XXXXXXXXX 1 Österreichische Post AG, MZ 04Z035687 M, tirol kliniken, Anichstr. 35, 6020 Innsbruck 04 Einer von uns Klinikgärtner Kevin Lang 20 Jeder Atemzug zählt Zwei Patient:innen erzählen 17 Unsichtbarer Schutzraum Saubere Luft, die Leben schützt OKTOBER 2026 | #43 HOCH3 LUFT
HOCH3 zeigt die Menschen, Ideen und Entwicklungen, die die tirol kliniken prägen. Sie haben Feedback, Anregungen, Wünsche? Schreiben Sie uns an: hoch3@tirol-kliniken.at 2 EDITORIAL MEDIENINHABERIN UND HERAUSGEBERIN: Tirol Kliniken GmbH, www.tirol-kliniken.at • REDAKTION: 6020 Innsbruck, Anichstraße 35, Tel. +43 664 8268914 hoch3@tirol-kliniken.at • REDAKTIONSLEITUNG: Mag.a Michaela Speckbacher, michaela.speckbacher@tirol-kliniken.at • Mag.a (FH) Teresa Lackner-Pöschl, teresa.lackner-poeschl@tirol-kliniken.at • HERSTELLUNG UND VERTRIEB: Tirol Kliniken GmbH, Michael Gehrer MSc, Mag.a Sabine Monthaler-Hechenblaikner • DRUCK: Alpina Hernegger Druck GmbH, Innsbruck • AUFLAGE, ERSCHEINUNG: 7000 Stück, produziert nach den Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens, Alpina Hernegger Druck GmbH, UWZ-Nr. 1532, erscheint mind. 4x jährlich • BLATTLINIE LAUT MEDIENGESETZ: Unabhängiges periodisches Druckwerk mit dem Zweck der Information von Mitarbeiter:innen und unternehmensinteressierten Personen der Tirol Kliniken GmbH. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht zwingend die Meinung der Herausgeberin oder der Redaktion dar. Einzelne Inhalte dieses Magazins können unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt, bearbeitet oder unterstützt worden sein. Keine Gewähr für die Richtigkeit in Wort und Bild. Reproduktionen jedweder Art und jedweden Umfanges sind nur mit ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung der Redaktionsleitung gestattet. Wenn Sie das Magazin HOCH3 gerne beziehen möchten, geben Sie uns bitte unter hoch3@ tirol-kliniken.at Ihre Anschrift bekannt. Abmeldungen können Sie uns ebenfalls über diese Adresse mitteilen. Sehr geehrte Lesende, es liegt etwas in der Luft. Wir verwenden diese Redewendung, wenn sich etwas ankündigt, bevor es sichtbar wird. Wenn Aufbruch spürbar ist oder ein Abschied näher rückt. Auch in den tirol kliniken liegt derzeit Veränderung in der Luft: Thomas Klestil hat Anfang des Jahres die Funktion des Medizinischen Geschäftsführers übernommen, zum Jahresende folgt Mario Junker als neuer Personaldirektor, und Stefan Deflorian wird sich Ende 2027 aus der Geschäftsführung zurückziehen. Ein guter Zeitpunkt, um Erreichtes zu würdigen und über die Zukunft nachzudenken. Luft ist aber vor allem Leben. Aufatmen. Jeder Atemzug zählt, wie in unserer Geschichte über zwei Menschen, die durch ihre Krankheit oft um Luft ringen mussten. Lesen Sie, was die Lunge gesund hält und welche Rolle Luft an anderen Stellen im Körper spielt. Wir haben die Gärtnerei an der Innsbrucker Klinik besucht und nachgefragt, wie die keimfreie Luft auf Isolierstationen funktioniert. Unsere Geschichten sind also keineswegs aus der Luft gegriffen. Dank den Menschen in den tirol kliniken! Sie öffnen uns die Türen zu ihren Arbeitsplätzen und machen sichtbar, was sie in den tirol kliniken täglich leisten. Wir wünschen Ihnen einen Herbst mit ausreichend Momenten zum Durchatmen. Ihre HOCH³-Redaktion EDITORIAL ES LIEGT ETWAS IN DER LUFT. Die Redaktionsleiterinnen der HOCH3: Michaela Speckbacher und Teresa Lackner-Pöschl
3 10 Von Kollaps bis Kontrolle Was Luft in unseren Körpern bewirken kann. 14 Ready for Take-Off Anästhesistin und Notärztin Ursula Kammerlander-Knauer gibt Einblicke in ihre Arbeit über den Wolken 04 Einer von uns Gärtner Kevin Lang kümmert sich um die Grünflächen am LKH Innsbruck INHALTSVERZEICHNIS 22 Im Gespräch mit Primaria Judith Löffler-Ragg über Lungengesundheit Einer von uns 04 Grüne Oasen im Klinikalltag Wussten Sie, dass … 08 Medizingase Unsere Geschichten Von Kollaps bis Kontrolle 10 Ready for Take-Off 14 Unsichtbarer Schutzraum 17 Jeder Atemzug zählt 20 Im Gespräch 22 #wirsindtirolkliniken 25 Green Wall hoch³aktiv 26 Wir arbeiten hochmotiviert, hochspannend und hochprofessionell. Gut zu wissen 32 Personalia, Termine, Dies & Das Für Körper und Geist Denksport 34 Ein Gruß aus unserer Küche 35
4 EINER VON UNS Dicht verbaut und mitten in der Stadt: Das Klinikareal in Innsbruck ist geprägt von großen Gebäuden. Wer das Gelände aufmerksam betrachtet, entdeckt aber auch gepflegte Grünflächen, Blumenbeete und stolze 74 Bäume. Kevin Lang und sein Team der Klinikgärtnerei hegen und pflegen diese „grünen Oasen“ das ganze Jahr über. Text: Kristina Jäger Fotos: Gerhard Berger GRÜNE OASEN IM KLINIKALLTAG
Die Innsbrucker Klinik wird an Sommertagen zu einem der HitzeHotspots der Stadt. Besonders wichtig ist es daher, Grünflächen und Pflanzen am Areal zu pflegen. „Jeder Baum zählt“, betont Kevin Lang, „Bäume spenden nicht nur Schatten, sie sind durch den Verdunstungsvorgang auch Luftkühler.“ Seit neun Jahren arbeitet der 29-Jährige bereits als Klinik-Gärtner. Nach der Lehre zum Garten- und Grünflächengestalter mit Schwerpunkt Landschaftsgärtnerei stieg er ins Team ein, heute leitet er den Bereich rund um die Gärtnerei und Pflege der Außenanlagen. Drei Gärtner:innen und zwei Straßenkehrer kümmern sich als eingespieltes Team ganzjährig um die Außenflächen der Klinik. Dazu gehören die Pflege von Grünflächen, 74 Bäumen und Pflanzentrögen sowie Säuberungs-, Instandhaltungs- und Winterdienste. ARBEIT MIT DEN JAHRESZEITEN „Im Frühjahr, wenn alles erwacht“, schildert Kevin Lang die jährlichen Routinen, „kümmern wir uns um den Baumschnitt. Wir holen Staudenbeete aus der Winterruhe und bepflanzen bei Bedarf neu.