLES ARBEITEN Die interprofessionelle Zusammenarbeit im Team zieht sich durch: Es gibt keine starren Hierarchien, der Team-Lead rotiert. Mal ist es Philip, der Entscheidungen trifft, dann wieder Laura. Genau darin liegt der Kern des Konzepts: frühzeitig lernen, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Im echten Klinikalltag ist das nicht immer selbstverständlich. Besonders junge Pflegekräfte halten sich oft zurück, obwohl sie Beobachtungen machen, die entscheidend sein könnten. Die Simulation soll das verändern – sie schafft einen Raum, in dem „Speak-up“ nicht nur erlaubt, sondern notwendig ist. 00:05 UHR – SCHOCK IM OP Im OP-Szenario beginnt alles ruhig. Die Patientin ist wach unter Spinalanästhesie. Alles läuft routiniert, bis die Situation plötzlich kippt: Die Werte der Patientin verschlechtern sich, auf Brust und im OP-Bereich bilden sich Pusteln. „Da passt was nicht“, sagt Rafaela. „Was ist los? Wir können schon weiteroperieren!“, drängt die Chirurgin – gespielt von einer Schauspielerin, bewusst laut, bewusst fordernd. Spannung liegt in der Luft. Kommunikation wird plötzlich zur Schlüsselkompetenz: Wer übernimmt? Wer sagt an? Wer widerspricht? Patrizia checkt die Werte, unser Skills Night- Team vermutet eine allergische Reaktion und berät, welches Medikament den anaphylaktischen Schock ausgelöst hat. Während sie überlegen, beschleunigen die Alarmtöne der Geräte, eine gewisse Hektik macht sich breit. Jetzt heißt es, die Situation schnell wieder in den Griff zu bekommen. ⟩⟩⟩ UNSERE GESCHICHTEN Interprofessionelle Teams: Die Zusammen- arbeit auf Augenhöhe steht im Fokus.
16 UNSERE GESCHICHTEN WENN SIMULATION UNTER DIE HAUT GEHT Die Skills Night zeigt bei allen 12 Teams: Nicht alles gelingt. Im Laufe der Stunden kommt es zu Fehlern – falsch dosierte Medikamente – kurze Blackouts – Unstimmigkeiten im Vorgehen. Entscheidungen werden zu spät getroffen, Abläufe geraten ins Stocken. Um 1:30 Uhr steht eine Teilnehmerin am Gang, sichtlich getroffen. Plötzlich fließen Tränen, weil es nicht so lief, wie sie es sich vorgenommen hatte. Sofort nimmt Organisatorin Laura Sieberer die Studentin zur Seite und kümmert sich. Kurze Pause, bevor es weitergeht. Doch genau darin liegt ein wesentlicher Teil der Skills Night: Fehler dürfen passieren – hier, in der Simulation, damit man für den Ernstfall aus dieser Erfahrung lernt. 01:35 UHR – TRAUMA BEI EINER GEHÖRLOSEN PATIENTIN Eine junge Frau sitzt auf der Liege, sichtlich unter Schock. Der E-Scooter-Sturz hat Spuren hinterlassen, die Kleidung ist zerrissen und sie blutet. Schnell wird klar: Sie ist gehörlos. Daneben ihr Mann – ebenfalls gehörlos. Für einen Moment stockt das Team. „Wir brauchen einen Gebärdensprachdolmetscher“, entscheidet Rafaela. Während organisiert wird, machen sie nur das Notwendigste: beruhigen, beobachten, versorgen – mit Blicken, Gesten, kurzen Zeichen. Erst mit Eintreffen der Übersetzerin wird klar, was genau passiert ist. Ein weiterer Fall, der zeigt, wie entscheidend Kommunikation ist – und wie wichtig es ist, darauf vorbereitet zu sein, wenn sie nicht selbstverständlich funktioniert. LABOR UND DOLMETSCHEN Neben Medizin- und Pflegestudierenden sind auch andere Berufsgruppen eingebunden. Studierende der Biomedizinischen Analytik der fh gesundheit bearbeiten parallel die Fälle aus Sicht des Labors – welche Laborparameter sollen angefordert werden und welche müssen sofort an die Station kommuniziert werden? Gleichzeitig sind Studierende für Gebärdensprachdolmetschen gemeinsam mit ihren Lehrenden vor Ort und unterstützen die Teams dort, wo Sprache zur Herausforderung wird. 03:05 DIE LETZTE ALARMIERUNG „Mann, 48 Jahre, Verletzungen nach Sturz.