HOCH3, #43

12 UNSERE GESCHICHTEN Ein tiefer Seufzer der Erleichterung. Schnelles Atmen vor einer Prüfung. Das Gefühl, vor lauter Stress kaum Luft zu bekommen. Kaum eine Körperfunktion reagiert so unmittelbar auf unsere Emotionen wie die Atmung. Und kaum eine lässt sich gleichzeitig so bewusst beeinflussen. „Atmung und Psyche stehen in einem ständigen Austausch. Emotionale Belastungen verändern unser Atemmuster, und umgekehrt kann die Atmung unsere psychische Verfassung beeinflussen, hierbei spielt das vegetative Nervensystem eine wichtige Rolle“, erklärt Psychologin und Psychotherapeutin Pascale Toggenburg an der Universitätsklinik für Psychiatrie II (Psychosomatische Medizin) in Innsbruck. STRESS – ALARM – KÖRPERREAKTION Unter Stress schaltet der Körper in den Alarmmodus. Herzfrequenz und Atemfrequenz steigen an, die Atmung wird flacher und schneller. Viele Patient:innen erleben dadurch Beschwerden, die sich zuerst körperlich bemerkbar machen: Engegefühl in der Brust, Schwindel, Herzklopfen oder das Gefühl, nicht tief genug durchatmen zu können. Nicht selten führt sie dieser Weg zunächst in eine Notaufnahme oder Lungenambulanz. BEWUSSTE STEUERUNG HILFT Gerade bei Angst- und Panikstörungen spielt die Atmung eine zentrale Rolle. Der Körper startet hier ein automatisches Alarmprogramm. Ist es einmal angelaufen, lässt es sich nicht auf Knopfdruck stoppen. „Wer aber frühzeitig über die Atmung eingreift, kann verhindern, dass sich die Panik weiter aufschaukelt. Der Atem ist ein bemerkenswertes Instrument. Er funktioniert automatisch, lässt sich gleichzeitig bewusst steuern. Das macht ihn zu einem wertvollen Ansatzpunkt in der Behandlung von Stress- und Angstsymptomen“, erklärt die erfahrene Therapeutin. ATMUNG UND PSYCHE Atmung und Psyche stehen in einem ständigen Austausch Pascale Toggenburg ⟩⟩⟩ wie ungeklärter Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, anhaltende Schmerzen oder neu aufgetretene Beschwerden auftreten.“ In solchen Fällen empfiehlt der Facharzt unbedingt eine medizinische Abklärung. NICHT NUR EIN BAUCHGEFÜHL Auch wenn sich keine strukturelle Ursache finden lässt, können Verdauungsbeschwerden einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität haben. Körper und Psyche sind eng miteinander verbunden. Gerade bei chronischen Beschwerden beeinflussen sich seelische und körperliche Faktoren oft gegenseitig. Um langfristige Erfolge zu erzielen, braucht es daher eine individuell abgestimmte, multimodale Behandlung, die beispielsweise Psychotherapie, medikamentöse Unterstützung und spezielle Verfahren wie die Bauchhypnose miteinander verbindet. Die Forschung in den vergangenen Jahren hat gezeigt, welche zentrale Rolle das Darmmikrobiom für die Gesundheit spielt: Der Darm ist längst mehr als ein Verdauungsorgan. Er beeinflusst Stoffwechselvorgänge, das Immunsystem und steht über die sogenannte Darm-Hirn-Achse sogar mit unserem Nervensystem in Verbindung. Was sich manchmal nur als " zu viel Luft" bemerkbar macht, kann daher Teil eines komplexen Geschehens sein. Die meisten Blähungen sind harmlos. Für Gastroenterolog:innen sind sie jedoch oft der erste Hinweis auf Prozesse, die einen genaueren Blick verdienen. Bei ungeklärten Symptomen sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.

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