Hoch3 | #42

halten den Stift zuerst noch mit der ganzen Hand, die Bewegung kommt aus dem ganzen Arm. Erst durch viel Übung entwickelt sich die Feinmotorik und die Bewegung kommt dann nur mehr aus dem Handgelenk.“ Genau diesen Weg vom ersten unbeholfenen Versuch, zur gezielten, selbstständigen Handlung begleiten Felizitas und ihre Kolleg:innen jeden Tag. DIE ARBEIT MIT DEN HÄNDEN MACHT GLÜCKLICH Felizitas arbeitet am liebsten mit den Händen, egal ob in der Klinik oder in ihrer Freizeit. „Ich bin sehr gerne im Garten und mag handwerkliche Tätigkeiten. Bei mir zuhause repariere ich vieles selbst“, erzählt sie, während sie durch die Gänge der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Richtung Außenbereich geht, vorbei an den selbstgemalten Bildern der jungen Patient:innen. Draußen angekommen, führt der Weg zu den Hochgartenbeeten, wo bereits verschiedenste Kräuter sprießen. Felizitas zupft ein Blatt Zitronenmelisse vom Strauch: „Das ist ein gutes Beispiel für Wahrnehmungstraining mit sensorischen Reizen: Durch das Pflücken und Riechen und Verarbeiten der Kräuter setzen wir Impulse, die das Gehirn aktivieren“, erklärt sie. MIT ALLEN SINNEN Kräuter haben es Felizitas sowieso angetan. In ihrer Freizeit verarbeitet sie die Pflanzen zu duftenden Seifen und Cremen. Das macht sie vor allem für sich privat, manchmal aber auch mit ihren Patient:innen. Riechen, Fühlen, Hören, Sprechen, Singen – kurz, die Arbeit mit dem Körper und den Sinnesorganen begleitet Felizitas in allen Lebenslagen. Beim Singen im Chor, beim Tanzen und im Tai Chi schöpft sie neue Energie. Das kann sie auch gut brauchen, denn in ihrem Beruf ist vor allem eines gefragt: viel Geduld und Ausdauer sowie die Bereitschaft, immer wieder neu zu entdecken, was in Kindern wie Emilia steckt.  ⟩⟩⟩ EINE VON UNS 7 Riechen, Fühlen, Hören, Sprechen, Singen – kurz, die Arbeit mit dem Körper und den Sinnesorganen begleitet Felizitas beruflich wie privat. Ergotherapie wird oft unterschätzt, weil die Tiefe und Wirkung der Therapie nach außen häufig nicht sofort sichtbar sind Felizitas Schneider ERGOTHERAPIE KURZ ERKLÄRT Ergotherapie unterstützt Menschen jeden Alters dabei, ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit im Alltag zu erhalten oder wiederzuerlangen – etwa nach Erkrankungen, Verletzungen oder bei Entwicklungsverzögerungen. Der Begriff leitet sich vom griechischen „ergon“ ab – dem Tun, dem Handeln – und genau darum geht es: Menschen dabei zu unterstützen, ihren Alltag möglichst selbstständig und sinnvoll zu bewältigen. An den tirol kliniken arbeiten Ergotherapeut:innen in unterschiedlichen Fachbereichen wie Pädiatrie, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Neurologie, Innere Medizin, Chirurgie, Neurochirurgie oder Plastische Chirurgie. Die Therapie orientiert sich an den individuellen Ressourcen, Bedürfnissen und Zielen der Patient:innen. Praktisch bedeutet das zum Beispiel, nach einem Schlaganfall wieder Anziehen, Schreiben oder Essen zu üben, ältere Patient:innen nach längeren Krankenhausaufenthalten im Alltag zu unterstützen, Konzentration und Gedächtnis zu trainieren oder Kinder in ihrer motorischen und sensorischen Entwicklung zu fördern. Auch kreatives Gestalten, Bewegungs- und Wahrnehmungstraining sowie die Anpassung von Hilfsmitteln oder speziellen Handschienen gehören zur Ergotherapie. Ziel ist es, Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität nachhaltig zu fördern. Die Ausbildung erfolgt im Rahmen eines dreijährigen Bachelorstudiums an der fh gesundheit.

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