“ Die vier schauen sich an. Dann geht es wieder hinein in einen Raum, der für 20 Minuten zur Realität wird. Ein weiterer der 12 Fälle, eine weitere Erfahrung, die Philip, Rafaela, Patrizia und Laura noch lange nach dieser besonderen Nachtschicht in Erinnerung bleiben wird. SKILLS NIGHT ⟩⟩⟩ Die Idee zur ersten Skills Night im April 2023 stammte von den Medizinstudenten Marc Kalenka und Nikolas Schmidbauer. Organisiert wurde immer im Team, heuer waren mit dabei: Studierende der Humanmedizin (David Pichler, Franziska Buschert, Benedikt Brida, Valentin Hauler, Gabriel Eisenköck), Anästhesie- und Intensivpfleger:innen der tirol kliniken (Laura Sieberer, Matthias Feichter) und externe Diplomierte Pflegekräfte (Ivan Abbinante, Marlene Tothill). Unterstützung gab es außerdem von weiteren Pflegekräften der tirol kliniken, Schauspieler:innen und über 50 studentischen Tutor:innen, die allesamt ehrenamtlich arbeiten. Das Programm umfasst insgesamt drei Tage. Freitag und Samstag bestehen aus Workshops und Vorträgen zu Themen der Notfallmedizin. Das Herzstück von Samstag auf Sonntag ist eine simulierte Nachtschicht in einer eigens dafür aufgebauten Notaufnahme. Im September 2024 wurde die Skills Night mit dem österreichischen Staatspreis für exzellente Lehre – dem Ars Docendi – ausgezeichnet. SKILLS NIGHT Heuer waren auch wieder Studierende für Gebärdensprachdolmetschen im Einsatz.
17 UNSERE GESCHICHTEN M ichael Dobner rotiert das Gelenk seiner Patientin und erklärt: „Ein gesundes Gelenk hat natürlicherweise ein gesundes Ausmaß an ‚Gelenkspiel‘, das bedeutet eine gewisse Flexibilität in alle Richtungen.“ Der erfahrene Arzt und Manualmediziner am Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Innsbrucker Klinik fühlt bei der Untersuchung eines Gelenks, ob Versteifungen in der Gelenkskapsel vorliegen oder auch eine Überbeweglichkeit, eine sogenannte Hypermobilität. Beides erfordert weitere Abklärungen oder Therapie. DER RICHTIGE SPIELRAUM „Ein harter, knöcherner Widerstand kann eine Folge von Arthrose sein oder von wiederholten Entzündungen eines Rheumagelenks“, erklärt der Mediziner. „Hypermobile Gelenke neigen dazu – durch Knorpelabnützung oder auch Verrenkungen – frühzeitig Schäden zu bekommen.“ Der häufigste Fall an der Innsbrucker Klinik ist aber die Behandlung von Gelenken nach Verletzungen oder einem Unfall. Nach der akuten Versorgung, wie einer Ruhigstellung oder Operation, heißt es dann in der Genesungszeit, das Gelenk mit Unterstützung von Physiotherapie wieder in Bewegung zu bringen. Verletzungen können sich aber auch langfristig auswirken, wie auch Oberarzt Alexander Keiler von der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie weiß: „Gerade nach Verletzungen entwickeln sich oft über Jahre Veränderungen im Gelenk.“ Der Fußspezialist bringt in solchen Fällen eine spezielle Therapie zum Einsatz: die Eigenbluttherapie. KÖRPEREIGENE MEDIZIN In der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie in Innsbruck ist diese Methode seit einigen Jahren fixer Bestandteil im Behandlungsspektrum bei Gelenk- und Sehnenbeschwerden. „Wir nehmen dem Patienten Blut ab und bereiten es direkt auf“, erklärt Fußspezialist Alexander Keiler. „Am Ende bleibt das plättchenreiche Plasma übrig, das wir gezielt dort injizieren, wo das Problem liegt.“ Dieses Plasma enthält Botenstoffe, die entzündungshemmend wirken und Regenerationsprozesse unterstützen können. Eingesetzt wird die Therapie Rund 140 Gelenke sorgen für die Beweglichkeit des menschlichen Körpers. Verletzungen, Erkrankungen oder auch Abnützung durch Fehlbelastungen können die Gelenksfunktion einschränken und zu Schmerzen führen. HOCH³ hat nachgefragt, was das richtige Zusammenspiel der Gelenke stört, bei welchem Krankheitsbild eine Eigenbluttherapie helfen kann und worauf es in Therapie und Training ankommt. ⟩⟩⟩ GELENK SPIEL Redaktion: Teresa Lackner-Pöschl, Michaela Speckbacher | Fotos: Gerhard Berger, tirol kliniken