“ Sobald Gras, Blumen und Sträucher wachsen, kommt ein spezielles Gieß-Fahrzeug zum Einsatz. Mit einem Kubikmeter Wasser im Tank werden die Blumentröge versorgt. Alle Pflanzen zu gießen, dauert rund drei Arbeitstage. „Wenn wir mit dem Gießen fertig sind, fangen wir wieder von vorne an“, lacht der Gärtner. Mit den Jahreszeiten ändern sich auch die Aufgaben des Teams. In den warmen Monaten werden auch Umtopf-Arbeiten gemacht und Zimmerpflanzen zugestellt. Mit der Herbstdüngung bereiten wir den Winter vor“, blickt Kevin Lang voraus und freut sich auf ein besonderes Highlight – die Weihnachtszeit. 50 Adventskränze bindet die Gärtnerei jährlich für Stationen und Ambulanzen. „Das ist das Einzige, was bei uns in Richtung Floristik geht“, schmunzelt der gelernte Landschaftsgärtner. „Auch die Christbäume sind etwas Besonderes. Wir stellen jedes Jahr rund 80 davon auf und bringen Menschen, die Weihnachten im Krankenhaus verbringen, ein bisschen Weihnachtszauber.“ Neben dem 24/7-Winterdienst erfolgt in den kalten Monaten auch die Pflege der Maschinen. „Wartung, Schmieren und Schleifen – was wir selbst machen können, machen wir selbst“, betont der Teamleiter stolz, „so haben wir alles rechtzeitig einsatzbereit.“ BÜROPFLANZEN: ZU WENIG LICHT UND ZU VIEL WASSER Wenn es draußen kalt wird, haben es die Zimmerpflanzen im klinikeigenen, beheizten Gewächshaus tropisch warm. Auf 30 Quadratmetern stehen Pflanzen unterschiedlicher Größen und Farbtöne in den Lagerregalen. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 80 bis 90 Prozent werden sie von den Gärtnern großgezogen ⟩⟩⟩ Unsere Grünflächen bieten Platz zum Rausgehen, Durchatmen und Nachdenken. Kevin Lang In den heißen Monaten ist das Team der Gärtnerei täglich mit dem Gieß-Fahrzeug auf dem Areal unterwegs. 5 EINER VON UNS
6 EINER VON UNS und gepflegt und warten dann auf ihre zukünftigen Besitzer:innen – sie dürfen die Büros der nicht-medizinischen Bereiche verschönern. Gemeinsam mit dem Hol- und Bringdienst werden die Zimmerpflanzen zugestellt. „Gießen müssen die Mitarbeiter aber selbst!“, schmunzelt Kevin, bevor er mit ernster Miene seine persönliche Erfahrung schildert: „Die meisten geben ihren Pflanzen zu viel Wasser und zu wenig Licht. Das ist, wie wenn man uns ein Keks-Stück hinhält, aber nicht mehr. Pflanzen müssen auch von etwas leben.“ Spritzmittel kommen im Außengelände der Klinik keine zum Einsatz, im Gewächshaus arbeiten die Gärtner:innen ausschließlich mit biologischen Mitteln. Ziel ist es, Schädlinge und Nützlinge im Gleichgewicht zu halten und so das Wohlergehen der Pflanzen zu sichern. Im Gewächshaus lagern im Schnitt 40 verschiedene Pflanzen. „Das Repertoire ist überschaubar“, heißt es beim Rundgang, „wir bemühen uns, größtenteils heimische Pflanzen zu setzen, die salzverträglich und nicht giftig oder stachelig sind.“ PLÄTZE ZUM DURCHATMEN Die Grünanlage vor dem Vinzenzgebäude ist Kevin Langs besonderer Stolz, immerhin hat er sie selbst geplant. Seiner Ausbildung als Landschaftsgärtner und seiner persönlichen Leidenschaft ist es zu verdanken, dass dieses besonders schöne Plätzchen zum Verweilen einlädt. Dort wächst auch seine Lieblingspflanze: die Felsenbirne. Aus ihren Früchten lässt sich laut Empfehlung des Hobby-Kochs besonders gute Marmelade herstellen. Wie wichtig Grünflächen für die Zukunft sind, steht für den 29-Jährigen außer Frage: „Wir müssen jede Grünfläche schätzen! Es wird immer wärmer ⟩⟩⟩ * Das Angebot gilt für Neukund:innen bzw. bestehende Kund:innen ohne Zahlungsverkehrskonto. Die Produkte senken die Kosten Ihrer Kontoführung, sind aber kostenpflichtig. Das Konto muss als Gehalts- bzw. Pensionskonto geführt werden. tirolersparkasse.at/partner s Plus Konto: Mehr nutzen – weniger zahlen Bestimmen Sie den Preis für Ihr Konto einfach selbst. Wählen Sie die Produkte und Services aus, die für Sie passen. So senken Sie die Kosten Ihrer Kontoführung – um bis zu 50 %.* Debitkarte + George gratis! Bäume spenden nicht nur Schatten, sie sind durch den Verdunstungsvorgang auch Luftkühler. Kevin Lang
und inzwischen wachsen Pflanzen bei uns, die früher nie heimisch waren.“ Die Begrünung am Areal erfüllt für ihn auch soziale Zwecke: „Kranke Menschen möchten nicht immer in geschlossenen Räumen von anderen Kranken umgeben sein. Unsere Grünflächen bieten Platz zum Rausgehen, Durchatmen und Nachdenken. Man hört Vögel zwitschern und kann Besuch empfangen.“ In seiner Arbeitszeit ist Kevin Lang viel im Freien unterwegs. „Auch privat bin ich sportlich“, schildert er, „aber ab und zu ist es als Ausgleich fein, einfach zu Hause zu entspannen.“ Visionen hat Kevin Lang viele: Von Zisternen zur Bewässerung bis hin zu reinen Fußgängerbereichen hätte er zahlreiche Ideen, um weitere Erholungsgebiete am Klinikareal zu schaffen. Beim Ausgang der Gärtnerei sticht ein kleiner Olivenbaum ins Auge. Auf die Frage, was es damit auf sich habe, hebt der Gärtner enthusiastisch die Hände in die Höhe und sagt: „Den habe ich selbst gezüchtet. Es wäre großartig, wenn er bis zu meiner Pension so hochwachsen würde!“ EINER VON UNS 7 Der richtige Pflanzenschnitt sorgt für gesundes Wachstum. " Nicht zu viel gießen und gerne viel Licht" so Kevins Ratschlag für Büropflanzen. FUN-FACTS • 74 Bäume wachsen am Klinikareal. • Vor der Blutbank stehen eine Blutbuche und eine Blutpflaume. • Der Christbaum in der MZA-Halle ist bis zu fünf Meter hoch. • Jährlich bindet die Klinikgärtnerei 50 Adventkränze. • Rund 80 Christbäume werden jedes Jahr aufgestellt.
