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Einsamkeit kann krank machen - Start des Mental Health Awareness-Monats "Yellow September"

09.09.2026
Vom 10. September bis zum 10. Oktober rückt der Aktionsmonat "Yellow September" psychische Belastungen und Einsamkeit in den Fokus.

Einsamkeit kann krank machen – Start des Mental Health Awareness-Monats "Yellow September"

Digitalisierung, gesundheitliche Einschränkungen, veränderte Lebensmodelle... das sind nur einige der Faktoren, die psychische Belastungen und Einsamkeit begünstigen. Vom 10. September bis zum 10. Oktober rückt der Aktionsmonat „Yellow September“ diese Entwicklungen in den Fokus.

Der diesjährige „Yellow September“ widmet sich dem Thema Einsamkeit und ihren gesundheitlichen Folgen. Mit dem Gefühl einsam zu sein, gehen häufig psychische Belastungen für Menschen aller Altersgruppen einher. Der Aktionsmonat „Yellow September“ soll neben der Awareness für psychische Gesundheit auch lösungsorientierte Strategien und Unterstützungsangebote forcieren. Die tirol kliniken sowie die Medizinische Universität Innsbruck beteiligen sich mit mehreren Impulsen.

Einsamkeit als globales Problem

In schnelllebigen Zeiten, wo Digitalisierung und Optimierung an der Tagesordnung stehen, verändern sich neben Arbeits- und Lebensmodellen auch gesellschaftliche Strukturen und soziale Interaktionen. Was auf der einen Seite Vorteile schafft, kann aber auch weitreichende Folgen mit sich bringen, die nicht nur positiver Natur sind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft soziale Verbundenheit – sich zugehörig, unterstützt und in Beziehungen eingebettet zu fühlen – als grundlegende Gesundheitsdeterminante ein. Zwischen 2014 und 2023 war weltweit etwa jeder sechste Mensch von Einsamkeit betroffen. 

Auch in Österreich ist Einsamkeit kein Randphänomen, wie das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz erhebt: Im zweiten Quartal 2025 gaben rund 28 Prozent der 18- bis 74-Jährigen an, sich in den vergangenen vier Wochen zumindest gelegentlich einsam gefühlt zu haben, hochgerechnet etwa 1.832.000 Menschen. Acht Prozent fühlten sich immer oder meistens einsam. Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind doppelt so häufig betroffen wie Menschen ohne solche Einschränkungen, nämlich 13 gegenüber 6 Prozent.

Risikofaktor für psychische und physische Gesundheit

„Einsamkeit macht deutlich, dass psychische und körperliche Gesundheit nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Wenn Menschen sich dauerhaft nicht verbunden oder nicht unterstützt fühlen, führt dies zu mentalem Stress. Dieser Stress kann depressive Symptome begünstigen, den Schlaf stören oder Veränderungen im Immunsystem oder Herz-Kreislauf-System hervorrufen. Soziale Verbundenheit ist deshalb mehr als ein angenehmes Gefühl, sie ist eine wichtige Ressource für Gesundheit.“, so Katharina Hüfner, Direktorin der Innsbrucker Univ.-Klinik für Psychiatrie II (Psychosomatische Medizin). Eine Meta-Analyse der US-Psychologin Julianne Holt-Lunstad zeigt, dass das Gefühl von Einsamkeit das Sterberisiko um 26 Prozent erhöht. Bemerkenswert dabei: Der Effekt war bei Menschen unter 65 Jahren sogar stärker ausgeprägt als bei Älteren.

Fehlende soziale Beziehungen können sich unter anderem auf Herz und Gefäße auswirken. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Daten von mehr als 181.000 Erwachsenen ergab ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit und ein um 32 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko. Die Effektstärke entspricht damit anerkannten psychosozialen Risikofaktoren wie zum Beispiel beruflicher Dauerbelastung.

„Auch bei Kindern und Jugendlichen bemerken wir schon länger eine generell erhöhte psychische Belastung“, betont Ann-Christin Jahnke-Majorkovits, LKH Hall (Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik)/Universitätsklinik Innsbruck, „dieser Trend ist alarmierend“. In der österreichischen HBSC-Studie fühlten sich 22 Prozent der Mädchen und 10 Prozent der Burschen meistens oder immer einsam, mit einem auffälligen Anstieg zwischen der 7. und der 9. Schulstufe. Und die Belastung steigt mit der Häufigkeit der Einsamkeit: Unter den durchgehend einsamen Jugendlichen wiesen 59 Prozent Anzeichen einer depressiven Verstimmung auf, unter den nie einsamen nur 5 Prozent.