18 unter anderem bei Sehnenentzündungen, Überlastungsreaktionen, Fersensporn oder beginnender Arthrose. DREI INJEKTIONEN UND GEDULD Die Anwendung erfolgt in mehreren Schritten. „In der Regel sind es drei Injektionen im Abstand von einigen Wochen“, so Keiler. Entscheidend ist dabei die Erwartung: „Es ist keine schnelle Lösung, sondern eher eine, die Zeit braucht.“ Die Behandlung selbst und die Reaktion des Körpers in den Tagen danach wird als unangenehm empfunden, die Anpassung im Gewebe kann auch kurzfristig Schmerzen auslösen. Die volle Wirkung setzt meistens nach ein paar Monaten ein. Neben der Linderung von Beschwerden von Langzeitfolgen nach Verletzungen setzt Keiler diese Methode auch bei chronischen Sehnenproblemen ein: „Zum Beispiel bei der Achillessehne – da ist die Behandlung oft schwierig“, erklärt er. Ein Patient, der ihm in Erinnerung geblieben ist, ist ein ambitionierter Läufer mit hohem Trainingspensum: „Er hatte einen langen Leidensweg hinter sich. Mit der Eigenbluttherapie konnte er wieder schrittweise ins Training einsteigen.“ ⟩⟩⟩ UNSERE GESCHICHTEN Plasma enthält Botenstoffe, die entzündungshemmend wirken und Regenerationsprozesse unterstützen können. Alexander Keiler Der beste Start zur eigenen Praxis. Machen Sie den Schritt mit dem s Existenzgründungs-Paket. #glaubandich tirolersparkasse.at/aerzte
19 UNSERE GESCHICHTEN ZURÜCK IN DIE WAND Auch aus dem unfallchirurgischen Alltag kennt Keiler eindrückliche Verläufe. „Ich betreue viele sehr aktive Menschen – etwa Kletterer, die nach schweren Verletzungen wieder zurück auf die Wand wollen.“ Ein Patient, den er nach einem Sturz aus großer Höhe operiert hatte, schickt ihm bis heute regelmäßig Fotos vom Eisklettern. „Die Gelenke waren komplett zerstört, aber wenn Menschen motiviert sind, ist oft viel möglich – auch wenn der Weg dorthin lang sein kann und manches nicht mehr so ist wie vorher.“ INTERDISZIPLINÄRES ZUSAMMENSPIEL Die Eigenbluttherapie allein ist jedoch kein Allheilmittel und immer Teil eines Gesamtkonzepts. „Wie auch nach einer Operation oder dem Einsatz einer Gelenksprothese ist auch hier eine aktive Nachbehandlung entscheidend“, sind sich die Mediziner Keiler und Dobner einig. Ein abgestimmter Therapieplan aus physio- und auch ergotherapeutischen Maßnahmen ist zentraler Teil eines optimalen Genesungskonzepts. Viele Patient:innen unterschätzen nach einer Operation am Gelenk die Rehabilitationszeit: „Wenn jemand aufgrund von Gelenksschäden jahrelang Schmerzen hat, in der Bewegung eingeschränkt war und dadurch Muskeln abgebaut hat, dann ist es zum Beispiel mit einem Gelenksersatz alleine nicht getan“, beschreibt Dobner. „Der Aufbau und die Stärkung der Muskulatur brauchen Zeit, ist aber notwendig, um die Vorteile des neuen Gelenks im Alltag dann auch voll zu spüren.“ Gerade deshalb empfiehlt der Experte bereits vor einer geplanten Gelenks-OP, die betroffene Muskulatur im Rahmen der individuellen Möglichkeiten zu stärken. MUSKELAUFBAU: SPIELER UND GEGENSPIELER Fehlbelastungen können Gelenke schädigen, um das zu vermeiden braucht es das richtige Zusammenspiel der verschiedenen Muskelgruppen. „Wenn eine Muskelgruppe bevorzugt wird, kann das die schwächeren Muskeln hemmen“, erklärt Dobner. „Das hat Auswirkungen auf das Gelenk: Man kann sich das wie ein Fahrrad vorstellen, bei dem der Reifen eiert. Das Gelenk ‚läuft‘ dann nicht optimal.