8 WUSSTEN SIE, DASS ... MEDIZINGASE Rund 2 Kilometer lang ist die Ringleitung der Medizingase, die sich wie feine Adern durch die Gebäude der Innsbrucker Klinik zieht. Sie versorgt Patient:innenzimmer, OP-Säle und Labore zuverlässig mit Sauerstoff, Kohlendioxid, Druckluft und Stickstoff. Auch in Hall, Natters und Hochzirl gewährleistet die technische Infrastruktur im Hintergrund eine sichere MedizingasVersorgung. Medizingase WUSSTEN SIE, DASS ... WUSSTEN SIE, DASS … …es allein an der Klinik in Innsbruck 12 000 Entnahmestellen für Medizingase gibt? Im LKH Hall sind 2084 und im LKH Hochzirl-Natters 800 Auslässe verbaut. Diese Anschlussstellen in den Wänden von Behandlungsräumen oder in Stationszimmern ermöglichen eine direkte Versorgung mit Medizingasen wie Sauerstoff oder medizinischer Atemluft und auch dem medizinischen Vakuum. Sauerstoff und medizinische Druckluft bzw. aufbereitete Atemluft werden bei der Behandlung von Patient:innen am häufigsten gebraucht – sie dienen z. B. zur Behandlung bei Sauerstoffmangel. ENTNAHMESTELLEN WUSSTEN SIE, DASS … … Trockeneis aus CO2 besteht? Trockeneis wird vor allem im Labor und zur Kühlung beim Transport von Proben gebraucht. Trockeneis sieht aus wie Eis, wird aber beim " Schmelzen" nicht flüssig, sondern sofort gasförmig. Diesen Vorgang nennt man Sublimation. Trockeneis hat -78,5°C und erzeugt wie Stickstoff eine Abkühlung der Umgebungsluft, die „weiße Nebelschwaden“ durch die kondensierten Wasserteilchen in der Luft erzeugt. Als Gas wird medizinisches CO2 zum Beispiel bei minimalinvasiven Operationen eingesetzt: Das Gas „bläst“ z. B. bei Operationen den Bauchraum auf und schafft so Platz für die Geräte der Chirurg:innen. TROCKENEIS
9 WUSSTEN SIE, DASS ... WUSSTEN SIE, DASS … …Medizinischer Sauerstoff ein Ablaufdatum hat? Rund zwei Jahre kann er nach Abfüllung verwendet werden. Ca. 500 000 Liter flüssiger Sauerstoff werden pro Jahr an der Innsbrucker Klinik verbraucht, in Hall sind es rund 80 000 Liter. Das Landeskrankenhaus Hochzirl-Natters verbraucht 120 000 Liter jährlich. Der Großteil wird in Tanks gelagert, die wöchentlich nachgefüllt werden. Gelagert wird Sauerstoff in flüssiger Form, über die Leitungen kommt er dann als Gas in die jeweiligen Behandlungsbereiche. Die Abfüllung in Flaschen unterliegt den Qualitätsvorschriften der Medikamentenherstellung. Die meisten Standorte werden von einer externen Firma mit Sauerstoffflaschen beliefert, in Innsbruck wird die Abfüllung von speziell geschulten technischen Mitarbeitern durchgeführt. WUSSTEN SIE, DASS … …Vakuum auch zu den Medizingasen zählt? Es dient zum Absaugen von Sekreten oder Körperflüssigkeiten. Das braucht es zum Beispiel auf Intensivstationen bei beatmeten und schwer erkrankten Personen oder auch in den Notaufnahmen. Es gibt aber noch viele weitere Einsatzbereiche, zum Beispiel auf der Zahnklinik oder bei Operationen. In Hall und Innsbruck werden jeweils zwei Vakuum-Pumpanlagen betrieben, auch in Natters kommt eine Pumpanlage zum Einsatz. WUSSTEN SIE, DASS … … in der „MedGas“-Werkstätte in Innsbruck manchmal „Nebel“ aufsteigt? Stickstoff (N2) wird in flüssiger Form gelagert und ist extrem kalt, der Siedepunkt liegt bei -196°C. Beim Umfüllen in Transportgefäße verdampft Stickstoff und kühlt die Umgebungsluft. Das Wasser in der Luft kondensiert und bildet eine weiße, kalte Wolke, die wie Nebel oder Rauch aussieht. Stickstoff wird vor allem in Laboren oder für den Betrieb medizinischer Geräte verwendet. SAUERSTOFF VAKUUM STICKSTOFF
10 UNSERE GESCHICHTEN Es beginnt mit einem stechenden Schmerz in der Brust. Der Atem geht plötzlich schwer, jeder Versuch, tief einzuatmen, verstärkt die Beschwerden. Was zunächst wie eine Muskelverspannung oder Herzbeschwerde wirken kann, entpuppt sich manchmal als Pneumothorax, also Luft zwischen Lunge und Brustwand. Wenn das passiert, kann sich die Lunge nicht mehr vollständig entfalten. „Viele Betroffene beschreiben Schwierigkeiten beim Durchatmen und einen plötzlich auftretenden Schmerz im Brustkorb, der bis in die Schulter- oder Schlüsselbeingegend ausstrahlen kann“, sagt Florian Augustin, Leiter des Teams für Thoraxchirurgie in Innsbruck. „Der Körper signalisiert sofort, dass etwas nicht stimmt.“ Normalerweise herrscht zwischen Lunge und Brustkorb ein Unterdruck. Dieser sorgt dafür, dass sich die Lunge mit jedem Atemzug ausdehnt. Gelangt Luft in diesen schmalen Spalt, hebt sie diesen Mechanismus auf. Die Folge: Die Lunge fällt teilweise oder vollständig zusammen. TYPISCH: GROSS, SCHLANK, JUNG Besonders häufig trifft ein spontaner Pneumothorax große, schlanke junge Menschen, oft ohne erkennbare Ursache. Auch Rauchen erhöht das Risiko deutlich, da es die Entstehung kleiner Luftblasen im Lungengewebe begünstigen kann. Daneben kommen LUNGENKOLLAPS Ein zusammengefallener Lungenflügel, ein aufgeblähter Bauch nach dem Essen, das befreiende Gefühl eines tiefen Atemzugs nach einem stressigen Tag. Was diese unterschiedlichen Erfahrungen verbindet, ist Luft. Sie kann Leben retten, Beschwerden verursachen und sogar unsere Psyche beeinflussen. HOCH³ hat recherchiert, was Luft in unseren Körpern bewirken kann. VON KOLLAPS BIS KONTROLLE Text: Michaela Speckbacher | Fotos: Gerhard Berger Drainage zur Behandlung eines Pneumothorax Kollabierte Lunge in der Bildgebung Der Körper signalisiert sofort, dass etwas nicht stimmt. Florian Augustin
11 ⟩⟩⟩ UNSERE GESCHICHTEN Lungenerkrankungen oder Verletzungen als Auslöser infrage. „Wir versorgen jährlich mehr als 50 Betroffene“, so Chirurg Augustin. Die Behandlung richtet sich nach Ausmaß und Beschwerden. Kleine Pneumothoraces verschwinden oft von selbst. Größere Luftansammlungen müssen über eine Drainage entfernt werden, damit sich die Lunge wieder entfalten kann. In manchen Fällen verhindert erst ein operativer Eingriff ein erneutes Auftreten. „Die moderne Thoraxchirurgie arbeitet heute vielfach minimalinvasiv“, erklärt Florian Augustin, „Für Betroffene bedeutet das weniger Schmerzen, kleinere Narben und eine raschere Rückkehr in den Alltag.“ Was bleibt, ist oft ein neues Bewusstsein für etwas Selbstverständliches – den nächsten tiefen Atemzug. Luft im Bauch hat kein gutes Image. Dabei ist sie zunächst einmal ein ganz normaler Bestandteil unserer Verdauung. Jeder Mensch schluckt beim Essen und Trinken Luft, zusätzlich entstehen Gase bei der Verarbeitung unserer Nahrung. Verantwortlich dafür sind vor allem die Milliarden Mikroorganismen, die den Darm besiedeln. Sie unterstützen die Verdauung und produzieren dabei verschiedene Gase. Die Folge können Blähungen, ein Druckgefühl im Bauch oder sichtbare Bauchumfangszunahmen sein. DICKE LUFT IM BAUCH „Gasbildung gehört zu einer gesunden Verdauung dazu. Problematisch wird sie erst, wenn Beschwerden entstehen oder die Symptome deutlich zunehmen“, erklärt Christoph Gögele, Gastroenterologe an der Abteilung für Innere Medizin am LKH Hall. Tatsächlich zählen Blähungen und Völlegefühl zu einem der häufigsten Gründe, warum Menschen eine gastroenterologische Ambulanz aufsuchen. Hinter den Beschwerden können unterschiedliche Ursachen stecken. Oft spielen Ernährungsgewohnheiten eine Rolle, manchmal liegen aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Reizdarmsyndrome oder chronischentzündliche Darmerkrankungen zugrunde. AUF SPURENSUCHE IM VERDAUUNGSTRAKT Für die Diagnostik steht heute eine Vielzahl an Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben Anamnese und Laboruntersuchungen kommen beispielsweise Atemtests zum Einsatz. Sie helfen dabei, Unverträglichkeiten gegenüber Milchzucker oder Fruchtzucker nachzuweisen. Je nach Beschwerdebild können auch Ultraschalluntersuchungen, Endoskopien, Stuhldiagnostik oder weiterführende funktionelle Diagnostik notwendig sein. Wichtig zu betonen ist, dass es die „normale“ Menge an Gasbildung nicht gibt, sondern die Toleranz ähnlich der Schmerzempfindung sehr individuell ist. „Die Herausforderung besteht darin, zwischen harmlosen Verdauungsbeschwerden und behandlungsbedürftigen Erkrankungen zu unterscheiden. Dafür ist eine sorgfältige und strukturierte Abklärung entscheidend“, sagt Internist Gögele. „Besonders aufmerksam sollten Patient:innen werden, wenn zusätzlich Warnsignale ⟩⟩⟩ Ein Atemtest kann Hinweise auf Erkrankungen geben. Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn zusätzlich Warnsignale auftreten. Christoph Gögele WENN DIE VERDAUUNG DRUCK MACHT
