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Klinik Innsbruck ermöglicht erstmals in Österreich Fruchtbarkeitserhalt bei krebskranken Kindern unter 10 Jahren

15.06.2026
An der Klinik Innsbruck wird die Fertilitätsprotektion nun erstmals als Bestandteil der Krebstherapie für Patientinnen unter 10 Jahren angeboten und weiterentwickelt.

Rund 80 Prozent der an Krebs erkrankten Kinder überleben heute ihre Erkrankung. Die Spätfolgen der Therapie rücken deshalb zunehmend in den Fokus der Versorgung - darunter auch die eingeschränkte Fruchtbarkeit. An der Klinik Innsbruck wird die Fertilitätsprotektion nun erstmals als Bestandteil der Krebstherapie für Patientinnen unter 10 Jahren angeboten und weiterentwickelt.

Das Einfrieren von Eierstockgewebe (Kryokonservierung) zur Erhaltung der Fertilität ist in der Krebsmedizin bei Erwachsenen seit Jahren etabliert. Neu ist, dass diese bewährte Methode in ausgewählten Fällen nun auch bei sehr jungen Kindern angewandt wird. In Österreich wurde dieser Eingriff erstmals 2025 am Landeskrankenhaus Innsbruck bei einem sechsjährigen Mädchen durchgeführt, 2026 bei einem vierjährigen Kind. Das entnommene Eierstockgewebe wird eingefroren und kann zu einem späteren Zeitpunkt zur Unterstützung der Pubertätsentwicklung oder bei einem Kinderwunsch im Erwachsenenalter wieder eingesetzt werden.

„Bei Mädchen ist diese Form der Fertilitätsprotektion besonders relevant, da Eizellen bereits seit der Geburt vorhanden sind und im natürlichen Gewebe geschützt werden können“, erklärt Bettina Toth, Direktorin der Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.

Frühzeitige Aufklärung der Eltern ist entscheidend

Chemotherapien und Bestrahlungen können Eierstöcke und Hoden dauerhaft schädigen und die Fruchtbarkeit einschränken oder zerstören. Laut internationalen Studien betrifft dies einen erheblichen Teil der sogenannten Childhood Cancer Survivors. In der retrospektiven Studie der Medizinischen Universität Innsbruck – eine Zusammenarbeit der pädiatrischen Onkologie Innsbruck und der Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin – wurden Daten aus 18 Jahren von 500 Kindern ausgewertet. Sie zeigt auf, dass die Fertilitätsprotektion in der Vergangenheit nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen im Pubertätsalter umgesetzt wurde. Umso mehr gewinnt die Aufklärung der Betroffenen zum Thema Fertilitätsprotektion in der pädiatrischen Onkologie an Bedeutung.

„Es ist wesentlich, dass Eltern frühzeitig über die Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit im Kindesalter trotz Krebstherapie informiert werden und dass diese Möglichkeit auch für Kinder unter 10 Jahren besteht“, betont Onkologin Gabriele Kropshofer von der Innsbrucker Kinderklinik. „So können sie gemeinsam mit dem Behandlungsteam frühzeitig eine Entscheidung treffen, die auch das spätere Leben ihrer Kinder mit allen Optionen berücksichtigt.“

Studie schafft Grundlage zur Beratung

Die Kinderonkologie Innsbruck nimmt an einer internationalen Studie teil, die erstmals systematisch erfasst, wie stark moderne Krebstherapien die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und wie erfolgreich die Maßnahmen langfristig sind. „Die Studie soll eine bessere, evidenzbasierte Beratung für Betroffene ermöglichen. Alle Maßnahmen sind Teil der klinischen Routine. Wir greifen nicht in die laufende Behandlung ein, sondern erfassen systematisch Daten durch langfristige Nachbeobachtung“, erklärt Bettina Böttcher, Oberärztin an der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.

Fertilitätsprotektion als Beitrag zur Selbstbestimmung

Die Tiroler Gesundheitslandesrätin unterstreicht die gesellschaftliche Dimension des Themas: „Die Medizin macht heute Dinge möglich, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Wenn Kinder eine schwere Krankheit wie Krebs überleben, dann ist es unsere gemeinsame Verantwortung, auch an ihr Leben danach zu denken. Fertilitätsprotektion ist dabei kein Luxus, sondern ein Beitrag zu Lebensqualität, Selbstbestimmung und Chancengerechtigkeit. Dass diese Entwicklung in Tirol verantwortungsvoll aufgegriffen wird, ist ein wichtiges Signal – für betroffene Familien und für die Zukunft unseres Gesundheitssystems. Medizinischer Fortschritt entsteht nicht isoliert, sondern dort, wo unterschiedliche Disziplinen zusammenarbeiten und Wissen geteilt wird. In Innsbruck kommen Kinderonkologie, Reproduktionsmedizin und Forschung eng zusammen – das ermöglicht es, neue Entwicklungen verantwortungsvoll in die Versorgung zu bringen.“

Derzeit sind die Kosten für den Eingriff und die laufende Kryokonservierung von Patient:innen selbst zu tragen. Für Kinder bzw. deren Eltern besteht aktuell nach Anfrage und individueller Beurteilung die Möglichkeit zur Unterstützung von der Kinderkrebshilfe.

Innsbruck, 15.6.2026

 

Fotos: (Fotonachweis: Schirmer/tirol kliniken)

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