“ Es kommt also auf die gleichmäßige Kräftigung der relevanten Muskelpartien an. Übrigens nicht nur in der Therapie und Rehabilitation, sondern auch beim Training im Fitnesscenter: „Trainingsverletzungen sehen wir nicht häufig, kommen aber vor. Falsches oder unausgewogenes Trainieren kann langfristig Auswirkungen auf die Gelenke haben oder auch kurzfristig zu Verspannungen und Schmerzen führen. Also immer auf die Balance und die richtige Technik achten.“ Fußspezialist Alexander Keiler setzt die Eigenbluttherapie unter anderem bei Fersensporn, Sehnenentzündungen, Überlastungsreaktionen oder beginnender Arthrose ein. Fehlbelastungen können Gelenke schädigen – es braucht das richtige Zusammenspiel der verschiedenen Muskelgruppen. Michael Dobner
20 IM TRAININGSMODUS Übungen am Robotikarm und im Ganglabor sind Teil moderner Therapieansätze – und sie werden zunehmend spielerisch gestaltet. Im Ganglabor von Hochzirl etwa versucht Bernadette Torggler, auf einem Bildschirm einen virtuellen Fußball in der Luft zu halten. Gesteuert wird er allein durch ihre Beinbewegungen. Jeder Schritt zählt, jede kleinste Gewichtsverlagerung entscheidet darüber, ob der Ball oben bleibt. Was wie ein Spiel wirkt, fordert höchste Konzentration und trainiert gezielt Koordination, Haltung und Gleichgewicht. Sensoren erfassen dabei präzise ihre Bewegungen und machen Fortschritte sichtbar. Dass die 58-Jährige heute eigenständig gehen kann, ist alles andere als selbstverständlich – eine seltene Erkrankung hatte sie in den Rollstuhl gezwungen. Die spielerischen Elemente helfen ihr, motiviert zu bleiben und Schritt für Schritt in den Alltag zurückzufinden. Eine Vaskulitis – eine entzündliche Gefäßerkrankung – hatte ihr Leben von einem Tag auf den anderen verändert. Die Frau litt unter starken Schmerzen in Händen und Füßen und einer sich ausbreitenden Taubheit. Monate vergingen, bis schließlich an der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck die richtige Diagnose gestellt wurde. „Diese Zeit war die schlimmste“, sagt sie leise. „Ich wusste nicht, was mit mir passiert!“ Als sie zur Rehabilitation nach Hochzirl kam, ging nichts mehr. „Ich war komplett auf den Rollstuhl angewiesen.“ ZURÜCK AUF DIE BEINE Bernadette ist seither bereits zum dritten Mal in Hochzirl. Ihre Erkrankung hat Nerven, Muskeln und Gleichgewicht beeinträchtigt, aber sie hat sich schon ein großes Stück weit zurückgekämpft – Schritt für Schritt und unterstützt von ihren beiden Kindern und Schwestern, denn: „Alleine hätte ich das nicht geschafft." Auf der Neurologie im Krankenhaus Hochzirl wird Gamification gezielt eingesetzt, um Patient:innen bei der Rehabilitation zu unterstützen. Bewegungen werden über Sensoren in Spielfiguren übertragen, Übungen verwandeln sich in kleine Herausforderungen. Punkte, Levels, visuelles Feedback – alles, was motiviert, weiterzumachen. „Der Weg zu mehr Bewegung ist oft lange und anstrengend“, beschreibt Sportwissenschafterin Martina Leitner. „Spielen macht Spaß, und wenn etwas Spaß macht, fällt die Wiederholung einfach leichter. Die Patient:innen trainieren intensiver und länger, ohne es als Belastung zu empfinden.“ NIEMALS ALLEIN An diesem Tag begleiten Leitner und ihr Kollege Georg Posch jede Bewegung, korrigieren, motivieren und passen die An der Neurologie im Krankenhaus Hochzirl unterstützen moderne Robotiksysteme die Rehabilitation von Bernadette und Szymon – präzise, messbar und individuell abgestimmt. In Kombination mit Gamification entfaltet die Technik ihr volles Potenzial. Denn wenn Bewegungen zu Spielzügen werden und Fortschritte als Punkte sichtbar sind, dann wächst nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern vor allem die Motivation. IST KEINE OPTION! UNSERE GESCHICHTEN Redaktion: Michaela Speckbacher | Fotos: Gerhard Berger GAME OVER