12 UNSERE GESCHICHTEN Ein tiefer Seufzer der Erleichterung. Schnelles Atmen vor einer Prüfung. Das Gefühl, vor lauter Stress kaum Luft zu bekommen. Kaum eine Körperfunktion reagiert so unmittelbar auf unsere Emotionen wie die Atmung. Und kaum eine lässt sich gleichzeitig so bewusst beeinflussen. „Atmung und Psyche stehen in einem ständigen Austausch. Emotionale Belastungen verändern unser Atemmuster, und umgekehrt kann die Atmung unsere psychische Verfassung beeinflussen, hierbei spielt das vegetative Nervensystem eine wichtige Rolle“, erklärt Psychologin und Psychotherapeutin Pascale Toggenburg an der Universitätsklinik für Psychiatrie II (Psychosomatische Medizin) in Innsbruck. STRESS – ALARM – KÖRPERREAKTION Unter Stress schaltet der Körper in den Alarmmodus. Herzfrequenz und Atemfrequenz steigen an, die Atmung wird flacher und schneller. Viele Patient:innen erleben dadurch Beschwerden, die sich zuerst körperlich bemerkbar machen: Engegefühl in der Brust, Schwindel, Herzklopfen oder das Gefühl, nicht tief genug durchatmen zu können. Nicht selten führt sie dieser Weg zunächst in eine Notaufnahme oder Lungenambulanz. BEWUSSTE STEUERUNG HILFT Gerade bei Angst- und Panikstörungen spielt die Atmung eine zentrale Rolle. Der Körper startet hier ein automatisches Alarmprogramm. Ist es einmal angelaufen, lässt es sich nicht auf Knopfdruck stoppen. „Wer aber frühzeitig über die Atmung eingreift, kann verhindern, dass sich die Panik weiter aufschaukelt. Der Atem ist ein bemerkenswertes Instrument. Er funktioniert automatisch, lässt sich gleichzeitig bewusst steuern. Das macht ihn zu einem wertvollen Ansatzpunkt in der Behandlung von Stress- und Angstsymptomen“, erklärt die erfahrene Therapeutin. ATMUNG UND PSYCHE Atmung und Psyche stehen in einem ständigen Austausch Pascale Toggenburg ⟩⟩⟩ wie ungeklärter Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, anhaltende Schmerzen oder neu aufgetretene Beschwerden auftreten.“ In solchen Fällen empfiehlt der Facharzt unbedingt eine medizinische Abklärung. NICHT NUR EIN BAUCHGEFÜHL Auch wenn sich keine strukturelle Ursache finden lässt, können Verdauungsbeschwerden einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität haben. Körper und Psyche sind eng miteinander verbunden. Gerade bei chronischen Beschwerden beeinflussen sich seelische und körperliche Faktoren oft gegenseitig. Um langfristige Erfolge zu erzielen, braucht es daher eine individuell abgestimmte, multimodale Behandlung, die beispielsweise Psychotherapie, medikamentöse Unterstützung und spezielle Verfahren wie die Bauchhypnose miteinander verbindet. Die Forschung in den vergangenen Jahren hat gezeigt, welche zentrale Rolle das Darmmikrobiom für die Gesundheit spielt: Der Darm ist längst mehr als ein Verdauungsorgan. Er beeinflusst Stoffwechselvorgänge, das Immunsystem und steht über die sogenannte Darm-Hirn-Achse sogar mit unserem Nervensystem in Verbindung. Was sich manchmal nur als " zu viel Luft" bemerkbar macht, kann daher Teil eines komplexen Geschehens sein. Die meisten Blähungen sind harmlos. Für Gastroenterolog:innen sind sie jedoch oft der erste Hinweis auf Prozesse, die einen genaueren Blick verdienen. Bei ungeklärten Symptomen sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.
13 UNSERE GESCHICHTEN Neben psychischen Auslösern müssen auch mögliche körperliche Ursachen sorgfältig untersucht werden. Dazu gehören unter anderem Erkrankungen der Lunge, des Herz-Kreislauf-Systems oder Stoffwechselstörungen. In den tirol kliniken arbeiten dabei unterschiedliche Berufsgruppen eng zusammen. Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen, Physio- und Ergotherapeut:innen und Pflegefachkräfte begleiten Patient:innen dabei, ihre Körperwahrnehmung besser zu verstehen und Strategien für den Umgang mit Belastungen zu entwickeln. Durch eine bewusste Atmung signalisieren wir dem Gehirn Sicherheit und stoppen somit die Ausschüttung von Stresshormonen“, so Toggenburg. Eine wichtige Rolle spielen dabei verschiedene Techniken. Langsame, bewusste Atemzüge aktivieren den Parasympathikus, jenen Teil des vegetativen Nervensystems, der für Regeneration und Erholung zuständig ist. Der Puls sinkt, die Muskelspannung nimmt ab und das Gefühl von Kontrolle kehrt zurück. DEN ATEM TRAINIEREN Speziell in akuten Krisen und psychischen Ausnahmesituationen ist die bewusste Atemregulation ein extrem mächtiges Werkzeug, um sich zu erden. Damit dieser biologische Notfallknopf im Ernstfall aber verlässlich funktioniert, müssen die Techniken vorher in stabileren Phasen regelmäßig eingeübt worden sein. „Das trainieren wir auf der Station für psychosomatische Medizin unter anderem bei speziellen Biofeedbacksitzungen. Dabei können autonom ablaufende Prozesse auf einem Bildschirm sichtbar gemacht werden. Unsere Patient:innen erlernen ihren Atem als Tool für Stresssituationen bewusst einzusetzen“, so Toggenburg. Im therapeutischen Gruppensetting erhalten die Patient:innen außerdem gezielt Raum für Körper- und Atemarbeit. Mehrmals pro Woche können sie die erlernten Techniken bei Yoga, Autogenem Training und speziellen Entspannungsgruppen vertiefen und im Alltag anwenden. Die Erkenntnis dahinter ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Wer lernt, auf seinen Atem zu achten, kann oftmals auch besser auf die eigenen Bedürfnisse achten. Luft versorgt also nicht nur unseren Körper mit Sauerstoff. Sie kann auch ein Schlüssel zu mehr innerer Ruhe sein. In ganz Tirol über DAB+ und regionale UKW-Frequenzen. www.vm1.at Gesprächstherapie als zentrales Element Yoga für gezielte Atemarbeit zur Entspannung
14 Wenn jede Minute zählt, kommt Hilfe manchmal aus der Luft. An den Landeskrankenhäusern Hall und Innsbruck gehören Hubschrauberlandungen zum Alltag. 2025 kamen rund 2300 schwer verletzte oder akut erkrankte Patient:innen per Luftweg in die Versorgung. Eine, deren Arbeitsplatz manchmal auch in größeren Höhen liegt, ist Anästhesistin und Notärztin Ursula Kammerlander-Knauer. HOCH³ hat nachgefragt, warum sie seit über 7 Jahren regelmäßig in die Luft geht. UNSERE GESCHICHTEN MITARBEITER:INNEN ERZÄHLEN VON IHREN HOBBYS UND LEIDENSCHAFTEN, DIE IHNEN AUCH ABSEITS DES BERUFES FLÜGEL VERLEIHEN. READY FOR TAKEOFF Text: Teresa Lackner Pöschl, Michaela Speckbacher Fotos: Andreas Friedle, privat MANUEL GUTSCHE Traumatologische Intensivstation, LKH Innsbruck Ich war mit 3 Arbeitskollegen von mir im April 2026 für ca. 1 Woche in Chamonix, und wir durften nach coolen Skitourentagen im Mer de Glace am letzten Tag gemeinsam bei besten Bedingungen den Mont Blanc besteigen – und ich nahm den luftigen Weg retour ins Tal!