Gesundheitspolitik reagiert

„Die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hat für mich als Gesundheitslandesrätin oberste Priorität.“, betont Landesrätin Cornelia Hagele, „Deshalb forcieren wir seitens der Tiroler Landesregierung alle Bemühungen, die Versorgung in Tirol auszubauen und konstant zu verbessern. Dazu gehören neben Forschung und präventiven Angeboten der Ausbau stationärer und tagesklinischer Kapazitäten sowie mobile Unterstützungsmöglichkeiten wie zum Beispiel das Home Treatment.“

Auch Barbara Haid, Leiterin des Koordinationszentrum Psychotherapie und Klinische Psychologie der tirol kliniken, sieht in jedem Unterstützungsangebot einen wichtigen Erfolg: „Einsamkeit ist kein persönliches Versagen, sondern ein ernstzunehmender Gesundheitsfaktor. Gerade deshalb braucht es ein starkes Zusammenspiel von Psychiatrie, Psychotherapie und Klinischer Psychologie. Mit dem Yellow September setzen wir ein klares Zeichen: Niemand muss mit Einsamkeit allein bleiben. Wir wollen Menschen ermutigen, aufeinander zuzugehen, Unterstützung anzunehmen und psychische Gesundheit als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen.“

Yellow September

Der Aktionsmonat reicht vom Welttag der Suizidprävention (10. September) bis zum Welttag der psychischen Gesundheit (10. Oktober). Heuer steht das Thema Einsamkeit im Mittelpunkt. Die tirol kliniken, die Universität Innsbruck und die Medizinische Universität Innsbruck setzen unter anderem folgende Impulse: 

  • „Gemeinsam GEHT mehr“ Walk & Talk gegen Einsamkeit als gemeinsames Outdoor-Event, am 29.9.2026 von 16 bis 17 Uhr initiiert vom Projektteam „Exercise is Medicine – Tirol“ (Med Uni und Uni Innsbruck), gefördert vom Land Tirol. Es werden zwei positive Aspekte auf die psychische Gesundheit kombiniert: Bewegung und soziale Verbundenheit! Einfach kommen, ein gelbes Kleidungsstück/Accessoire tragen und mitgehen. Treffpunkt ab 15:30 Uhr: Foyer CCB (Centrum für Chemie und Biomedizin), Innrain 80–82, Innsbruck. Mehr Informationen unter https://events.i-med.ac.at/all/event/yellow-september/ 
  • „Schritte aus der Einsamkeit“ als Outdoor-Awareness-Kampagne am Areal des Landeskrankenhaus Universitätskliniken Innsbruck und am Landeskrankenhaus Hall
  • Gelbe Beleuchtung der Magistralen am Landeskrankenhaus Universitätskliniken Innsbruck

Hilfsangebote:

  • Psychosozialer Krisendienst: Tel.: 0800-400 120 (Mo-So, 8-20 Uhr)
  • PSZ Psychosoziale Zentren Tirol: Tel.: 050 500 (Mo-Fr, 9-14 Uhr)
  • Telefonseelsorge Tel.: 142 (rund um die Uhr)
  • FIT4SCHOOL-Hotline (für Schüler:innen, Eltern, Lehrer:innen): +43 5 12561734 (werktags 14-15 Uhr)
  • Kindernotruf: Tel. 0800 567 567 (rund um die Uhr)
  • Rat auf Draht: Tel.: 147 (rund um die Uhr)
  • Telefonische Gesundheitsberatung: Tel.: 1450 (rund um die Uhr)
  • Department für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Medizinische Psychologie
  • Landeskrankenhaus Hall, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Notaufnahmen der lokalen Krankenhäuser
  • Rettungsdienste, Einsatzorganisationen

Alle Informationen zum österreichischen Aktionsmonat "Yellow September" und alle Veranstaltungen im Rahmen des Awareness-Monats finden Sie unter https://yellowseptember.at bzw. https://wohlfuehl-pool.at/

Innsbruck, 9. September 2026

 

Fotos (c) tirol kliniken/Lisa Sistad

Katharina Hüfner, Direktorin der Innsbrucker Univ.-Klinik für Psychiatrie II (Psychosomatische Medizin) Cornelia Hagele, Landesrätin für Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft und Forschung Ann-Christin Jahnke-Majorkovits, Psychologin am Landeskrankenhaus Hall Barbara Haid, Leiterin der Koordinationsstelle Psychotherapie und Klinische Psychologie der tirol kliniken und Präsidentin des ÖBVP (Öst. Bundesverband für Psychotherapie) 

 

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