21 Übungen individuell an. Sie erkennen kleinste Fortschritte, greifen ein, wenn Bewegungsabläufe unsauber werden, und sorgen dafür, dass jede Wiederholung therapeutisch sinnvoll ist. „Es ist ein ständiges Zusammenspiel“, so Posch. „Technik, Spiel – und ganz viel persönliche Betreuung.“ Gerade diese enge Begleitung gibt Sicherheit und Vertrauen. Im selben Raum sitzt Szymon Klein und trainiert am Roboter AMADEO mit Finger- und Handorthese zur Schulung der Feinmotorik. Der 40-Jährige kommt aus dem Süden Polens, ist Elektriker – und Vater von zwei Kindern. Im Dezember 2025 erlitt er auf einer Tunnelbaustelle in Tirol einen Schlaganfall. Seit Jänner ist er in Hochzirl. Seine rechte Seite ist gelähmt, die Hand – sein wichtigstes Werkzeug – derzeit nicht einsetzbar. ZIEL: ZURÜCK IN DEN BERUF Auf dem Bildschirm muss Szymon Äpfel mit einem Korb auffangen. Für Außenstehende wirkt es wie ein simples Spiel. Für ihn ist es Konzentrationsarbeit auf höchstem Niveau. „Am Anfang konnte ich die Hand gar nicht bewegen“, erzählt er. „Jetzt geht es ein bisschen. Aber ich will mehr.“ Sein Ziel ist klar: zurück ins Leben, zurück in den Beruf. „Ohne meine Hand geht das nicht.“ Seine Frau und die beiden Kinder geben ihm Halt, auch über die Distanz hinweg. „Ich mache das für sie“, sagt er. Die Sportwissenschafter:innen erleben täglich, welchen Unterschied der spielerische Ansatz macht. „Gamification ersetzt die klassische Therapie nicht – aber sie steigert ihre Wirksamkeit“, sagt Georg Posch. „Durch das unmittelbare Feedback sehen sie jeden Fortschritt, das motiviert enorm – und genau diese hohe Wiederholungsrate ist entscheidend für die Neuroplastizität und damit für den Reha-Erfolg.“ Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich in Struktur und Funktion an neue Erfahrungen – und eben auch an Verletzungen im Laufe des Lebens anzupassen. Gesunde Hirnareale können trainiert werden, Aufgaben von beschädigten Bereichen zu übernehmen. Schritt für Schritt – mit gezielten Therapiemaßnahmen. Bei Bernadette war es anfangs das Stehen, dann die ersten Schritte. Heute sind es Balanceübungen, Koordination, Feinarbeit. „Ich hätte nie gedacht, dass ich wieder so weit komme, und ich will noch weiter“, sagt sie. Auch Szymon kämpft sich Level für Level voran. Jeder kleine Fortschritt ist sichtbar – und spürbar. „Wenn ich merke, dass etwas besser funktioniert als gestern, gibt mir das Hoffnung – dann weiß ich, ich bin auf dem richtigen Weg“, sagt er. In Hochzirl wird Therapie durch digitale Elemente ergänzt – nicht als Ersatz, sondern als gezielte Unterstützung. Übungen lassen sich intensiver gestalten, Fortschritte genauer nachvollziehen. Und alle Patient:innen arbeiten darauf hin, ihren persönlichen „Endboss“, die körperliche Einschränkung zu besiegen. Um wieder selbstständig gehen, greifen oder arbeiten zu können. Spielen macht Spaß, und wenn etwas Spaß macht, fällt die Wiederholung einfach leichter. Martina Leitner Georg Posch ist überzeugt: Gamification ersetzt die klassische Therapie nicht – aber sie steigert ihre Wirksamkeit.
22 XXXXXXXXXXXX Andreas Mayr, Sportwissenschafter, Physiotherapeut und Leiter der Stabsstelle „Innovation und Technologie“ der Kollegialen Führung im Krankenhaus Hochzirl, spricht mit der HOCH³ über die Rolle von Spiel, Motivation und moderner Technik in der Neurorehabilitation.