15 E in Dienst mit dem Christophorus 1 dauert von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. „Jetzt Ende August sind wir von 06:00 bis 21:40 Uhr am Stützpunkt einsatzbereit“, erzählt Ursula Kammerlander-Knauer. Sie ist Anästhesistin an der Innsbrucker Klinik und seit 2019 im Team der ÖAMTC-Flugrettung. Als Mama von drei Kindern hat sie auch die dafür notwendige Ausbildung in Teilzeit absolviert und fliegt inzwischen regelmäßig ein bis vier Mal im Monat. „Der größte Unterschied zur Arbeit im Krankenhaus? Dort schlafen meine Patient:innen einen guten Teil der Zeit", beschreibt sie schmunzelnd. „In der Anästhesie betreuen wir viele Patient:innen kurz vor und nach einer Operation, vor allem aber während der Narkose. Als Notärztin hingegen erlebe ich Menschen auch oft in Ausnahmesituationen und habe ein sehr breites Einsatzspektrum. Das ist eine großartige berufliche Ergänzung zum OP-Saal.“ SICHER IM TEAM Höhenaffin war die Tirolerin schon immer. Ihre Leidenschaft ist das Skitourengehen, aber auch mit dem Mountainbike und zu Fuß ist Ursula Kammerlander-Knauer in den Bergen unterwegs. „Höhe war für mich nie ein Problem! Von Anfang an habe ich mich im Hubschrauber wohl und sicher gefühlt.“ Eine Sicherheit, die auch durch die enge Teamarbeit entsteht. Pilot, Flugretter und Notärztin entscheiden gemeinsam über das Vorgehen bei einem Einsatz, im Dreierteam muss man sich aufeinander verlassen können und gibt sich Rückendeckung. Man bewältigt schließlich auch gemeinsam extreme Situationen. „Sehr gut kann ich mich an eine Taubergung bei Hochnebel erinnern. Unser Pilot konnte ein Nebelfenster finden und wir haben es geschafft, die Patientin unter Zeitdruck per Tau zu bergen. Zu dritt, also Patientin, Flugretter und ich, sind wir dann am Tau über die Nebeldecke in Richtung eines sicheren Landeplatzes geflogen. Währenddessen lichteten sich plötzlich die Nebelschwaden und wir hatten gefühlt 1000 Meter Luft unter den Füßen sowie einen Blick über das ganze Inntal.“ Bungeejumpen oder Paragleiten steht für die Flugretterin trotzdem nicht auf der Agenda. „Ich bin als Kind zwar einmal vom 5-Meter-Turm gesprungen, der freie Fall reizt mich aber gar nicht“, so die Flugrettungsärztin. STEPHANIE KRÖLL Labor, LKH Hall Tagsüber analysiere ich im Labor in Hall Proben, aber meine wahre Energie tanke ich beim Hike & Fly im Zillertal. Bergbahnen oder stressige Thermikflüge brauche ich nicht – ich gehe lieber ganz früh morgens oder spät abends, wenn ich den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang fast für mich alleine habe. Nach acht Jahren in der Luft weiß ich einfach: Das ist der perfekte Kontrast zu Mikroskop und Zentrifugen. ⟩⟩⟩ UNSERE GESCHICHTEN
STEFANIE VALENTINI KJP, LKH Hall Letztes Jahr durfte ich einen unvergesslichen Urlaub in Ägypten verbringen. Ein besonderes Highlight war eine Fahrt mit dem Heißluftballon, bei der ich die beeindruckende Landschaft aus der Vogelperspektive genießen konnte. Dieses Foto entstand am Fuße des Tempels der Hatschepsut und dem Nil – ein Anblick, den ich so schnell nicht vergessen werde. Ein weiteres unvergessliches Erlebnis hatte ich ebenfalls im letzten Jahr am Grand Canyon in Arizona (USA). Von der Aussichtsplattform aus konnte ich die atemberaubende Weite dieser einzigartigen Landschaft bestaunen. Der rund 450 Kilometer lange Grand Canyon zählt zu den beeindruckendsten Naturwundern der Welt und hat mich tief beeindruckt. . 16 UNSERE GESCHICHTEN BERUHIGEN, BEGLEITEN, VERSORGEN Die luftige Höhe ist auch für viele Patient:innen eine beunruhigende Situation. Einige machen sich Gedanken oder haben Angst: „Ich halte dann Augenkontakt und versuche auch durch Körperkontakt wie z. B. Handhalten im Hubschrauber Sicherheit zu geben. Wenn wir gemeinsam am Tau hängen, sage ich immer, 'Schau nach oben in den blauen Himmel und zum Hubschrauber'.“ Der Einsatz in der Luft bringt aber auch emotionale Talfahrten mit sich, es gibt Einsätze, die unter die Haut gehen. „Einsätze mit Kindern sind eine besondere Herausforderung“, erzählt die erfahrene Notärztin. Auch Lawinenabgänge gehen ihr nahe. „Wenn man selbst oft Skitour geht, bekommt man manchmal hart vor Augen geführt, wie schnell etwas passieren kann. Von einem Moment auf den anderen verändert sich alles. Aber ich lebe dadurch auch bewusster – jeder Tag, an dem es mir gut geht, ist ein geschenkter Tag.“ ÜBER DEN WOLKEN Ob Ursula Kammerlander-Knauer die Hubschrauberflüge genießt? Diese Frage lasse sich schwer beantworten. Im Einsatz sei der Fokus immer beim Notfall, bei den Patient:innen und beim Team: „Da ist kein Raum für die Überlegung, wie ich das Fliegen finde. Aber wenn wir jemanden erfolgreich versorgen und ins Krankenhaus überstellen konnten und dann einen Heimflug über die Alpen, vielleicht noch bei einem Sonnenuntergang, haben, dann genieße ich das schon sehr. Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie außergewöhnlich der Arbeitsplatz bei der Flugrettung ist!“ Zwischen Bergen, Blaulicht und Rotorlärm hat Ursula Kammerlander-Knauer ihren ganz persönlichen Traumarbeitsplatz gefunden. ⟩⟩⟩
17 UNSERE GESCHICHTEN Auf der KMT- beziehungsweise Isolierstation der Innsbrucker Klinik werden erwachsene Patient:innen mit akuten und chronischen Leukämien, Lymphomen, Multiplen Myelomen und anderen hämatologischen Erkrankungen behandelt. Dazu zählen auch Patient:innen, die eine Hochdosis Chemotherapie erhalten, denen körpereigene oder fremde Spenderzellen transplantiert werden oder die mit einer CART-Cell-Therapie bzw. bispezifischen Antikörper behandelt werden. Für sie ist keimfreie Luft überlebenswichtig, denn ihr Immunsystem ist durch die Behandlung der Krankheit selbst und durch die Transplantation geschwächt. „Bei einer Leukämieerkrankung ist häufig eine hochdosierIm 9. Stock der Frauen- und Kopfklinik in Innsbruck ist die Luft nicht dünner, aber sie wird sauberer: Bakterien, Viren und Sporen, die sich sonst in der Luft tummeln, sind hier nicht mehr nachweisbar. Eine eigene Luftfilteranlage schirmt Patient:innen mit unterdrücktem Immunsystem auf der KMT- und Isolierstation vor Keimen ab. ⟩⟩⟩ UNSICHTBARER SCHUTZ RAUM Text: Sabine Monthaler-Hechenblaikner | Fotos: Gerhard Berger
