Fünf Jahre Dr. Viola: Gewaltschutz an der Innsbrucker Klinik als Erfolgsmodell
19.08.2026
Vor fünf Jahren wurde mit Dr. Viola an der Innsbrucker Klinik ein innovatives Angebot zur Unterstützung von Gewaltbetroffenen etabliert. Drei Jahre später folgte die Gründung des Kompetenzzentrums Gewaltambulanz, das die Strukturen weiter professionalisierte und die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche stärkte. Die aktuellen Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie groß der Bedarf an diesen Angeboten ist und welche Bedeutung kontinuierliche Sensibilisierungsarbeit hat.
Seit Eröffnung wurden insgesamt knapp 800 Patient:innen betreut. Allein im laufenden Jahr suchten bereits über 200 Patient:innen Unterstützung – das entspricht einer Steigerung von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden etwa 1700 Gespräche geführt, wobei zahlreiche Gespräche im Bereich Kinderschutz in dieser Zahl noch nicht enthalten sind. Betroffene können das Angebot kostenlos und anonym nutzen.
„Ich muss zu Dr. Viola! – mit diesem kurzen Satz erhalten Betroffene von Gewalt in der Innsbrucker Klinik sofort Schutz und Hilfe. Denn gerade beim Thema Gewalt stellen Gesundheitseinrichtungen eine der zentralen Anlaufstellen dar. Deshalb wurden in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen zur Gewaltprävention in Gesundheitseinrichtungen deutlich ausgebaut. Neben dem Projekt ‚Dr. Viola‘ und der Einrichtung des Kompetenzzentrums Gewaltambulanz am Landeskrankenhaus Innsbruck werden unter anderem Routine-Screenings an Notaufnahmen durchgeführt. Ein eigenes Netzwerk speziell geschulter Gewaltschutzbeauftragter unterstützt zudem bei der Sensibilisierung des medizinischen Fachpersonals an mehreren Tiroler Krankenhäusern. Für uns ist klar: Solange Gewalt ein gesellschaftliches Problem bleibt, wird das Land Tirol gezielt in wirksame Schutz- und Präventionsangebote wie diese investieren. Damit übernehmen wir Verantwortung und leisten einen aktiven Beitrag zur Gewaltprävention in Tirol“, betont Landesrätin Cornelia Hagele, zuständig für Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft und Forschung.
„Die Auswertungen zeigen zudem, dass Gewalt häufig erst im Zuge einer medizinischen Behandlung erkannt wird. Bei rund 30 Prozent der Patientinnen und Patienten wurde die Gewaltwiderfahrnis als Nebenbefund festgestellt“, so Patrick Zechner, Pflegeleitung Kompetenzzentrum – Gewaltambulanz. Gerade diese Fälle verdeutlichen, wie wichtig geschulte Mitarbeiter:innen sind, die Warnsignale erkennen und Betroffene auf Hilfsangebote aufmerksam machen können.
Die Weiterentwicklung von Dr. Viola beschränkte sich in den vergangenen fünf Jahren nicht auf die Klinik allein. „Einen besonderen Schwerpunkt legen wir auf Schulungen und Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erzählt Anna Pfeifer, Pflegeleitung Kompetenzzentrum – Gewaltambulanz. Durch regelmäßige Fortbildungen wurden und werden Fachkräfte darin unterstützt, Gewalt frühzeitig zu erkennen, professionell anzusprechen und passende Hilfe zu vermitteln.
Darüber hinaus wurde das Wissen auch weit über die Klinik hinausgetragen. Schulungen fanden auch extramural, zum Beispiel in Altersheimen, Schulen und Ausbildungsstätten, sowie im internationalen Kontext statt. Die Erfahrungen zeigen, dass diese Bildungsmaßnahmen eine große Wirkung entfalten: Sie stärken die Handlungssicherheit von Fachkräften, erhöhen die Aufmerksamkeit für Gewaltbetroffenheit und tragen dazu bei, dass Betroffene früher erkannt und unterstützt werden können.
Die Geschlechterverteilung der betreuten Patient:innen liegt bei 75 Prozent Frauen und 25 Prozent Männern. Gleichzeitig macht die stetig steigende Inanspruchnahme deutlich, dass Gewalt alle Bevölkerungsgruppenbetreffen kann und niederschwellige Unterstützungsangebote unverzichtbar sind.
Fünf Jahre nach der Einführung von Dr. Viola und zwei Jahre nach der Gründung des Kompetenzzentrums Gewaltambulanz hat sich Innsbruck als wichtiger Standort für Gewaltschutz, Prävention und Sensibilisierung etabliert. Die steigenden Patient:innenzahlen, die umfangreiche Schulungstätigkeit und die zunehmende Vernetzung innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens unterstreichen die nachhaltige Wirkung des Angebots und dessen Bedeutung für den Schutz von Gewaltbetroffenen.
Der größte Erfolg von Dr. Viola lässt sich nicht allein in Zahlen messen. Entscheidend ist, dass Gewalt heute früher erkannt wird. Jede Schulung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene gesehen, angesprochen und unterstützt werden.
Innsbruck, 19.08.2026