23 IM GESPRÄCH BEI „GAMIFICATION“ DENKT MAN AN COMPUTERSPIELE. WAS VERSTEHEN SIE DARUNTER IM THERAPEUTISCHEN KONTEXT? Gamification ist bei uns nicht gleichzusetzen mit „Zocken“. Wir sprechen eher von Augmented Feedback. Das bedeutet, Patienten bekommen über verschiedene Sinneskanäle – visuell, akustisch oder taktil – eine verstärkte Rückmeldung zu ihren Bewegungen. Diese Rückmeldungen helfen, Bewegungen bewusster wahrzunehmen, gezielt zu steuern und zu verbessern. WELCHE ROLLE SPIELT DABEI DAS GEHIRN? Im Zentrum steht das motorische Lernen. Auch nach zum Beispiel einem Schlaganfall ist Lernen möglich, weil das Gehirn plastisch ist. Man kann sich das vereinfacht so vorstellen: Wenn Nervenzellen gleichzeitig aktiv sind, stärken sich ihre Verbindungen, neue Verbindungen entstehen beziehungsweise werden sie sensibler auf einen Reiz. Genau das versuchen wir zu fördern – durch die Kombination von bewusster Bewegung und unterstützendem Feedback, etwa durch Robotik oder Elektrostimulation. WAS PASSIERT ZUM BEISPIEL NACH EINEM SCHLAGANFALL IM GEHIRN – UND WIE SETZT THERAPIE DORT AN? Durch die Schädigung sterben Nervenzellen ab und manche Nervenverbindungen funktionieren nicht mehr. Gleichzeitig gibt es oft noch Restfunktionen. Wir nutzen diese, indem wir Bewegungen bewusst anstoßen und gleichzeitig unterstützen, sodass sie tatsächlich ausgeführt werden können. Wichtig ist dabei ein Dreiklang: die Intention zur Bewegung, die tatsächliche Aktivität und das passende sensorische Feedback. WARUM IST DER SPIELERISCHE ANSATZ DABEI SO WICHTIG? Weil Motivation ein entscheidender Faktor ist. Spielerische Elemente bringen Freude, Neugier und einen inneren Antrieb. Spiele sind offen – man weiß nicht, wie sie ausgehen – und bieten Freiheit, Dinge auszuprobieren. Dieses Erkunden, Reflektieren und Anpassen sind essenzielle Erfolgsfaktoren für Lernprozesse. Die Patienten können in einem sicheren Rahmen ihre Grenzen austesten. Außerdem erhöht es die Ausdauer, wenn der Spaßfaktor dabei ist – und Ausdauer braucht man, wenn für ein Bewegungstraining viele Wiederholungen nötig sind. EIN SPANNENDER ASPEKT SIND SPIEGELMECHANISMEN. WAS STECKT DAHINTER? Wir nutzen visuelle Illusionen, um gezielt bestimmte Hirnareale zu aktivieren. Zum Beispiel wird die gesunde Hand gefilmt und auf die betroffene Seite gespiegelt. So entsteht der Eindruck, die eingeschränkte Hand bewege sich normal. Entscheidend ist dabei die Identifikation – idealerweise ist es die eigene Hand. Das Gehirn reagiert sehr sensibel auf solche Details und kann bereits „theoretisch“ trainiert werden, bevor es an die praktische Übung geht. WIE SIEHT DIE ZUKUNFT DER GAMIFICATION IN DER THERAPIE AUS? Ein großes Thema ist Virtual Reality. Je immersiver eine Umgebung ist, desto stärker kann das Gehirn darauf reagieren. Denkbar sind Räume, in denen Patienten vollständig in virtuelle Szenarien eintauchen und dort Bewegungen trainieren. Wichtig ist dabei immer die Authentizität – je echter es wirkt, desto größer ist der Trainingseffekt. Technisch ist da aber noch nicht viel am Markt – Spiele in der Neuro-Reha sind noch nicht so weit entwickelt wie für die breite Masse. WAS IST FÜR SIE DER WICHTIGSTE PUNKT IN DER REHABILITATION? Die wichtigste Arbeit passiert im Gehirn. Unsere Aufgabe ist es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen: Motivation, gezieltes Feedback und die Möglichkeit, Bewegung immer wieder erfolgreich zu erleben. IM GESPRÄCH Redaktion: Michaela Speckbacher | Foto: Gerhard Berger
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