18 te Chemotherapie notwendig. Dabei werden neben den bösartigen Zellen auch gesunde, blutbildende Zellen im Knochenmark geschädigt, wodurch die Zahl der weißen Blutkörperchen stark absinkt. Das Immunsystem ist dadurch vorübergehend sehr geschwächt und die Patientinnen und Patienten sind besonders anfällig für Infektionen“, erklärt Normann Steiner, leitender Oberarzt im Bereich Zelltherapie. Nach einer allogenen Stammzelltransplantation wird das Immunsystem zusätzlich medikamentös unterdrückt. „Die Medikamente sollen verhindern, dass der Körper die fremden Spenderzellen abstößt. Gleichzeitig soll damit eine sogenannte Transplantat-gegenWirt-Reaktion verhindert werden, bei der die Immunzellen des Spenders den Körper der Patientin oder des Patienten angreifen können“, erklärt Steiner. In dieser Phase ist die körpereigene Abwehr besonders schwach und selbst „normale Luft“ wird so zum Risiko. Um die Patientinnen und Patienten bestmöglich vor Infektionen zu schützen, wird deshalb auch die Raumluft auf der Isolierstation besonders gründlich gefiltert. Die Patient:innen bleiben durchschnittlich vier bis sechs Wochen auf der Isolierstation, abhängig davon, wie schnell neue Stammzellen anwachsen und sich die Blutbildung sowie das Immunsystem erholen. GETRENNTE LUFTRÄUME Will man die Station betreten, muss man zuerst eine Schleuse passieren, die den Luftraum draußen von dem drinnen trennt. Erst öffnet sich eine Tür, dann – nach Anmeldung – die zweite. Obwohl bei unserem Besuch draußen sommerlich heiße Temperaturen herrschen, ist es auf der Station angenehm kühl. Oben an der Decke sieht man die unscheinbaren Lamellen des kontrollierten Luftfiltersystems, welches die gesäuberte Luft durch alle Zimmer und den Flur schickt. Dieses System schafft einen unsichtbaren Schutzraum für die Patient:innen. DIE MASKE FÜR DRAUSSEN „Diese besonderen Bedingungen ermöglichen es den Patientinnen und Patienten, dass sie sich frei auf der Station bewegen und den Aufenthaltsraum nutzen können, je nachdem wie ihr Gesundheitszustand gerade ist. Das bedeutet für sie viel Lebensqualität“, erklärt Josefine Bürgler, die Stationsleitung, während sie uns durch die Station führt. Sie geht an einem Zimmer vorbei, die Tür steht gerade offen. Dort sitzt Robert P. (Name von der Redaktion geändert) auf seinem Bett. „Hast du schon alles gepackt?“, fragt sie. „Ja, ich bin bereit!“, sagt er voller Freude. Nach sieben Wochen auf der KMT-Station ist sein Immunsystem endlich wieder so weit hergestellt, dass er nach Hause kann. In der Hand hält er schon eine Mundschutzmaske bereit, denn trotz des Genesungsfortschritts ist außerhalb der Station Vorsicht vor Infektionen angesagt. Josefines Blick fällt auf die Glasfensterfront hinter ihm im Zimmer, die einen wunderschönen Ausblick über die Dächer Innsbrucks auf die Nordkette bietet. „Die Fenster dürfen wir auf der Station nicht öffnen, das würde die sterile Luft verunreinigen. Für manche Patient:innen ist das durchaus eine Herausforderung, weil sie wochenlang nicht nach draußen können“, erzählt Josefine. 99,9 % PARTIKELFREI Ein Stockwerk tiefer beschreibt Kurt Kotrba, Leiter der Anlagentechnik der tirol kliniken, die Funktionsweise der technischen Anlagen. „Die kontrollierte Lüftungsanlage erzeugt einen Überdruck in den Räumen, sodass keine verunreinigte Luft durch Ritzen eindringen und sich mit der sauberen ⟩⟩⟩ UNSERE GESCHICHTEN Die Luft wird zu 99,9 % von Partikeln befreit. Kurt Kotrba
19 UNSERE GESCHICHTEN vermischen kann. Das ist aber nicht spürbar“, erklärt er. Er führt uns in das Herzstück der Lüftungsanlage, direkt unter der Station. Im Versorgungsraum sind Filtersystem, Ventilatoren, Wärmetauscher und die in silberne Dämmung eingepackten Zu- und Abluftrohre untergebracht. „Die Anlage saugt Außenluft an und leitet sie kontrolliert durch drei Phasen der Filterung: Zuerst werden grobe Partikel entfernt, dann wird sie je nach Bedarf beheizt oder gekühlt sowie be- oder entfeuchtet, zuletzt geht sie durch einen endständigen Schwebstofffilter. So wird sie zu 99,9 % von Partikeln befreit, bevor sie in die Station und die Zimmer eingespeist wird. Auch die Abluft wird über ein Filtersystem gereinigt“, erklärt Kotrba. Stündlich zirkulieren so rund 16 000 Kubikmeter gesäuberte Luft durch die Station. Für die Genesung der Erkrankten spielen auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle – denn Trockenheit greift die Schleimhäute an und begünstigt Infekte. „Je nach Jahreszeit lassen sich alle Räume nach den Bedürfnissen der Patient:innen regulieren.“ KINDERONKOLOGIE: BETT IM LUFTVORHANG Neben dem System für die KMT-Station gibt es am Landeskrankenhaus Innsbruck auch noch andere technische Lösungen, die Patient:innen vor Keimen in der Luft schützt. Einzelne Zimmer auf der Station der KinderOnkologie sind mit lokalen Laminar-Flow-Einheiten direkt über dem Bett ausgestattet. An der Decke ist nur ein flaches, rechteckiges Element sichtbar, durch welches gefilterte Luft gleichmäßig geradlinig verteilt nach unten strömt. Somit entsteht eine Art Schutzvorhang rund um das Bett der kleinen Patient:innen, der alle Partikel und Mikroorganismen zurückhält. STÄNDIGE DESINFEKTION IST PFLICHT Neben der Luftfilterung gelten auf der KMT-Station strenge Hygienevorschriften, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. „Unsere oberste Priorität ist, dass sich Patientinnen und Patienten keinen Infekt zuziehen. Während der Infektionssaison arbeiten wir durchgehend mit Mund-Nasen-Schutz“, berichtet Josefine Bürgler. Werden bei Hygieneuntersuchungen hochinfektiöse Keime festgestellt, wird die betroffene Person isoliert: Das Zimmer wird dann mit Einmalschutzkittel, Mund-NasenSchutz und Handschuhen betreten. DER SCHRITT ZURÜCK IN DEN ALLTAG „Infektionsschutz, Übelkeit aufgrund der Chemotherapien und die Ängste der Schwerkranken sind die drei Themen, die uns jeden Tag in unserer Arbeit begleiten“, erzählt Josefine. „Tagsüber haben die Patient:innen zwischen Bluttransfusionen, Infusionen und Therapien meist weniger Zeit zum Plaudern. Am Abend, wenn es ruhiger auf der Station wird, beginnen sie dann oft zu erzählen“, weiß Josefine. Auch die Sorge, den geschützten Raum zu verlassen, beschäftigt die Patient:innen. „Für diese Sorgen und Ängste sind die Teams der klinischen Psychologie und der Klinikseelsorge zur Stelle“, ergänzt die Stationsleitung. Auch Robert P. kennt diese Gedanken. Nun wartet er auf seine Entlassung. Die Maske in seiner Hand für den Weg durch die Luft-Schleuse. Für den Weg nach Hause. Am Abend, wenn es ruhiger wird, beginnen Patientinnen und Patienten dann oft zu erzählen. Josefine Bürgler
Die Abteilung für Pneumologie am Krankenhaus Natters ist auf die Diagnose, Behandlung und Frührehabilitation von Lungenerkrankungen spezialisiert. Auch Nicole und Manfred werden dort betreut. Oberarzt Christoph Tschurtschenthaler hält fest: „Eines haben die meisten Lungenerkrankungen gemeinsam – je früher man sie erkennt, umso wirksamer sind Therapien. Gerade bei chronischen Erkrankungen spielt das für die Lebensqualität eine große Rolle.“ ATEMNOT Bei Nicole beginnt alles während des Lockdowns im Winter 2020. Statt Gäste zu bedienen, putzt die damalige Kellnerin im geschlossenen Restaurant. Dabei fällt ihr auf, dass sie ungewöhnlich schnell außer Atem gerät. „Ich habe das zunächst auf die Putzmitteldämpfe geschoben“, erinnert sie sich. Doch die Beschwerden werden stärker. Schon wenige Stufen fühlen sich an wie ein Marathon. Schwindel und stechende Schmerzen in der Brust kommen dazu. DER WEG ZUR DIAGNOSE – PAH Kurz vor Weihnachten lässt sie ein Lungenröntgen machen. Wenig später der Anruf: Ihr Herz ist vergrößert, sie soll dringend zum Kardiologen. Dazu kommt es beinahe nicht mehr: „Ich bekam plötzlich im Liegen keine Luft mehr.“ Nach einer Nacht voller Atemnot fährt sie in die Notaufnahme. Die Diagnose lautet schließlich: Idiopathische Pulmonale Arterielle Hypertonie, kurz PAH, eine seltene Form von Lungenhochdruck ohne erkennbare Ursache. „Diese Form des Lungenhochdrucks ist sehr selten“, betont Tschurtschenthaler. „In Österreich sind schätzungsweise rund 500 Menschen betroffen.“ Die Erkrankung sei derzeit nicht heilbar, könne aber im Zentrum mit modernen Medikamenten bei frühzeitiger Diagnose gut kontrolliert werden. „Ziel der Behandlung ist es, die Verengung der Lungengefäße und die Belastung des rechten Herzens zu reduzieren - zusammen mit individuell angepasstem, medizinisch begleitetem Bewegungstraining kann oft eine gute Lebensqualität erreicht werden.“ HOCH HINAUS – LEBEN MIT DER KRANKHEIT „Ich wusste damals überhaupt nicht, was diese Krankheit ist“, so die heute 40-jährige Stubaierin. Auf den fast Ich höre gut auf meinen Körper. Nicole Unterschiedliche Diagnosen, eine gemeinsame Angst: Manfred hat COPD, die häufigste Lungenerkrankung in Österreich. Nicole lebt seit 5 Jahren mit einer sehr seltenen Form von Lungenhochdruck, der Idiopathischen Pulmonalen Arteriellen Hypertonie. Beide haben erlebt, wie es sich anfühlt, „keine Luft“ mehr zu bekommen. Dennoch blicken sie zuversichtlich nach vorne und haben der HOCH³ erzählt, wie sie heute dank erfolgreicher Therapie mit ihrer Erkrankung leben. JEDER ATEMZUG ZÄHLT Text: Teresa Lackner-Pöschl Fotos: privat, Gerhard Berger
21 zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt folgen Medikamente, Rehabilitation und viele offene Fragen. Vor allem eine beschäftigt sie: Wird sie jemals wieder arbeiten können? Ja, kann sie, allerdings nicht mehr in der Gastronomie. Nicole absolviert eine Ausbildung zur Personalverrechnerin und arbeitet heute erfolgreich im Büro. Auch privat stehen Änderungen an: Das Rauchen hat sie gleich nach der Diagnose aufgegeben. Und sie beginnt zu gehen. Zuerst kurze Strecken, dann ausgedehnte Spaziergänge und schließlich Wanderungen. „Vor der Diagnose war ich eigentlich gar nicht sportlich“, sagt sie und lacht. Heute führt sie auf ihrem Handy eine Liste mit Gipfeln, die sie erklimmen möchte. Besonders stolz ist sie auf ihre Touren zum Hohen Burgstall und auf die Elferspitze. Als nächstes Ziel wartet die Serles. „Ich höre gut auf meinen Körper, plane genug Pausen ein und vermeide Überanstrengung.“ Unter „die drei Stubaier“ will sie heuer jedenfalls noch einen Haken setzen. CHRONISCH LUNGENKRANK – COPD Während Nicole 2021 ihr Leben umstellt, wird Manfreds Name auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt. Bei dem diplomierten Krankenpfleger und langjährigen Mitarbeiter in Hall wurde 2018 eine mittelgradige COPD (Stadium 2) diagnostiziert. Die „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“ gehört zu den häufigsten chronischen Lungenerkrankungen. Etwa jede zehnte Person über 40 Jahre ist betroffen. Dabei kommt es zu einer dauerhaften Verengung der Atemwege. Husten, Auswurf und Atembeschwerden sind typische Symptome; insbesondere kann die Leistungsfähigkeit abnehmen. „Für rauchende Menschen ist der vollständige Rauchstopp die wichtigste Maßnahme. Ein individueller Therapieplan aus Medikamenten, Bewegung und gegebenenfalls Atemphysiotherapie kann dazu beitragen, die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu erhalten beziehungsweise zu verbessern“, erklärt Lungenexperte Tschurtschenthaler. Trotz verschiedener Therapien schreitet Manfreds Krankheit weiter fort. Drei Jahre lang begleitet ihn ein Sauerstoffschlauch durch den Alltag. „Ich war Tag und Nacht auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen. Irgendwann musste ich sogar Telefonate abbrechen, weil mir die Luft zum Reden gefehlt hat.“ Jede Bewegung wird mühsam. Selbst eine Stufe wird zum Hindernis. NEUE HOFFNUNG: LUNGENTRANSPLANTATION 2022 erhält er die erste Lungentransplantation. Die Transplantation verlief erfolgreich, rasch folgte aber eine Verschlechterung der Lungenfunktion. Er muss wieder auf die Warteliste. Während der Wartezeit verbringt er insgesamt rund 180 Tage im Krankenhaus. Der 58-jährige Tiroler erinnert sich an lange Minuten beim Warten auf den Notarzt. „Ohne Luft bekommt man Todesängste. Man hat ständig Angst zu ersticken“. Kurz bevor er 2023 an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wurde, kam der erlösende Anruf: Es gibt eine passende Spenderlunge. Diesmal verläuft alles gut. „HUMOR NICHT VERLIEREN IST DAS WICHTIGSTE“ „Ich habe ein großes Glück gehabt“, ist sich Manfred bewusst. „Es geht mir heute gut, und es hat sich alles rentiert.“ Mit einem E-Bike bringt er Bewegung in sein Leben, er absolviert regelmäßig seine Therapien und auch als Musikant ist er wieder aktiv. Seit er nicht mehr auf Sauerstoff angewiesen ist, besucht er wieder jede Woche seine Herrenrunde „unsere ‚Rushhour‘, da machen wir ‚Wochenanalyse‘ und ratschen über alles Mögliche.“ Dankbar ist er vor allem seiner Familie. „Meine Kinder haben mich immer unterstützt und mir geholfen, den Humor nicht zu verlieren“, lächelt er. „Wenn ich mich am Weg zum Kühlschrank in meinem sieben Meter langen Sauerstoffschlauch verheddert habe, war immer ein lustiger Spruch parat.“ Er spart aber auch nicht mit Selbstkritik. Gewohnheiten zu ändern sei ihm schwergefallen: Die Entwöhnung vom Rauchen war ein schwieriger Prozess. „Ich kann nur jedem empfehlen, passts auf euch auf und schauts auf die Gesundheit. Bewegt euch und genießt das Leben. Es ist zu kurz zum Schimpfen – wir sollten es auskosten.“ Weil jeder Atemzug zählt. UNSERE GESCHICHTEN Es geht mir heute gut, und es hat sich alles rentiert. Manfred Christoph Tschurtschenthaler ist Oberarzt an der Pneumologie im Krankenhaus Natters und betreut Patient:innen wie Nicole und Manfred in der ambulanten Nachsorge.
22 XXXXXXXXXXXX „Die Lunge vergisst nicht“, betont Judith LöffIer-Ragg im Interview mit HOCH³ zur Lungengesundheit. Sie ist Primaria der Pneumologie (Lungenheilkunde) im Krankenhaus in Natters und wird nicht müde, zur Lungenvorsorge aufzurufen.
23 WAS BEDEUTET " DIE LUNGE VERGISST NICHT"? Die Gasaustauschfläche der Lunge müssen Sie sich so groß wie ein Fußballfeld vorstellen. Dadurch haben wir enorme funktionelle Reserven und spüren Schäden lange nicht. Die Einflüsse auf die Lunge summieren sich aber im Laufe des Lebens: Rauchen, Umweltschadstoffe, Staubbelastungen oder wiederkehrende Infektionen hinterlassen Spuren und führen erst mit steigendem Alter zu Symptomen. Der Schaden ist dann aber schon da. Wir müssen vor der Erkrankung für unsere Lunge sorgen, Lungengesundheit beginnt bereits in der Kindheit und Jugend. WAS MACHT DIE LUNGE KRANK UND WAS HÄLT SIE GESUND? Die oberste Empfehlung ist es, nicht zu rauchen. Wir wissen aus Untersuchungen, dass auch bei symptomfreien langjährigen Raucher:innen im Alter von 40 Jahren mit noch normaler Lungenfunktion Veränderungen bei CT-Aufnahmen sichtbar sind. Zusätzlich haben Bewegung und gesundes Essen wissenschaftlich belegt positiven Einfluss auf die Lungengesundheit. Wichtig ist es auch, Infektionen zu vermeiden – Impfungen sind also auch Lungenvorsorge. Und: Schadstoffe vermeiden, wo auch immer es geht. WAS SIND DIE HÄUFIGSTEN LUNGENERKRANKUNGEN IN ÖSTERREICH? Zu den häufigsten Erkrankungen zählen COPD, Asthma, Lungenkrebs, Infektionen der unteren Atemwege und die Lungenfibrose. Besonders bei COPD und Lungenkrebs spielt eine langjährige Schadstoffbelastung eine wesentliche Rolle. Dazu gehören neben Tabakrauch auch berufliche Belastungen mit Staub und Schadstoffen – wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder auch in einer Tischlerei. Aber wir alle sind Schadstoffen ausgesetzt, zum Beispiel durch Verkehrs-Emissionen. WELCHE ROLLE SPIELT DIE QUALITÄT DER LUFT, DIE WIR TÄGLICH ATMEN? Bei schweren Lungenerkrankungen wie COPD und Lungenkrebs spielen inhalative Schadstoffexpositionen eine wesentliche Rolle. Tabakrauch ist dabei der wichtigste, vermeidbare Risikofaktor. Rund 15 Prozent der Lungenkrebs- oder COPD-Betroffenen rauchen allerdings nicht. Unter anderem trägt hier auch Luftverschmutzung zur Krankheitslast bei. In Innsbruck konnte eine Pilotstudie Assoziationen zwischen COPD-Verschlechterungen und der Luftqualität im Winter beobachten. Wir müssen Luftschadstoffe jedenfalls langfristig bei der Lungenvorsorge mitdenken, ich erwarte mir in den kommenden Jahren auch einige neue Daten. WIRKT SICH DER KLIMAWANDEL AUF DIE LUNGE AUS? Ja. Wir beobachten zunehmend, dass Umwelt- und Klimafaktoren die Lungengesundheit beeinflussen. Hitze zum Beispiel bedeutet thermischen und oxidativen Stress, Atemwege schwellen an. Bei Vorerkrankungen führt das zur Verschlechterung des Zustands. Bei langen Phasen ohne Niederschlag bleiben auch Schadstoffe länger in der Luft. Hinzu kommen längere Pollenzeiten und veränderte Vegetationsperioden durch Klimaveränderung, das belastet Menschen mit Asthma. Wir müssen Patientinnen und Patienten über diese Zusammenhänge informieren, damit vulnerable Personen sich schützen können und zum Beispiel an Tagen mit hohen Schadstoffwerten den Aufenthalt im Freien reduzieren. WAS TUT SICH IN SACHEN THERAPIE? Die Entwicklung geht klar in Richtung personalisierte und zielgerichtete Therapien. Ein wichtiger Fortschritt sind sogenannte Biologika, also Antikörpertherapien, die gezielt bestimmte Entzündungsprozesse blockieren. Sie wurden zunächst für Asthma entwickelt und kommen inzwischen auch für bestimmte Patientengruppen mit COPD infrage. Die beste Wirkung hat jede Therapie aber nur bei einer frühen Diagnose. VORSORGE IST ALSO DIE BESTE THERAPIE? Definitiv. Sowohl individuell als auch gesundheitspolitisch. Wer länger als acht Wochen hustet, unter Atembeschwerden leidet oder eine ungeklärte Leistungsminderung bemerkt, sollte dies ärztlich abklären lassen. Je früher eine Diagnose, umso wirkungsvoller die Therapie. Wir erwarten eine Zunahme bei den Lungenerkrankungen durch die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft und die angesprochenen Klimaveränderungen und damit verbundenen, steigenden Schadstoffbelastungen. Auch für unser Gesundheitssystem sind deshalb Prävention und entsprechende Früherkennungsmodelle entscheidend. IM GESPRÄCH Text: Teresa Lackner-Pöschl | Foto: Gerhard Berger IM GESPRÄCH
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